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beordert hat, uns diese Nacht anzugreifen und zuüberrumpeln."
.Sie werden uuS vorbereitet finden," entgegneteSimon, sein Schwert umgürtend.
„Nein, sie werden ihre Beute ausgeflogen finden,"versetzte MakkabäuS mit ernstem Lächeln. „Wir wollendas syrische Lager in ihrer Abwesenheit überfallen, demFeind seine eigene Lection lehren und so die Ueber-rumpelung auf die Feinde übertragen."
„Wohl erwogen!" rief Simon, „die Dunkelheitwird unsere geringen Kräfte verbergen."
„Unsere Brüder sollen jetzt die Krieger ordnen,"befahl Judas . „Alles hängt nächst Gott von Still-schweigen, Schnelligkeit und Entschiedenheit ab. Wirfechten für unser Leben und unser Gesetz."
Der Führer wandte sich zum Gehen; da ließ erunversehens etwas auf den Boden fallen. Er bücktesich, hob es auf und wickelte es schnell um seinen linkenArm unter dem Aermel. Dieser Vorfall war so ge-ringfügig, daß er kaum Simon's Aufmerksamkeit aufsich zog, obgleich ihm der Gedanke kam. daß es dochsonderbar wäre, daß sein Bruder am Vorabend einerSchlacht stillstehen konnte, um etwas so Werthloses wieeine Strähne ungebleichten Garnes aufzuheben. Es warin der That wrrthlos, doch nicht für den, der es trug.Jenes Garn hatte einst dazu gedient, einige längst ver-welkte Blumen, die in das Märtyrergrab gestreut wordenwaren, zusammenzuhalten. Die kleinen Strähne warenauf den aufgeworfenen Nasen gefallen, ungesehen, außervon dem Auge des Einen. Vielleicht geschah es zurErinnerung an die Todten, daß Makkabäus die Strähneum seinen Arm befestigte, während er sich nicht nacheiner Perlenschnur gebückt haben würde. Vielleicht auchwaren die Hoffnungen, die die Ueberlebenden betrafen,herrlicher und süßer, als die Blumen, die in jenesGarn eingebunden gewesen waren, so daß Makkabäus diese Hoffnungen gewissermaßen durch Aufbewahrung derSträhne festhalten wollte.
Durch die sofortigen Bemühungen der fünf has-moumschcn Brüder stand das hebräische Heer bald unterWaffen und bereitete sich zum nächtlichen Angriffe vor,indem es alle Kräfte auf eine verlorene Hoffnung setzte.
Wie eine dunkle Wolke am Himmel bewegte sichstill und finster die Heldenschaar, und gleich einer Wolketrug sie das Unwetter mit sich.
Die meisten Syrer hatten sich in jener Nacht einemtiefen Schlaf übergeben, aber nicht alle, einige hieltennoch in ihrem Lager Wache.
Aller Luxus, den die Phantasie ersinnen und derReichthum gestatten konnte, war, um die ernste Seitedes Krieges zu verdecken, in Emmaus angehäuft, so daßdas Lager bei Tage aussah, wie ein Bazar mit derPracht und Ueppigkeit eines Hofes. Der Sorbet funkeltein silbernen Gefäßen, der rothe Wein wurde in goldeneSchalen mit eingelegter oder erhabener Arbeit gegossen.Da waren prächtige Gewänder in allen Farben desRegenbogens, reiche Erzeugnisse des orientalischen Webe-stuhls, Mäntel aus Tyrus, Shawls aus Kaschmir , so-wie Waffen aller Art — Schwerter, Schilde, Streitäxte,Speere und Helme.
