Ausgabe 
(3.4.1896) 28
Seite
207
 
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geworfen, der Götze in Stücke gebrochen «nd auf denim Staube rollenden Stücken herumgetreten. DiejenigenJuden, die vorher noch Furcht gezeigt hatten, suchtenjetzt durch wüthenden Eifer die Erinnerung an ihreUnterwerfung aus ihrem und anderer Gedächtniß aus-zulöschen. Ein Geist schien alle zu beleben, der Geistder Freiheit. Modin war aufgestanden wie Simson,als er daher kam zum Kampf mit der Kraft einesRiesen.

Aber diese Aufwallung des Eifers war weit mehrfeurig als andauernd. MattathiaS traute jenem Muthenicht, der nur da sich zeigt, wo Erfolg ist. Der alteMann wußte, daß der Kampf mit der Macht Syriens erst anfing, daß er wahrscheinlich lange Zeit dauernwürde, und daß e§ unpraktisch sei, Modin gegen Schaarcn,welche bald gesandt werden würden, um eS zu unter-werfen, zu vertheidigen. Der Patriarch stand in derMitte des Marktplatzes mit dem Fuß auf dem zer-brochenen Altar, und noch einmal erschallte seine Stimmeweithin!Wer um daS Gesetz eifert und den Bundhalten will, der ziehe mit mir aus der Stabil"

Wie viele Einwohner ModinS gehorchten dem Ruf?Viele beschlossen, Stadt und Hcimath- zu verlassen, ummit den Thieren in den Höhlen der Berge zu wohnen.Die Geschichte erzählt, daß nur zehn, einschließlich derHasmonäer, den Kern der Brüderschaft bildeten, die densyrischen Schaaren einen Sieg nach dem andern abrangenund so jenen fleckenlosen Ruhm erwarben, der nur denengebührt, die feste Ausdauer und sich selbst verleugnen-den Heldenmuth in einer gerechten und heiligen Sacheentwickeln.

8. Kapitel.

HadassahS Gast.

An keinem Orte war die Kunde von dem Auf-stande in Modin mit größerem Frohlocken aufgenommenworden, als in der einsamen Wohnung der Hadassah.Sie konnte sich kaum enthalten, die Zimbel von derWand zu nehmen und wie Mirjam ein Lied anzu-stimmen:Singet dem Herrn ein neues Lied, denn erthut Wunder; er sieget mit seiner Rechten und mitfeinem heiligen Arm!"

Beständige Nachricht über alles, waS vorging, wahroder falsch, ob Sieg oder Niederlage, wurde der Hadassahvon ihrem Schwiegersohn Abischai überbracht, der nichtahnte, daß jedes seiner Worte von dem verwundetenAthener, welcher nur durch den Vorhang von ihm ge-trennt war, gehört wurde. Bei einem seiner Besuchein HadassahS Hause erzählte Abischai, daß Judas inden Bergen eine Standarte errichtet hätte mit der In-schrift:Wer ist Dir gleich unter den Göttern, Jehova?"

Es wird gesagt", bemerkte Abischai ,daß aus denAnfangsbuchstaben dieser Inschrift das WortMakkabänS"gebildet worden ist, unv daß Judas allgemein bet diesembenannt wird. ES ist dies ein Name, den der Syrerbald Ursache haben wird, zu fürchten."

Es ist ein gut gewählter Name!" rief Hadassah.Lasse ihn genannt werden:Macce baiah", ein Siegerin dem Herrn, denn sicherlich wird der Gott, dem erdient, den Sieg verleihen."

Dieser triumphirenden Freude der Hadassah wurdebald Einhalt geboten, als sie einige Zeit darauf durchAbischai von dem schrecklichen Hinschlachten Lausendervon gläubigen Hebräern hörte, die nicht weit von Jeru-salem in einer Höhle Zuflucht gesucht hatten.

