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Mit den energischen Zügen und den sprühenden Augen.— Ich stelle mich als deutscher Schriftsteller, als Ver-treter einer Reihe deutscher und amerikanischer Zeitungenfür die Wcstindienfahrt der „Columbia" vor, bemerke,daß man in Deutschland der kubanischen Angelegenheitmit größter Aufmerksamkeit folgt.
Er: Ich weiß es, die Elite der Völker ist es, diemit uns sympathisirt. Und dann hat Deutschland geradeauf Cuba ausgedehnte Handelsbeziehungen.
Ich: Hiesige Deutsche sagen mir, daß diese Bezieh-ungen jetzt arg zerstört sind.
Er: Alles ist gestört in diesem Lande. Aber Siewerden sehen, es kommt bald alles wieder in's alteGeleis.
Ich: Wie steht es auf dem Kriegsschauplatz?
Er: Ganz ausgezeichnet. (Er ergreift eine vor ihmliegende Depesche.) Das ist eine wunderbare Nachricht!Ich hoffe, in anderthalb Jahren wird der Krieg be-endet sein.
Ich: Verzeihen Sie, habe ich recht verstanden?In anderthalb Jahren?
Er: In anderthalb Jahren! Ist das zu lange?
Ich: So lange dauerte nicht einmal der ganze deutsch -französische Krieg.
Er: Das war etwas anderes. Dort war es derKampf einer regelrechten Armee gegen eine regelrechteArmee. Aber gegen wen kämpfe ich! Gegen hundertArmeen und gegen keine.
Ich: Wieso?
Er: Da taucht draußen auf dem Land plötzlich eingrößerer Trupp dieser Banden auf, dann noch einer. Wirziehen unsere Soldaten zusammen. Es sieht aus, alssollte eine Schlacht zu Stande kommen. Bei den erstenSchüssen stiebt die Horde auseinander und ergreift dieFlucht.
Ich: Aber die Verfolgung!
E r: Ah, Verfolgung! Die FelSgründe, die Schluch-ten, die Gebirgsregionen Cubas bieten so viel Schlupf-winkel.
Ich: Wie war es möglich, daß der Aufstand solcheAusdehnung gewinnen konnte?
Er: Die Hauptschuld trägt ein größerer Theil unsererBevölkerung. Die Leute sind gleichgiltig. Sie sind sichauch darüber unklar, zu wem sie halten sollen, ob zurRegierung oder zu,den Revolutionshorden. So konntendie Insurgenten eine Zeit lang im Trüben fischen. Jetztist diese Periode vorbei. Haben Sie meine Proklamationgelesen?
Ich: Jawohl. In der „Gaceta de la Havana".
Er: Dann wissen Sie, daß ich mit eiserner, wennnöthig, mit blutiger Strenge vorgehen werde, um diesemLande den Frieden wiederzugeben.
Ich: Besten Dank für Ihre Mittheilungen, Excellenz!
Er: Gern zu Ihren Diensten. Darf ich Ihnenmeinen Palast zeigen?
Ich: Zu liebenswürdig ....
Er führt mich in eine Reihe prunkvoller Gemächer,dann in den Thronsaal, den das lebensgroße, glänzenduniformirte Knabenbild des Königs Alfons XIII. schmückt.Er führt mich sogar in seine anstoßende Privatwohnung,in den pompösen Speisesaal, in das luxuriöse Schlaf-gemach. Dabei ist er in seiner eigenartigen französischen Ausdrucksweise immer gleich höflich und gleich liebens-würdig .... Beim Abschied drückt er mir fest die
Hand und wünscht mir glückliche Weiterfahrt. EinAdjutant geleitet mich bis an die Treppe.
Wie ich die Stufen hinabsteige, denke ich att dieabgehärmte Frau mit ihren vier hungrigen Kindern. Indiesem Moment wird sie vor den Allgewaltigen geführt,wird sie flehen: „Gnade! Barmherzigkeit!"
Er war in bester Stimmung. Ich hoffe er begnadigt.
. . . . Aber sagte er nicht, daß er mit eiserner Strengeverfahren müsse? —
Zwei Stunden später, bei meiner Wanderung durchdas große gelbe Staatsgefängniß, sehe ich in einem be-sonderen Raum einige zwanzig gefangene Officiere derInsurgenten — schöne, kräftige Gestalten mit intelligentenGesichtern. Sie erheben sich, als ich mit dem Schließereintrete.
Ach, jeden Morgen krachen jetzt im Hof der Cita-delle Gcwehrsalven auf gefangene Aufrührer, die ausdiesem Gefängniß abgeholt werden. Möglich, daß schonin den nächsten Tagen diesen Armen das Cvmmando-wort „Feuer!" in die Ohren schauert und sie zusammen-brechen vor dem Aufblitzen der Gewehrläufe . . . Nichtmitleidige Neugierde ist es, mit der ich sie jetzt betrachte,sondern innige Theilnahme für Menscheuschicksale, die imPulvergewölk auf dem Sandhaufen enden sollen. Tiefziehe ich meinen Hut beim Abschied. Wehmüthig dank-bares Lächeln flimmert über die ernsten Gesichter ....Lebt wohl denn auf ewig!
ALLeVLeß.
Die Kraft, welche wir mit unseren Kinnbacken undKaumuskeln auszuüben im Stande sind, ist bekanntlicheine sehr große, wie wir z. B. Nüsse, Knochen und andereharte Gegenstände ohne Schwierigkeiten mit den Kinnbackenzu zertrümmern vermögen, während die gleiche Leistungauf anderem Wege nur unter Zuhilfenahme kräftigerHebelwerke, wie sie die Nußknacker z. B. darstellen, mög-lich ist. Ein amerikanischer Zahnarzt in Jacksonville , vr.Block, welcher sich für diese Frage ganz besonders zuinteressiern scheint, hat nun durch Versuche die Kraft-leistung in verschiedenen Füllen festgestellt, indem er dieKiefer von etwa fünfzig Personen verschiedensten Altersauf ein diesem Zwecke angepaßtes Dynamometer einwirkenließ. Die schwächste, bei einem siebenjährigen Mädchenfestgestellte Kraftleistung war 13,5 Kilo Druck mit denSchneidezähnen, 30 Kilo mit den Backenzähnen; das kräf-tigste Gebiß ergab sich bei einem Arzte von 35 Jahren,welcher 122 Kilo Druck auf das Dynamometer ausübte.Die meisten Personen leisteten eine Kraft von 45 Kilomit den Backenzähnen, die doppelte mit den Schneidezähnen,wobei jedoch auffälliger Weise die sonstige Körperconstttutiondurchaus nicht als maßgebend sich erwies, da sonst kräftigePersonen oft wenig, schwach gebaute dagegen große Leist-ungen am Dynamometer ergaben. Im Uebrigen bemerktDr. Block, daß die Kraft, wie sie zum Zermalmen derSpeisen durch die Zähne ausgeübt wird, eine für diesenZweck viel zu große sei und die Sache sich gerade soverhielte, als wenn man etwa weiches Wachs in einemSteinbrecher verarbeitete. (Mitgetheilt vom InternationalenPatentbureau Carl Fr. Reichest« Berlin LlW. 6.j