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M den erwählten Opfern. Krieger zu Fuß und zuPferde bildeten um den Altar einen Halbkreis, um,wenn eS nöthig werden sollte, mit blanker Waffe demsyrischen Monarchen Gehorsam zu erzwingen. ApelleS selbst, prächtig gekleidet, mit einer Tunika von lyrischemPurpur, und an seinen Füßen Sandalen mit Edel-steinen und goldenen Fransen besetzt, saß auf einemerhöhten Platz zur Rechten des Altars und wartete diefestgesetzte Zeit, wenn die Sonne im Zenith stehenwürde, ab.
Eine zahlreiche Menge beider Geschlechter und jedesAlters füllte den Marktplatz; denn die Soldaten hattenModin durchstreift und alle Einwohner gezwungen, ihreWohnungen zu verlassen, um auf dem Altar des Bacchuszu opfern. Gerade dem Altar gegenüber stand eineGruppe von Hebräern, die alle übrigen überragte undauf welche die Augen des versammelten Volkes ge-richtet waren. Da stand Mattathias mit weißem bisauf den Gürtel herabhängendem Bart — ein ehrwürdi-ger Patriarch, umgeben von seinen fünf Söhnen.
"Da stand Jonathan, der Erstgeborene, Simon mitder ruhigen, geistvollen Stirn, Eleazar mit dem schnellen,feurigen Blick, Johannes, Judas , der dritte, aber unterden berühmten Brudern der erste.
Mit ernstem Stillschweigen beobachtete die hasmo-näische Familie die Vorbereitungen, die von den Prie-stern gemacht worden, um ihre feierliche Handlung zubegehen. Nicht ein Wort entschlüpfte den Lippen derHebräer, nur durch Blicke verriethen sie ihren gerech-ten Zorn.
Mattathias , welcher in gerader Linie durch Phi-neaS von Aaron abstammte und ein Mann von großerWeisheit und fleckenloser Nechtschaffenheit war, besaß inseiner Vaterstadt Modin bedeutenden Einfluß.
Streitigkeiten wurden seiner Entscheidung vorgelegt,sein Urtheil in den schwierigsten Fällen erbeten, und seinBeispiel hatte größeres Gewicht, als das irgend einesanderen Mannes in Judäa .
ApelleS war mit dieser Thatsache vollkommen ver-traut. »Ist Mattathias gewonnen, so ist alles ge-wonnen", hatte der syrische Höfling zu seinem Königegesagt, bevor er seine Reise nach Modin antrat. „DieSöhne dieses alten Mannes kennen kein anderes Gesetz,als das seines Willens, und wenn die Hasmonäer ihreHäupter beugen, um Deinen Gott anzubeten, so wirdganz Judäa einstimmen, um demselben zu opfern."
„Ehrwürdiger Mattathias", sagte ApelleS , indemer den alten Mann mit stattlicher Höflichkeit begrüßte.„Dein hoher Stand und Dein weit verbreiteter Ruhmberechtigen Dich, den Platz eines obersten LeiterS betder heiligen Handlung einzunehmen, durch welche Modinzugleich seine Huldigungen unserm mächtigen MonarchenAntiochus Epiphanes darbringt und bei der Anbetungdes Bacchus ihre Ehrfurcht bezeigt. Daher komme Dunun zuerst und erfülle den Befehl des Königs, gleichwie es andere vor Dir gethan haben, die Männer vonJuda und auch die in Jerusalem wohnen; dann sollstDu und Dein Haus in die Zahl der Freunde des Königsaufgenommen werden, und Du und Deine Kinder sollenmit Silber und Gold geehrt werden."
Als der Syrer zu sprechen aufgehört hatte, ent-stand eine so tiefe Stille, daß man das Rollen derWogen am Strande und den Schrei des weißgeflügeltenSeevogels deutlich unterscheiden konnte.
