Ausgabe 
(6.3.1896) 19
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vals. Aus diesem Grunde nahmen die VerblendetenLeßlie'L Einladung in die Wohnung Gordon'8 ohneweiteres an, zumal da sie in Ersterm nach den Andeut-ungen deS Herzogs schon einen im Nang gleichstehendenKameraden erblicken durften; nur baten sie, das Mahl erstAbends zu halten. Dieser Wunsch wurde um so bereit-williger erfüllt, als das Dunkel der Nacht die Thatzu fördern versprach.

Abends um sechs Uhr begaben sich die Geladenenin einer Kutsche nach der Citadelle, wo Gordon mitLeßlie sie empfing. Die Herren befanden sich in fröh-licher Stimmung. Ein Bote, erzählten sie, habe dieNachricht gebracht, daß die Schweden am folgenden Tagein Eger einrücken würden. Ein bedeutungsvoller Blickflog von Leßlie zu den Freunden hinüber und besiegeltedaS Schicksal der Gäste.

Nach der Einfahrt der Letzter» durch den Thorweghatten sich alsbald Patrouillen in Bewegung gesetzt. EinButler 'scher Offizier besetzte mit seinen Leuten den Ein-gang zu Gordon's Wohnung und befahl ohne ausdrück-lichen Befehl Niemanden pasfiren zu lassen. OberstButler hatte schon vorher in einem der SeitenzimmerdeS Saales den Oberstwachtmeister Geraldino mit sechsDragonern untergebracht, in einem andern stand Donald-Devereux mit vierundzwanzig Reitern znm Hervorbrechenbereit. Als der Nachtisch aufgetragen war, kreiste derBecher noch rascher als vorher. Die Herren tranken aufdas Wohl des Herzogs, der neuen Armee und brachtendem wortbrüchigen Kaiser ein Pereat um's andere. Daerschienen plötzlich Geraldino und Devereux mit ihrenLeuten aus den Seitenzimmern im Saale.VivatAustria!" rief Geraldino undWer ist gut kaiserlich?"Devereux.

Butler, Leßlie und Gordon sprangen auf, ergriffenje einen Leuchter und zogen mit dem Ausruf:Es lebedas Haus Oesterreich !" die Degen.

Dies war das verabredete Signal. Die Dragonerstürzten sich auf die verrathenen Gäste, ehe diese nochrecht begriffen, was vor ihren Augen geschah. Kinskywurde wehrlos niedergemacht. Jllo griff nach seinemDegen, den er an die Wand gehängt hatte, wurde jedochim selben Auuenblick durch den Rücken gestoßen undfiel. Dem Grafen Terzky gelang eS, seine Waffe zuergreifen. Er stellte sich in eine Ecke, um sich gegendie Uebermacht zu decken. Längere Zeit vermochte erunter dem Schutze seines Kollers von Elennhaut die Sol-daten von sich abzuwehren und schleuderte dabei Leßliewegen seines feigen Verrathes die heftigsten Vorwürfein's Angesicht, bis ein Partisanenstoß das Koller durch-löcherte und ihm den Tod brachte. Der RittmeisterNeumann war glücklich aus dem Saale entkommen. Erhatte schon die Treppe erreicht und hoffte, bei der Ver-wirrung seine Flucht durch den Hof bewerkstelligen zukönnen. Da trat ihm an der Spitze mehrerer Dragonerder Hauptmann Devereux in den Weg.

Hölle und Teufel", fluchte dieser und schwang diePartisane zum Stoß,eine hübsche Belohnung für Müheund Schweiß! Da fliegt uns am Ende der beste Vogeldavon! Drauf, Bursche, des Herzogs Schooßkind mußauch bei der Himmelfahrt sein l"

Im Augenblick waren ein halbes Dutzend Parti-sanenspitzen auf die Brust des Rittmeisters gezückt. EineBlntwelle spritzte empor der Nachsucht und Leiden-schaft war ein weiteres Opfer gebracht.

