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Tiefe Stille herrschte in dem nur matt erleuchtetenZimmer, auf dessen Boden, mit Blut übergössen, imletzten Todesröcheln Albrecht von Wallenstein lag.
Ueber den Sterbenden beugte sich eine dunkle Ge-stalt: Leßlie, dessen glühender Blick mit dem Ausdruckgesättigter Rache an den bleichen Zügen des Gemordetenhing. „Herzog von Friedland , herzloser Tyrann", mur-melte er. „Hast Du nun auch empfunden, was Todes-angst ist? Jetzt sind wir quitt!" Langsam entfernte ersich und gab den Wachen den Befehl, die LeichnameWallenstein's und der gemordeten Offiziere in die Cita-delle zu bringen, wo ein geräumiges Gewölbe zu derenvorläufiger Aufnahme bestimmt worden war.
(Fortsetzung folgt.)
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Quellen und Brunnen in Beziehung zurKunst und Geschichte.
Von Max Fürst.
(Fortsetzung.)
Schlichter und anspruchsloser als die Plastiker derBarockzeit wußten die Meister der gothischen Periode demWasser zu huldigen. Die besten Brunnenzierden dieserEpoche wissen sich in architektonischer Hinsicht von kirch-lichen Kanzelbauten und Sacramcntshäuschen oft wenigzu unterscheiden. Bekanntlich sind es vielfach Heiligeoder doch biblische Gestalten, welche an gothischen Brunnenihre Aufstellung gefunden. In Windberg im bayerischenWald sah ich vor mehreren Jahren einen gar schlichten,aber reizenden Brunnen, der in sinniger Weise die Sama-riterin am Jakobsbrunnen vorführte. An anderen Ortenkamen — vermuthlich unter dem Eindruck der Meinung,daß das Wasser recht helle Augen mache — mit Vor-liebe die Seher des alten Bundes an den Brunnen zurAufstellung. Warum auf dem berühmten Brunnen derKarthause zu Dijon gerade der Prophet Jeremias, dessenZeit- und Volksgenossen bekanntlich an den Wassern zuBabel weinend gesessen, mit einer mächtigen Brille überder Nase ausgestattet ist, bleibt uns daher doppelt räthst!»haft und unerklärlich. — Andere Brunnen zeigen hin-wieder eine bunte Mischung von geistlichen und weltlichenHerren, wie z. B. der bekannte „schöne Brunnen" inNürnberg , an dem heidnische und christliche Helden,heilige und unheilige Personen, nachbarlich beisammen-stehen und ill xuvoto Verträglichkeit den heutigen Nürn-berger « ein gar gutes Beispiel zu geben vermögen. Häufigsind es auch Heldengestalten allein, die in deutschenStädten von den Brunnen niedergrüßen. Wer möchtesie alle zählen, die gestrengen, gewappneten Herren, diein unverwüstlicher Ausdauer große und kleine Brunnenunter ihren besonderen Schutz genommen? Solch' steinerneoder eherne Wachtposten hatten wohl immer als Mahn-ung zu gelten, daß es niemals gebilligt werden kann,schmutzige Wäsche auf öffentlichen Plätzen zu waschen!Die drei prächtig geharnischten Ritter von Jörg Syrlin ,die seit dem Jahre 1482 in Ulm den sogen. Fischkasten-Brunnen bewachen, lassen deutlich erkennen, daß der hoch-löbliche Magistrat von Ulm im 15. Jahrhundert es wohlzu hindern suchte, falls etwa Jemand im Trüben fischenwollte. — Es war für die drei hübschen Syrlin'schenRitter ein großes Glück, daß sie von ihrem Fischkasten
nicht abkommen konnten, als man etliche Dezennien nachihrer Aufstellung im nahen Münster „fürchterliche Muster-ung" hielt und die strengsten Ausweisungsbefehle gegeneine nicht geringe Zahl herrlicher Statuen erließ. Hättendie drei Geharnischten dort Wache zu halten gehabt, siewären sicher in den Verdacht gekommen, Gesinnungs-genossen der Heiligen Georg und Mauritius zu sein,und sie wären — wenn nicht gerade gevierttheilt — sodoch sonst arg geschunden und verstümmelt worden.