Der alte Mann hatte den Appelles bis zum Endeernst angehört, dann aber heftete er seine durchdringen-den Augen, die unter den überhängenden Brauen wievulkanisches Feuer unter einem schneebedeckten Bergehervorblttzten, auf ihn und antwortete mit so lauterStimme, daß jedes Wort über den ganzen Marktplatzschallte: „Und wenn alle Länder dem Antiochus gehor-sam wären und jedermann von dem Gesetz seiner Väterabfiele und in des KönigS Gebot willigte, so wollen ichand meine Söhne und Brüder doch nicht von dem Ge-setz unserer Väter abfallen. Da sei Gott für! Es wäreuns nicht gut, daß wir von Gottes Wort und GotteSGesetz abfielen. Wir wollen nicht in das Gebot Antiochtwilligen und wollen nicht opfern und von unserem Gesetzabweichen und eine andere Weise annehmen."
Kaum waren diese Worte verhallt, als in grellemContrast zu dieser erhabenen Scene zu Ehren des Bacchuseine Hymne ertönte und ein geputzter, mit Epheu be-kränzter Jude sich beeiferte,- des Königs Gunst zu ge-winnen, indem er singend an den Altar trat. AllesBlut des PhineaS kochte in den Adern seines Abkömm-lings. Hierdurch wurde der Herr der Heerschaaren öffent-lich beschimpft und seinem Gesetz öffentlich Trotz gebo-ten. Vorwärts sprang der alte Hasmonäer, als ob erplötzlich Jugendkraft erhalten hätte; einen Augenblickblitzte sein Dolch im Sonnenlichte, und im nächstenhauchte der Abtrünnige am Altar des Bacchus mit demletzten Athem die Seele aus.
Die Ausübung der Justiz in so abgekürzter Weiseund vor allem Volk war in der That ein Signal, dasSchwert zu ziehen und die Degenscheide fortzuwer-fen. Ein wilder Racheschrei entfuhr den syrischen Krie-gern, sie umringten Mattathias , aber nicht ihn allein.Nicht eine Minute waren seine Söhne von seiner Seitegewichen, und wie Löwen zum Sprunge bereit, vereinig-ten sie sich, ihren Vater zu vertheidigen. Sie bliebenaber nicht ohne Beistand in ihrem Kampfe. Unter derversammelten Menge befanden sich Hebräer, denen dieStimme des Mattathias gewesen war, was der Trom-petenrnf dem Kriegsroß. Da waren Männer, die ihrenheiligen Glauben theurer achteten als ihr Leben. Diesestürzten mit wilden Rufen zur Hilfe herbei, und baldbot der Marktplatz von Modin die Scene eines ver-zweifelten Kampfes, wo Disziplin und Uebermacht ausder einen Seite, und Ergebung, Heldcnmuth und Ver-trauen auf die gute Sache auf der andern einen gefähr-lichen Kampf unterhielten. Es war ein harter Kampf.Das Gefecht wurde am dichtesten in der Nähe des Al-tars, um ihn floß das Blut der menschlichen Opfer.Dort legte der mächtige Arm des Judas den ApelleSleblos in den Staub. Dies war der Höhepunkt desKampfes; denn bei dem Fall ihres Führers wurden dieSyrer von panischem Schrecken ergriffen. Die Rosse inihrem glänzenden Schmuck wurden von ihren Reiternzu rasender Eile angetrieben oder stürzten mit entleer-ten Satteln durch das Gedränge, um die Kunde vondieser Niederlage weithin zu tragen. Flucht war alles,was den Truppen des Antiochus und den Priestern desBacchus übrig blieb; nur wenigen gelang es zu ent-kommen; denn viele Juden, die bisher dem Kampfe ferngeblieben waren, schloffen sich den Verfolgern an. Weiberhoben Steine auf und warfen sie auf den fliehendenFeind. Kinder stimmten ein in das Triumphgeschrei.Der Altar des Bacchus wurde mit wildem Geschrei nieder-