Nun habe ich Ruhe vor Euch, schöner Herr",zischte Devereux.Ihr kommt mir bei Marion nichtmehr in den Weg l" Er wandte sich höhnisch lachend abund verließ mit seinen Leuten den Platz.

Ungeachtet des so fest gefaßten Entschlusses warfenGordon und Butler , als die Offiziere bereits in ihre«Blute schwammen, noch einmal die Frage auf, ob esnicht räthlicher wäre den Herzog nur gefangen zu nehmen.Ein versöhnliches Wort Leßlie'S hätte diesen sicher ge-rettet; doch der unerbittliche Mann sprach es nicht auS,und seine glühende Nachsucht errang schließlich die Ober-hand. Durch den Hinweis auf die Nähe der Schweden und die große Gefahr für die Sache deS Kaisers, wennWallenstetn die Freiheit erlange, wurden die mildernRegungen allmälig erstickt, das Urtheil lautete auchfür den Herzog von Friedland auf Tod.

Zur größeren Vorsicht wurde der Marktplatz miteiner starken Mannschaft besetzt, und in den Straßenmachte eine neuerdings eingelassene Abtheilung Dragoner die Runde. Leßlie nahm die Hauptwache vorn Terzky'-schen Regiment auf's neue für den Kaiser in Pflicht undbegleitete bann seinen Neffen mit sechs Dragonern zuder Wohnung des Herzogs.

Die Wache ließ ihn ein, da er eine wichtige Bot-schaft zu bringen vorgab. Im Vorzimmer aber wiesder Kammerdiener ihn ab, well Wallenstetn sich schonzur Ruhe gelegt hatte.

Ohne von dem, waS draußen geschah, auch nurdas Geringste zu ahnen, wälzte sich dieser unruhig imBett. Kurz vorher war Sem bei ihm gewesen und hatteihn vor einem Unheil gewarnt, das der drohende Standder Gestirne anzeige. Der Herzog war anscheinend leichtüber die Besorgnisse des Astrologen hinweggegangen undhatte diesen, als er sich nicht beruhigen wollte, fast un-willig aus dem Zimmer geschickt. Jetzt brach die ge-waltsam niedergekämpfte Erregung des Herzogs hervor.Die Andeutungen Seni's erschienen ihm anf einmal nichtmehr bedeutungslos; er empfand etwas wie Furcht voreiner unbestimmten Gefahr und stand im Begriff, denAstrolonen durch den Kammerdiener noch einmal rufenzu lassen, als er den Wortwechsel vor der Thüre seinesZimmers vernahm. Er erhob sich und machte einigeSchritte vorwärts. Da trafen die verzweiflungSvollenKlagen der Gräfin Terzky, welche auf die Kunde vonder Ermordung ihres Gatten herbeigeeilt war, aus demNebengebäude sein Ohr, und eine furchtbare Ahnungstieg in ihm auf.

Er öffnete ein Fenster und fragte die Wache, wasvorgehe. In diesem Augenblick hatte Devereux die Thüredes Schlafraumes gesprengt und stand mit seinen Leutenim Gemach.

Wallenstetn blickte den Eindringlingen bleich, abermit erhobenem Haupte entgegen; seine Haltung verriethkeine Furcht. Die Gewißheit des Schicksals, das ihm,wie er nun wohl begriff, bestimmt war, gab ihm miteinemSchlag scineKaltblütigkeit und Todesverachtung zurück.

Der Hanptmann trat vor und stellte die Frage:Bist Du der Schelm, welcher den Kaiser um Kroneund Land bringen will?"

Beim Klang dieser Stimme schaute Wollenster»überrascht auf und erkannte den Mörder. Einer Ant-wort würdigte er den Ehrlosen nicht. Die Arme aus-breitend, empfing er, ohne einen Laut von sich zn geben?den tödilichen Stoß.