Ausgabe 
(24.3.1896) 25
Seite
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Kleinwerden der Erde, die in 1500 Jahren so eng zu-sammengekrochen sein werde, daß eine jetzige Meile nurnoch dreifünftel Meile lang sein könne. Damit hängtzusammen, daß die Tage und Stunden fortwährendkürzer werden. Jeder folgende Tag sei einfünftel Se-kunden kürzer als der vorhergehende, folglich werde jedesJahr um 360 Sekunden, d. h. um 60 Minuten, d. h.um eine Stunde kürzer. Also verlieren wir alle 24Jahre einen Tag. In hundert Jahren wird das Jahrbeinahe 5 Tage kürzer sein, als das jetzige, in tausendJahren um mehr als 50 Tage, u. s. w. Die Erdewird fortwährend kleiner, kälter und dunkler, endlich einkleiner Eisklumpen, als welcher sie sich in die Weitendes Himmels verlieren oder allmählich wieder in Aetherauflösen und als Aether zur Sonne zurückkehren wird.

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Die Familie eines Millionärs. Einer ge-sundheitlichen Zeitschrift wird geschrieben: Ich hatte kürz-lich Gelegenheit, die Familie eines Millionärs kennen zulernen, bei der ich zu Tisch geladen war. Wie gut mußes denen gehen, dachte ich mir, wie beneidenswerth sinddiese Menschen; sie können doch Alles haben, was siewollen. Bald wurde ich anderer Ansicht und lernte vonNeuem, daß das kostbarste Gut, Gesundheit, nicht mitGold zu erkaufen ist. Da war zunächst die ältesteTochter, ein Mädchen von 15 Jahren; sie war ebenvon der Franzensbader Cur zurückgekehrt, aber trotzdemleichenblaß, und jede Bewegung schien ihr schwer zufallen. Sie war im höchsten Grade blutleer. Nebenihr saß ihr Bruder, ein ziemlich kräftiges Bürschchen;aber leider hatte er so furchtbare Zuckungen in seinemGesicht, das in einem fort verzerrt wurde, so daß esschauerlich war, ihn anzusehen. Der Mund war alleAugenblicke schief und das ganze Gesicht verzogen. Seinjüngerer Bruder, ein Knabe von acht Jahren, Hütte ganznett ausgesehen, wenn nicht seine Athmung erschwert ge-wesen wäre. Er war genöthigt, nur durch den Mundzu athmen, da er sich kürzlich einer Nasenoperation hatteunterziehen müssen und trotz derselben noch immernasenleidend war. Während der Mahlzeit tranken diebeiden Jungen wacker ein Glas Bier und Wein nachdem anderen; als die Erwachsenen in das Rauchzimmergingen, zündeten sie sich auch ihre Cigaretteu an undschmauchten lustig mit. Ihr Vater belachte den gutenWitz und meinte, sie rauchten natürlich nur zum Scherz,aber sie vertrügen das Trinken und Rauchen schon sowie die Erwachsenen. Ich aber konnte nicht lachen.Als ich heim kam und meine rothbackigen Kinder mirentgegen sprangen, da konnte ich jene armen reichenKinder um ihre Millionen nicht mehr beneiden.

*

ä. Aus dem Wiener Cavalierleben. Ineinem der Wiener eleganten Cafäs saßen drei junge Kavaliere.Die Unterhaltung dreht sich um verschiedenes, auch umdie Justizpflege. Einer der Cavaliere Graf X, meinte, erwolle arretirt werden ohne was unrechtes gethan zuhaben, die zwei anderen bestritten dies. Graf X bot seinenKameraden eine Wette von 1000 fl. an, was vonletzteren angenommen wurde. Graf X ging nach Hause,verschaffte sich einen abgetragenen Anzug, steckte eine100. fl. Banknote zu sich und verfügte sich in einfeines Wein-Restaurant. Dort begehrte der eingetreteneGast eine Flasche Wein, die ihm der Kellner auch brachte,dann langte der Gast, ängstlich um sich sehend, in die

Stiefelröhre, und zog zur Bezahlung den 100 fl.Schein hervor, der Kellner schöpfte Verdacht, schickte zurWache, der Wachmann kam, und auf die Frage, wer ersei, erfolgte die Antwort:Graf T", dabei auf seineFreunde im Cafe sich berufend. Dieselben wurden her-beigeholt, die Ueberraschung war groß, aber die Wettevon Seite des Grafen X war glänzend gewonnen.

Der verstorbene Jesuit Dnter Georg von Rlalilburg-Aeilan ilen abgefallenen Jesuiten Ocrrn Grasen v. Iioensbrocck:

Aus Liebe nur, von keiner Macht gezwungen,

Hab' ich, o theure Schaar, dich auserseh'n.

Im Kampfe sah ich dich, vom Feind umrungen,

Und sah dein Banner immer mnthig weh'n.

Ich sab, wenn schwerste Arbeit dir gelungen,

Zum Himmel dich um neue Arbeit fleh'n:

D'rum hab' ich deine Fahne auserkoren,

Die laß ich nicht ich hab' es Gott geschworen.

Die laß ich nicht und müßt' ich bettelnd wallenVon Thür zu Thüre in der rauh'sten Zeit;

Die laß ich nicht und müßt' ich endlich fallenNach heißem Kampf in blutgetränktem Kleid.

Für dich mag auch der Welt Gelächter schallenBin ich zu Schmach und Ehre gleich bereit.

Zur Fahne halt' ich, die ich auserkoren

Die laß ich nicht, ich hab' es Gott geschworen.

Du Heiland in des Himmels lichten Höhen,

Der Du der Schaar Dein Banner hast verlieh'n,

Der Du mich hießest zu dem Kreuze stehen,

Ihm nach durch steten Kampf zum Siege zich'u:

O wolle gnädig auf mich niedersehen,

Daß nie die Kräfte mir im Streite'flieh'n!

Denn Deine Fahne hab' ich auserkoren,

Die laß ich nicht ich hab' es Dir geschworen.

Und Du, Maria, auf dem Sterncnthroue,

In der ich früh' die beste Mutter fand,

O flehe Du zum Heiland, Deinem Sohne,

Der mich in Schlachten heiß und wild gesandt,

Daß noch im Tod' für alle Müh' zum LohneSein Banner halte die erstarrte Hand.

Denn Seine Fahne hab' ich auserkoren

Die laß ich nicht ich hab' es Ihm geschworen.

sZu unserem Bild Seite 185.)

Abendglorken.

Von Otto Baisch .

Wie sanft beim AbendglockenklangDes Lebens Pulse schlagen,

Als würden wir mit EngelsangGen Westen fortgetragen;

Wie Stimmen, die uns goldig klarZu schönern Fluren locken,

So tön: in's Ohr uns wunderbarDer Klang der Abendglocken.

Die Alten blicken stumm zurückIn jene fernen Stunden,

Da sie der Jugend Kraft und GlückVoll frischen Muths empfunden.

Nun lebt sich s still bis zu der Zeit,

Da ibre Pulse stockenUnd sie zur letzten Ruhe weihtDer Klang der Abendglocken.

Wie anders fühlt der junge Sinn IO schönes, reiches Leben,

Da noch der Seele zum GewinnDie weite Welt gegeben,

Da fröhlich wogt um's AngesichtDie Fluth der gold'nen LockenUnd schon vom nächsten Morgen sprichtDer Klang der Abendglocken I

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