HL 28.
Freitag, den 3. April
1896.
Für die Redaction verantwortlich: Dr. Theodor Müller in Augsburg .
Druck und Verlag des Literarischen Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg (Vorbesitzer vr. Max Huttler ).
Golgother.
Joh. 19 , SS ff.
Nach einem stillen HügelZieht's heut' die Herzen hin,
Auf des Gebetes FlügelSollst du mit ihnen zieh'n.
Er steht in fernen LandenUnd ist doch allen nah',
Wo Jesu Kreuz gestanden.
Der Hügel Golgatha.
Dort weinet MagdaleneOb der geheimen Schuld,
Es nennt mit frommer ThräneJoseph des Herren Huld,
Mit seinem SalbenkrugeIst Nikodewus daUnd schließt sich an dem ZugeZum Hügel Golgatha.
Was sie dem edlen MeisterIm Leben nicht gethan,
Sie thun es um so dreisterAuf seiner letzten Bahn,
Sie kommen und sie spendenViel AromatikaUnd tragen auf den HändenIhn dann vom Golgatha.
Im nahen Garten bergenSie d'rauf die theure Last,
Bei eines Reichen SärgenSoll ruh'n der stumme Gast.
Für seiner Seele WundenEr niemals Freunde sah.
Nun hat er sie gefundenIm Tod auf Golgatha.
Was dortmals einst geschehen,
Erneut sich immerdar:
-Du kannst im Leid vergehen,lFern bleibt der Freunde Schqar.fAm Ende deiner Tage^Vielleicht sind manche daUnd singen dir die Klage,
Wie dort auf Golgatha.
—- ... —ch-
H Artdas Maklraöäns.
Historischer Roman von A. L. O. E.
Frei nach dem Englischen von D. ColoniuS.
(Fortsetzung.)
7. Kapitel.
Der erste Kampf.
Die Ankunft des Apelles, eines Kundschafters desAntiochns Epiphanes, hatte die Stadt Modin in großeAufregung versetzt. Durch eine Proklamation war amMorgen des folgenden Tages verkündet worden, daßalle Einwohner, Männer, Weiber und Kinder, sich umdie Mittagszeit auf dem Marktplatz versammeln sollten,um dem Befehl des Königs zu gehorchen und vor demAltar des Bacchus, welcher an jener Stelle errichtetworden war, zu beten. Flüche wurden zwar nicht laut,aber heftig in manchem hebräischen Hause ausgestoßen.Viele syrische Krieger waren für die Nacht in Modineinquartiert worden. Das gemästete Kalb mußte ge-schlachtet und der beste Wein für die heidnischen Gästeausgegossen werden, deren bloße Gegenwart ein Mahlschon verunreinigte. Die Syrer belohnten die zurück-haltende Gastfreundschaft durch Berichte aller in Jerusa-lem verübten Verfolgungsschrecken. Sie erzählten vonden Grausamkeiten, die an Salome und ihren Söhnen> vollstreckt worden waren. Schaudernde Frauen preßten: ihre Kleinen fester an sich, als sie hörten, wie zwei Müttej von der Südseite des Tempels gestürzt worden waren,'ihre Kinder fest in ihren Armen haltend, nachdem siedie weinenden Kleinen nach der von Mose vorgeschrie-benen Weise Gott geweiht hatten. Solche Beweise vonGrausamkeit erfüllten mit Schrecken die Herzen derjeni-gen, deren Muth noch nicht im Glauben stark war. Eswar erwiesen, daß Antiochus fürchterlich war, wenn erErnst machte, und daß sich, wenn sein Zorn durch Wi-derstand erregt wurde, die Schrecken von Jerusalem inModin wiederholen würden.
Ein hoher Altar, auf welchem sich das Bildnißdes Weingottes befand, war in der Mitte des Markt-platzes errichtet worden. Die Schläfe des Gottes, indessen sämmtlichen Zügen sich Sinnlichkeit ausprägte,war mit Epheu bekränzt, während die Hand ein BündelWeintrauben trug. Vor diesem war der Opferaltar,und um diesen versammelte sich, als die Mittagsstundenahte, eine bunte Menge.
' Da waren die weiß gekleideten Priester des Bacchus