Die Schildwache machte ihre Runde und stand zu-weilen still, um die Ausbrüche wilder Lustigkeit und dieKlänge munterer Lieder zu hören, die aus den Zelten,wo vornehme junge Syrer bei nächtlichen Gelagen Späße
wechselten, ertönten. Dort saß bei dem Licht einerFackel eine Gruppe von Befehlshabern bei irgend einemHazardspiel. Sie hatten Gefangene auf's Spiel gesetzt,welche am Morgen die Räder vom Triumphwagen ziehensollten. Jeder Würfel entschied über das Schicksal einesHebräers, wenigstens dachten die lustigen Spieler indieser übermüthigen, siegesbewußten Weise.
Aber die zu Sklaven Bestimmten kamen eher aufden Markt, als die sie erwartenden Herren dachten undwünschten, und der Preis für jeden Hebräer wurde ein-getrieben, aber nicht in Gold, sondern in Blut.
Plötzlich wurden die Spieler beim Spiel, die Zecherbeim Mahl, die Schläfer von ihrem weichen Kissen durchdas Schmettern der Posaunen und das Kriegsgeschrei:„Hier Schwert des Herrn und Makkabäus !" aufgeschreckt.Der volle Becher stürzte von der Lippe , und der Würfelaus der Hand. Nun gab es ein wildes Rufen, Schreienund Hin- und Herstürzen. Krieger griffen zu den Waffen,Kaufleute flogen, um sich zu retten, hier- und dorthinin die Finsterniß, indem viele, über Zelttheile stolpernd,zur Erde fielen. Da war wirrer Lärm und Schrecken,Fußgetrawpel, Pferdegewieher und Rufe zu den Waffen.Ein panischer Schrecken herrschte überall im mächtigensyrischen Heere. Die Wenigsten blieben, um den un-sichtbaren Angreifern zu widerstehen, die Meisten er-griffen die Flucht. Bald war der Boden mit Schätzenaller Art, die die erschreckten Flüchtlinge hatten fallenlassen, bestreut, während Waffen von den Kriegern,die nicht den Muth hatten, sie zu gebrauchen, wegge-worfen waren. Zelte wurden schnell in Flammen ge-steckt, und Pferde vermehrten, erschreckt durch den plötz-lichen Schein und toll gemacht durch die sengende Hitze,die schreckliche Verwirrung, indem sie hinten ausschlagendwild durch das Lager stürzten. Makkabäus eilte, mitdem Schwerte des Appollonius in der Hand, vorwärtsüber den Haufen von niedergeworfenen Feinden.Schrecken ging als Herold vor ihm her, und Sieg folgte,wohin er trat. Es schien, als ob der Herr der Heer-schaaren, wie in den alten Zeiten des Gideon, fürIsrael stritt. Heftig wurden die fliehenden Syrer ver-folgt. Makkabäus und seine Krieger blieben hart aufihrer Spur. Als der Morgen nach jener schrecklichen,wenn auch glorreichen Nacht dämmerte, ertönten diePosaunen des Judas Makkabäus , um die Truppen zu-sammenzurufen. Der Anführer hatte wohl bedacht, daßGorgias, dessen auserlesene Kriegerschaar die seinigeum das Doppelte übertraf, noch angegriffen werdenmußte.
Mit ernstem Mißmuth sah Makkabäus , wie seinemit Blut und Staub bedeckten Krieger sich mit demreichen Plunder beluden, der auf der Straße herumlag,wie Früchte unter Obstbäumen nach einem wildenSturm.
„Ihr sollt nicht plündern!" rief er, „wir müssennoch eine Schlacht schlagen; darum bleibt in Ordnungund wehrt Euch. Wenn Ihr dann die Feinde ge-schlagen habt, könnt Ihr sicher und ohne Gefahrplündern."
Es ist schwerer, Hunde von der Beute, die sieschon niedergerissen, wieder loszureißen, als sie von derKoppel zu lassen, wenn das Wild in Sicht ist. Esbedurfte der ganzen Gewalt eines solchen moralischenEinflusses, wie ihn Makkabäus über seine Truppen be-saß, um die Plünderer von den zu ihren Füßen liegenden