Ausgabe 
(24.3.1896) 25
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Cretinenanstalt verlegt. Den Anforderungen der neuestenZeit entsprechend mußten im Innern große bauliche Ver-änderungen vorgenommen werden.

Bald wurde auch unter Leitung des Herrn Archi-tekten Müller von München eine schöne Kapelle neben derAnstalt erbaut, mit derselben durch einen Gang ver-bunden; diese Kapelle wurde vom Hochwürdigsten BisitofePancratius v. Dinkel am 28. August >892 eingeweihtund consekrirt. In der Anstalt sind gegenwärtig mehrals 140 Pfleglinge weiblichen Geschlechtes untergebracht,die in 3 Abtheilungen getheilt sind, in eine Pflege-abtheilung, Beschäftigungsabtheilung und Schulabthetlung.

In der Pflegeabtheilung befinden sich die eigentlichenCretinen, Geschöpfe, welche die menschliche Hilflosigkeit imhöchsten Grade darstellen und das innigste Mitleiden Allererwecken, welche die Anstalt besichtigen dürfen; diese be-

Pflege und Unterricht besorgen 6 Frauen und 5Schwestern vom Orden des hl. Franziskus von Dillingen .

Die Oberaufsicht führt die Anstaltsoberin mit müt-terlicher Liebe, Sorgfalt und Umsicht. Sämmtliche Pfleg-linge genießen eine äußerst liebevolle Behandlung undfreundliche Pflege und haben an der Anstalt eine wahrezweite, liebgewonnene Heimath.

Das jährliche Kostgeld betrügt 240 M., kann jedochnur für die wenigsten Pfleglinge geleistet werden; nurdurch die gnädige Fürsorge der hohen kgl. Regierung undUnterstützungen edler Wohlthäter ist die Aufnahme so vielerCretinen ermöglicht.

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Cretinrn-Anstalt Deydach bei Kautrach

Original-Aufnahme von Gustav Baader, Photograph in Krumbach. fNervletsaUigungSrechr vorbehalten.)

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dürfen der besten Pflege, fortwährender Bedienung undder opferwilligsten Liebe.

In der Beschäftigungsabtheilung sind solche Pfleg-linge, bei denen sich einige Arbeitsfähigkeit zeigt, auchsolche, welche wegen Mangels an besserer Begabung oderwegen vorgerückten Alters für einen regelmäßigen Unter-richt nicht fähig sind; sie werden angehalten zum Nähen,Stricken, Putzen, Waschen, Kehren, Holztragen und auchzu Oekonomiearbeiten.

In die Schulabthetlung kommen die einigermaßenbildungsfähigen oder dazu Hoffnung gebenden Kinder;der größere Theil der Schülerinnen macht sehr großeFortschritte.

Abwechselung in die Einförmigkeit des Anstaltlebcnsbringen die Feier des Martinsabends, die Christbaum-feier am Weihnachtsabende, theatralische Aufführungenvon Candidatinnen und besseren Pfleglingen, bei günstigemWetter größere Spaziergänge in der schönen Umgebung.Ein großer Spielplatz ist unmittelbar bet der Anstalt.

Allerlei.

Ableben der Erde. Ein alter Astronom,Schwitz in Köln , der siebzig Jahre Astronomie studierte,hat ausgerechnet, daß die Erde blos noch 1500 JahreMenschen ernähren und mit Licht und Wärme der Sonneversorgen könne. Nach ihm bewegt sich nämlich die Erdenicht rund um die Sonne, sondern spiralförmig in immerweiteren Kreisen abwärts, und in 1500 Jahrenwerde sie sich so weit von der Sonne entfernt haben,daß deren Licht nur noch leuchten und wärmen werde,wie jetzt der Mond. Und dann könne nichts mehrwachsen, kein Mensch, kein Thier mehr leben auf derklein, kalt und eisig gewordenen Erde. Die Erdewerde mit der Entfernung von der Sonne fortwährendkleiner und kälter. Schon jetzt habe sich ermittelt, daßdie Meilen der Grade unserer Erde um viele hundertSchritte jede einzelne im Vergleich zu denen vor 50Jahren kürzer geworden seien. Das komme von dem