Ausgabe 
(6.3.1896) 19
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äL 19.

IreiLag, den 6. März

1896.

Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .

Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler) .

Die Astrologen.

Historischer Neman aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges.

Von Max Benno.

(Fortsetzung.)

13.

Kaum vierundzwanzig Stunden vor der folgen-schweren Vereinbarung in Eger erging Georg sich aufden gewundenen Kieswegen des Schloßgartens zu Pilsen. Die seit einigen Tagen herrschende warme Witterunghatte fast allenthalben mit dem Schnee aufgeräumt; nurdie Höhen des Böhmerwaldes schauten noch in ihremweißen Wintergewande in's Thal. Georg war gealtertund viel männlicher geworden. Der übermüthig-spöttischeZug, welcher sich früher so oft gezeigt hatte, war völligaus seinem Antlitz verschwunden und hatte einem tiefenErnst Platz gemacht. Das Schicksal des Herzogs, das,wie er wußte, unaufhaltsam seiner traurigen Erfüllungentgegenging, bereitete ihm bitteren Schmerz. Er hattenach seiner letzten Unterredung mit Piccolomini, der einefast väterliche Zuneigung für ihn gefaßt zu haben schien,zu wiederholten Malen den Versuch gemacht, bei diesemetwas für die Abwendung des Schlages zu thun, durchwelchen sein Wohlthäter, der stolze, hochstrebende Mann,von der Sonnenhöhe des Glücks und der Erfolge in dieNacht des Elends oder doch der Bedeutungslosigkeit hinab-gestürzt werden mußte; allein der Graf hatte ihm jedes-mal die Undurchführbarkeit einer solchen Absicht so be-stimmt entgegengehalten, daß auch die letzte Spur vonHoffnung aus seiner Seele verschwunden war.

Der Inhalt des Absetzungs-DecreteS war beim Heereschon seit mehreren Tagen allgemein bekannt, und viel-fach wurde die Frage erörtert, was wohl der Kaiser mitdem ungetreuen Feldherrn anfangen werde. Wallenstein hatte sich zwar, wenn man für alle gegen ihn erhobenenBeschuldigungen den Beweis liefern konnte, unbestreitbardes Hochverraths schuldig gemacht und dadurch nach demGesetze das Leben verwirkt; gleichwohl dachte aber Nie-mand daran, daß Ferdinand II. bei seiner Güte undVersöhnlichkeit mit dem Manne, der ihm in so schwieri-gen Lagen Rettung gebracht hatte, allzustreng in's Ge-richt gehen werde.

Diese Hoffnung hielt auch Georg aufrecht.Viel-leicht", tröstete er sicherträgt der Herzog, durch Er-fahrung klug geworden, die Demüthigung mit mehr Er-gebung, als man erwartet; er versöhnt sich mit demKaiser und macht durch doppelten Eifer für dessen Sache

wieder gut, was er verschuldet, oder er tritt völlig vomSchauplatz der großen Welt ab und zieht sich auf seineGüter zurück."

Die letztere Lösung gab den Gedanken des jungenMannes eine freundlichere Richtung. Vor einigen Tagenhatte ihm ein Bote aus Großmeseritsch ein Schreibengebracht mit der Nachricht, daß der Umbau des Schlossesvollzogen sei und alles bereit stehe, die herzogliche Fa-milie aufzunehmen. Dem offiziellen Bericht lag auch einBrteflein von Magdalenens Hand bei, in welchem sieGeorg ihre Grüße zusandte und ihn zum recht baldigenEinzug in die liebe Heimath einlud. Er kannte dieBedeutung des bräutlichen Wunsches, und sein Herz pochtefreudig.

Ein Diener rief ihn zum Grafen Piccolomini. Inunverkennbarer Aufregung kam der General, als Georgdessen Zimmer betrat, auf ihn zu. Er hielt in derHand ein offenes Schreiben.Was ich vorausgesagthabe, ist eingetroffen", sagte er.Wallenstein gibt dieletzte Karte in seinem verzweifelten Spiel aus und wirdsie verlieren! Oberst Butler schreibt mir, daß er morgenmit dem Herzog, der nur noch über wenige Compagnieenverfügt, in Eger einziehen werde. Es ist der Anfangvom Ende. Ich habe bereits dafür gesorgt, daß er nur,um dem Kaiser Rechenschaft über seine Thaten zu geben,die Festung verläßt. Wallenstein baut auf die Schweden; er rechnet, bis zu deren Ankunft sich in Eger halten zukönnen, aber er täuscht sich; dem General Holk wie Bern-hard von Weimar sind alle Wege nach der Festungverlegt."

General", wagte Georg ihn zu unterbrechen.Ichweiß nicht, wie mir ist; eine innere Stimme flüstertmir zu, der Herzog schwebe in großer Gefahr."

Wo denkst Du hin?" fiel Piccolomini dem Haupt-mann in's Wort.Die Verhältnisse sind derart, daßes gar nicht zum Kampfe kommen wird. Oberst Butler,der mich durch einen besondern Boten seiner unverbrüch-lichen Treue versichert, hat den Auftrag, den verblende-ten Mann gefangen zu nehmen. Der Festungs-Com-mandant Gordon, sowie der Befehlshaber der Besatzungvon Eger, Oberstwachtmeister Leßlie, halten zum Kai-ser; es wäre somit Wahnsinn, wenn Wallenstein mitseinem Häuflein an Widerstand denken würde."

Ein namenloser Schrecken hatte sich bei des Gene-rals letzten Worten Georg's bemächtigt. Mit Blitzes-schnelle zogen die Ereignisse der Vergangenheit an ihm