186
saßen Lautrach bis 1609, da sie ausstarben. Durch Erb-schaft kam es an die oberpfälzischen Herren vonMuggen-thal, die es 1646 an das Stift Kempten verkauften.Nun wurde für Lautrach vom Stifte Kempten ein eigenesPflegeamt errichtet und dieses immer an einen KemptcrStiftskapitular verliehen, der jedoch nicht den Titel Pflegerführte, sondern Propst benannt wurde. Nicht unerwähntsoll bleiben, daß es schon 1644 zu Lamrach eine alt-hergebrachte Gewohnheit war, daß die Unterthanen amAschermittwoch ihren Herrn oder Junker gefangen nahmenund dieser ihnen alsdann einen Trunk bezahlte und selbstmitzechte; dieser Brauch erhielt sich auch, nachdem Lautrach an das Stift Kempten gekommen, worüber es in denersten Zeiten mit dem stiftischen Pfleger oder Propst zuunruhigen Auftritten kam.
^ Im Frühjahr 1780, zur Zeit einer Fastnachts-gasterei, gerieth das Schloß zu Lautrach in Brand, wo-bei 5 Personen das Leben verloren; der damalige Propst
land. Im Dezember 1860 verkaufte InstitutsdirektorDeybach das Schloßgut und die zwei dazu gehörigen, vonihm angekauften Höfe Gotteswald und Vogelfang an denFürsten von Zeil um 168,000 fl., wetzhalb im August1861 das weibliche Erziehungsinstitut aufhörte. ImOktober 1861 wurde jedoch ein weibliches Erziehungs-Jnstitut von Frl. Mathilde Jörres wieder eröffnet, dauerteaber nur bis Juli 1863.
Jetziger Besitzer dieses Schlosses ist Herr AlfredFreiherr von Ziegler.
Inzwischen hatte Direktor Deybach auf der altenBurgstelle das kleine vorhandene Häuschen erweitert underöffnete 1845 ein Knabeninstitut für Merkantil-Wissen-schaften. Auch dieses blühte rasch auf, so daß eine be-deutende Erweiterung nothwendig wurde und das jetzigeMittelgebäude entstand. Aber auch dieses genügte baldnicht mehr und nun wurde 1851 das alte Gebäudegrößtentheils verändert und der Hinterbau, 1862 ein dem
M U U
M IN
Schloß Kautrach.
Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Krumbach . (Dervielfältigungsrecht vorbehalten.)
in Lautrach , Kapitular von Weiden, ließ das Schloß aufeinem anderen Platze, auf dem Schloßfelde, aufbauen.Propst von Weiden starb 1787; nach ihm wurde CastolusFreiherr von Reichlin-Meldegg Propst, der 1793 alsFürstabt gewählt wurde; er war der letzte Fürstabt, mußtedie Säcularisation des Stiftes in den Jahren 1802 und1803, das an Bayern kam, erleben und starb schon am28. Mai 1804.
Das Schloßgut zu Lautrach wurde an den GrafenFirmas-Päries, das Amtshaus, das Bräuhaus usw. anBürger von Lautrach verkauft. Die Wittwe des GrafenFirmas-Psries verkaufte 1830 das Schloßgut an Frhrn.Gustav von L>päth und dieser im Jahre 1838 an AbbsJos. Deybach, geb. 3. Juni 1806 zu Colmar, und dessenFrl. Schwester Therese Deybach. Dieses Geschwisterpaarerrichtete am 1. Juli 1838 im Schlosse ein Privat-Erziehungsinstitut für Töchter, das schnell aufblühte;Zöglinge kamen aus Deutschland, Frankreich und Eng-
Hinterbau vollkommen ähnlicher Vorderbau aufgeführt.— Im Jahre 1866 wurde die Genehmigung ertheilt,daß das neuerbaute Haus auf der alten Burgstelle fortanSchloß Deybach genannt werden dürfe.
Auf einer Romfahrt im Juni 1868 erhielt DirektorDeybach die Würde eines päpstlichen Kämmerers und beider folgenden Romreise im Frühjahre 1870 die Würdeeines päpstlichen Hausprälaten und Commandeurs desOrdens vom hl. Grabe.
Im Jahre 1887 entschloß sich Prälat Deybach wegenhohen Alters, das Institut zu schließen; er starb 11. April1889 im Alter von 82 Jahren und ruht nun nebenseiner Schwester in der von ihm errichteten Familien-Gruft, einem schönen Kapellenbau auf dem Gottesackerzu Lautrach . L,. I.
Sofort wurde Schloß Deybach von der Verwaltungder Regens Wagner'schen Wohlthätigkeitsanstalten ange-kauft und in dasselbe die bisher zu Glött bestandene