Von den Syrern am Sabathtage angegriffen, hattensich diese Hebräer im wahren Sinne des Wortes hin-schlachten lassen, ohne Widerstand zu leisten, und zwarnur, um nicht, wie sie wähnten, daS dritte Gebot zuübertreten. Bekümmert über den Verlust so vielerMenschenleben, war es für Hadassah ein Trost, daßein solches Opfer irrthümlichen Pflichtgefühls nicht wieder-holt werden sollte; denn als die Nachricht davon Matta-thiaS und seine Söhne erreicht, hatten sie, tief betrübtüber das Hinschlachten ihrer Landsleute, zu einandergesagt:Wenn wir thun, wie unsere Brüder gethanhaben, und fechten nicht gegen die Heiden für unserLeben und Gesetz, so werden wir bald von der Erdevertilgt werden." Es wurde daher von dem Lager ausein Dekret in die Berge gesandt, daß fortan die Selbst-vertheidigung angegriffener Hebräer auch am Sabbathtagegesetzlich recht sei.

Mittlerweile heilten unter der Pflege HadassahSdie Wunden des LycidaS. Miemals ist einem MenschenEinsamkeit und Leiden mehr versüßt worden. Dennwar er nicht in Sarahs Nähe, hörte er nicht die sanfteMusik ihrer Stimme, athmete er nicht dieselbe Lust, saher nicht ihre leichte Gestalt an seinem Versteckplatz vor-übergleiten, obgleich das Mädchen denselben niemalsbetrat? Die Nothwendigkeit, die Anwesenheit des LycidaS,namentlich vor dem blutdürstigen Abischai, zu verheim-lichen, gebot, die nach dem Hinteren Theile deS HanseS,welcher nach dem kleinen Gärtchen zu lag, führendeThür bei Tag zu schließen. Bauern und Reisendepflegten gelegentlich, wenn auch selten, dorthin zu kommen,um ihre Krüge zu füllen und ihren Durst in der demHügel entströmenden Quelle zu stillen. Hätte die Thürzu dem Gemach, welches LycidaS scherzhafter Weise seinekleine Höhle nannte, offen gestanden, so würde nichtsdie Fremden verhindert haben, einzutreten. Der ganzeZufluß belebender Luft hing daher von der Gemeinschaftmit dem Vorderzimmer ab, welches das öffentliche Ge-mach genannt werden konnte. In diesem wurden nichtnur Speisen bereitet und eingenommen, und gelegentlichGäste empfangen, sondern auch von den Frauen dietäglichen häuslichen Geschäfte vorgenommen. Hier pflegteSarah zu spinnen, während Hadassah auf Rollen vonPergament aus dem Gesetz und den Propheten abschrieb.Diese letztere Beschäftigung war mit großer Gefahr ver-knüpft; denn wäre Hadassah beim Abschreiben der heiligenSchrift betroffen worden, so hätte cs ihr das Lebenkosten können. Antiochus hatte mit Eifer alle Abschriftenzu zerstören oder durch häßliche, an den Rand gemalteBilder zu entweihen gesucht. Gottes heiliges Wort zubesitzen oder gar abzuschreiben, wurde als ein Verbrechenangesehen. Aber der Glaube schien Hadassah über allepersönliche Furcht zu erheben. Die mit dieser Arbeitverbundene Gefahr trieb sie um so mehr an, dieselbezu verfolgen. Die Anwesenheit des jungen Heiden warfür die Wittwe eine viel größere Quelle der Unruhe,als irgend eine ihrer Person selbst drohende Gefahr.

Wäre Hadassah imstande gewesen, ihren Patientenganz abzuschließen, so würde sie viel lieber die Pflichtender Gastfreundschaft gegen ihn erfüllt haben, aber solcheAbgeschlossenheit würde die beschränkte Räumlichkeit ihrerWohnung unmöglich gemacht haben, selbst wenn LycidaSin diese Absonderung gewilligt hätte. Dies war jedochkeineswegs der Fall. Er verlangte nicht nur oft, daßder Vorhang zurückgezogen würde, damit er freier athmen