Ausgabe 
(31.3.1896) 27
Seite
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und auf seinen Schultern getragen hatte, derso sanft war gegen ein krankes Kind, wieer später Israels Feinden schrecklich wurde.

Die Sonne war eben untergegangen,als der Fuß des Hasmonäers das Thal vonSaron betrat. Es war gut, daß von da abjeder Schritt des Weges dem Judas bekanntwar, denn er hatte bald kein Licht mehr,um auf dem richtigen Wege zu bleiben, alsdas der Sterne.

Der Wind erhob sich und schüttelte dieblätterreichenKronen der immergrünen Palmen.Er trug zu dem Ohr des erschöpften Rei-senden das wilde Geheul des Schakals, das,immer höher steigend, wie die Wehklage einesmit Betrübnitz erfüllten menschlichen Wesensklang. Der Hasmonäer war müde, und dieFüße schmerzten ihn, aber dennoch eilte ertapfer vorwärts, bis er zuletzt das willkom-mene Rauschen des mittelländischen Meereshörte, welches die Küste, in deren NäheModin lag, bespülte. Es war dies ungefähreine Meile vonJoppe. Dankbar erblickteJudasendlich sein Vaterhaus, wo er seinen Körpernach den heftigen Anstrengungen ruhen lassenkonnte. Er schlief den tiefen und süßen Schlafdes Müden nach einer Reise, welche aneinem Tage zu Fuß nur von einem Manne,der starke Energie und physische Kraft besaß,zurückgelegt werden konnte.

(Fortsetzung folgt.)

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Veilchenzauber und Beilchenkultus.

Es schlich sich in wonnigster FrühlingsnachtDer blaue Himmel zur Erde sachtUnd hat sie glühend umfangen-Da blieben der jungen Erde am KleidVerräther seiner Zärtlichkeit

Viel blaue Flöckchen hangen.

Und immer noch trägt sie als liebstes GeschmeidDie Veilchen in seliger Frühlingszeit.

Diese blauen Flöckchen am Brautkleideder Erde, unsere Veilchen, haben durch ihrenZauber und Liebreiz seit Jahrtausenden wieheller^Krühlingssonncnscheiu räch langer, bangerWinternacht der Menschen Gemüth und Herzerheitert und begeistert. Auch das deutscheVolk hat sie in seiner seclcnvollcn Innigkeittief in das Herz geschlossen. Schon die Ger-manen, welche trotz unbändiger Kraft undwilden Freiheitsdranges in nahester Beziehungzur Welt der zarten Blüthen standen, habendie duftendenTyrsviolen" mit ihrenSitten und heiligen Gebräuchen verflochten. Inder Veilchenzeit war es ja, wenn vom Glänzedes Frühlings die Natur überquellen wollte,wo sie Ostara in rauschenden Festen feie»ten, Ostara, die holde Göttin des Früh-lings, des aufsteigenden Lichtes und der Morgen-röthe, die ihnen reichste Segcnsfülle gespendet.