Ausgabe 
(31.3.1896) 27
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schaffen zu können; denn oben aus der Oeff-nung sah der weiße Marmorkopf einer grie-chischen Statue heraus. Judas und seine Be-gleiterin betrachteten dieselbe mit Abscheu undSchrecken, den alle fromme Juden bei demAnblick eines Götzen empfanden.

Als die Syrer vorbei waren und dasGeklirr ihrer Waffen nicht mehr hörbar war,rang die Wittwe ibre Hände und rief:Daunten reitet Apelles mit seinen Kriegsleutennach Modin, um die Befehle des grausamenTyrannen auszuführen, und sie tragen dasverfluchte Ding da mit sich, damit es dortaufgestellt und angebetet werde. Ach, sie werdenalle Hebräer zu Modin zwingen, vor ihremsteinernen Götzen niederzuknieenl"

Vielleicht nicht", sagte Judas .

Alle sollen gezwungen werden, demGötzen zu. opfern, da wird es keinen Weggeben, dieser Schande zu entfliehen."

Salome und ihre Söhne fanden einenWeg", bemerkte der Hasmonäer,und Gottkann wohl für einen andern sorgen."

Der Reisende hatte indessen die Thürvon der bescheidenen Wohnung der Wittweerreicht. Judas setzte seine Last nieder, unodie Wittwe bat den gütigen Fremden, indemsie ihm herzlich dankte, hereinzukommen, umein wenig zu ruhen.

Ich kann nicht bleiben", lehnte Judas ab,ich habe noch eine lange Reise vor mir,ich muß heut' Abend noch in Modin sein."

In Modin?" rief das Weib, erstauntauf das ermüdete Gesicht des Sprechersblickend.Die Reiter werden kaum Modinheut' Abend erreichen, obgleich sicherlich desKönigs Auftrag dringend ist!"

Meines Königs Geschäfte sind ebenfallsdringend," entgegnete der Hasmonäer, indemer seinen Gürtel enger schnallte, und miternstem, höflichem Gruß setzte er seinen Wegfort.

Die Wittwe betrachtete eine Weile still-schweigend seine fürstliche Gestalt, dann riefsie:Das kann kein anderer als Judas , derSohn des Mattathias sein, es gibt keinenzweiten Hebräer wie er ist. Ach, mein Thera,das ist ein Mann, den der Syrer nicht er-schrecken wird!"

Eher wird er die Syrer erschrecken",äußerte der Knabe.

In späteren Tagen wurde so manches-mal diese letzte Aeußerung Theras wieder-holt, als Judäa längst vor seinen FeindenRuhe hatte, und er längst ein alter Mannwar. Wenn er unter seinem Wein- undFeigenbaum saß und niemand zu fürchtenbrauchte, dann konnte er nicht müde wer-den, jene fürstliche Gestalt, die einen so tiefenEindruck auf sein kindliches Gemüth gemachthatte, daß er dieselbe im Gedächtniß be-halten hatte, zu beschreiben. Er sprach mithoher Begeisterung von dem fürstlichenManne, der ihn auf seine Arme genommen