In Nürnberg , wo man auch in den erregtestenZeiten sich nie so weit vergaß, stürmende Hand an dieedlen Werke vaterländischer Kunst zu legen, war manaußerdem auch einmal so human und tolerant, einemBäuerlein zur Ehre zu verhelfen, auf einem BrunnenPosto fassen zu dürfen. Allbekannt ist ja das sogenannte„Gänsemännchen". Vielleicht wollte man in der köst-lichen Darstellung eine Anspielung an das alte Scherz-wort „Gänsewein" geben, indem hier die zwei vom Bauerngehaltenen Kapitolsretterinnen Wasser spenden. Daßübrigens hin und wieder schon wirklicher Wein aus Brun-nen geflossen ist, erzählen freudig mehrere alte Städte-Chronisten. Um dem gewöhnlichen Volke ein Vergnügenzu machen, vielleicht auch, um von Zeit zu Zeit dieBrunnenröhren von Kalksinter zu reinigen, erlaubte mansich im immerdurstigen Mittelalter bei besonderen Fest-lichkeiten solchen Luxus. Ueber die Güte des auf dieseWeise verzapften Rebensaftes hüllen sich die Herren Chro-nisten allerdings in ein auffälliges, vielsagendes Schweigen.— Das schöne Nürnberg , das so viele werthvolle Sachenbesitzt, ist so glücklich, außer den bisher erwähnten zweiBrunnen auch noch einen „Tugendbrunnen" aus alterZeit ausweisen zu können. Da derselbe aber im Verlaufeder Jahre schon mehrmals recht schadhaft geworden ist,so hat der dortige Magistrat wohlweislich stets Sorge fürdie nöthige Reparatur getragen. Sollten wir da nichtauch mit dem bekannten Reichstagsabgeordneten Saborpathetisch ausrufen dürfen: „Das läßt tief blicken!"
Lassen wir die Nürnberger in Ruhe, um, nachdemwir so viel in der Ferne geschweift, nun ein wenig vorder eigenen Thüre zu kehren.
Bekanntlich haben Brunnen u. A. auch die nützlicheAusgabe, eine gute, reine Luft schaffen zu helfen. DiesemZweck sehr entgegen, haben nun die meisten neuerenBrunnen in unserer lieben Stadt München gleich in derersten Zeit ihres Bestandes meist riesig viel Staub auf-gewirbelt, und statt Kühlung zu bringen, haben sie Manchen,besonders den bei ihrer Herstellung Betheiligten, oft sehr,sehr warm gemacht.
Ich erinnere zunächst an den Erhardt-Brunncn inder Nähe der Moximiliansbrücke. Wie fatal war esnicht, als man dort die erste Büste des gefeierten Bürger-meisters wieder verschwinden lassen mußte, weil sie vomBrunnen-Architekten nur als das Tüpfelchen eines i ge-dacht und gestaltet worden war. — „Oou xiü tsota!"(Mit mehr Kopf!) verlangte einst unter humorvollemLächeln PiuS IX. die Wiederholung einer ehernen Statue,bei deren Guß durch Unachtsamkeit der Arbeiter das halbeHaupt weggeblieben war. Mit gleichem Rechte konntenunsere Stadtväter die Forderung: „Mit mehr Kopf!"auch vor der zu winzig gerathenen Erhardt-Büste erheben,um so mehr, als doch von jeher ein Bürgermeister alsdas Haupt der Stadt zu betrachten ist und sehr vieleLeute nach dem Volumen eines Bürgermeisterkopscs nichtnur den Geist eines hochlöblichen Magistrates, sondern