Ausgabe 
(17.4.1896) 32
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Schätzen zu entfernen und an den unbedingten Ge-horsam gegen ihren Führer wieder zu gewöhnen. Sehrbald ward eS auch sichtbar, daß die Mahnung deS has-monätschen Führers nicht unnöthtg gewesen war. Nurwenige Stunden darauf erschien in einiger Entfernungauf der Spitze des Hügels die Vorhut der Truppen desGorgias. Sie hatten die ganze Nacht vergeblich dasLager der Hebräer gesucht. Nach einem langen, er-müdenden Marsch befand sich Gorgias auf einem Hügel,von dem aus er das Land weithin übersehen konnte.

Die Sklaven sind geflohen, sie haben sich in dieBerge gerettet!" rief er, indem er bet dem ersten Strahlgoldenen Lichts am östlichen Himmel von seinem er-matteten Kriegsrosse stieg.

Dann haben sie Spuren ihrer Arbeit zurückge-lassen!" rief ein Krieger, nach der Richtung deutend,wo Nikanor's Lager, welches die Syrer nur von derSpitze des Hügels aus sehen konnten, gewesen war.

Siehst Du dort den Rauch von jenem dampfendenHaufen aufsteigen? Dort bei EmmauS muß eineSchlacht stattgefunden haben. Der Löwe ist durch dasNetz gebrochen. Makkabäus hat diese Nacht nichtgeschlafen."

Nein, Pollux, es ist unmöglich! Die Hebräerwerden niemals eine so große Ueberzahl anzugreifenwagen!" rief Gorgias, welcher das, was er vor sich sah,nicht glauben wollte. Aber als das Tageslicht dieZeichen der Flucht und des Unglücks deutlicher offen-barte, und man den Rauch von den Trümmern in derruhigen Morgenluft aufsteigen sah, zwang sich dieUeberzeugung von der schrecklichen Wahrheit dem Ge-müth des Anführers auf, und mit Erstaunen und Un-willen rief er:Wo sind die Schaaren des Nikanor?"

Jene dort unten werden Dir die Aufklärunggeben können," sagte Pollux, indem er nach Südendeutete, woselbst die Hebräer in einem Thale von ihremFührer geordnet wurden.Da ist, wie ich wähne, derübermüthige Geächtete, der unser Lager zu einer Fleisch-bank gewacht bat. Siehst Du das Blitzen der Speere?Makkabäus stellt seine Krieger in Schlachtordnung. Siesind nur eine Hand voll. Wollen wir einen Angriffauf sie machen und sie vom Erdboden vertilgen?"

Gorgias blickte wieder nordwärts nach den rauchendenTrümmern des syrischen Lagers bei Emmaus, dann süd-wärts, wo das kleine Heer sich um das Banner desMakkabäus geschaart hatte. Obgleich die Zahl derTruppen des Gorgias doppelt so groß war, als dieder Hebräer, wagte er doch nicht mit denen, die soebenNtkanors ungeheure Schaaren überwunden hatten, eineSchlacht zu eröffnen. Wäre der syrische Anführer vonso furchtlosem Geiste beseelt gewesen, wie sein Gegner,so würde nach menschlicher Berechnung für Judas aufden nächtlichen Sieg eine Niederlage gefolgt sein. AberGorgias zeigte bei dieser Gelegenheit einen ungewöhn-lichen Aufwand an Vorsicht; und »Pollux wünschte, ob-gleich er einen herausfordernden Ton annahm, im Innernkeineswegs mit Makkabäus anzubinden. Die Kräfte derHebräer waren zwar durch den Kampf und die Ver-folgung erschöpft, aber ihr Geist war ungebrochen.Makkabäus beobachtete mit einiger Unruhe die Bewe-gungen des Feindes auf der Höhe, indem er jedenAugenblick einen Angriff erwartete, welchen seine kleineSchaar so wenig im Stande war, auszuhalten.

Sie werden bald hier sein," sagte Simon, indemer sich müde auf seinen Speer lehnte.

Nein, sieh', sie verschwinden von der Spitze deSHügels!" rief Eleazar triumphirend.Diese Feiglinge!nur tapfer beim Wein! Nicht ein Fleck auf ihrenSchwertern, nicht eine Schramme auf ihren Schilden.Hätten wir doch Kraft genug, die Memmen bis an dieMauern von Jerusalem zu jagen!"

Gott hat ihnen Furcht in ihre Herzen gegeben,ihm sei Preis," sagte Makkabäus , indem er sein Schwertin die Scheide steckte.

Und darauf gingen sie hin und sangen einen Lob-gesang und priesen den Herrn für seine Güte und Gnade,die ewiglich währet.

17. Kapitel.

Abgereist.

Als Sarah blaß und zitternd nach dem Zusammen-treffen mit LycidaS nach dem Zimmer der Hadassahfloh, ließ sie den Wasserkrug an der Quelle stehen. DerAnblick ihrer Großmutter, die auf ihren niedrigen Kissenausgestreckt mit vertrockneten Lippen und geschlossenenAugen lag, rief dem armen Mädchen die Absicht, mitwelcher sie das Krankenlager verlassen hatte, in's Ge-dächtniß zurück.

Als Sarah so in peinlicher Unentschlossenheit ander Schwelle stand, hörte sie zu ihrem großen Trosteunten die Stimme Hannah's und rief ihr zu, denWasserkrug, den sie am Brunnen finden würde, heraus-zubringen. Hannah gehorchte schnell und kam nicht nurmit dem kühlen Trank, sondern auch mit reifen Früchtenund Gemüsen, die sie aus Jerusalem mitgebracht hatte.Diese bestanden 'n weißen Maulbeeren, frischen Feigen,Gurken und einer Melone und waren für Hadassah einangenehmer Vorrath. Angenehmer jedoch als dieseNahrungsmittel und selbst ein erfrischender Trnn? kaltenWassers waren für Hadassah die Nachrichten, die Hannahaus der Stadt mitgebracht hatte. Die Dienerin branntedarauf, diese glorreichen Nachrichten mitzutheilen:

Ich sah selbst Gorgias und seine Reiter abge-mattet, niedergeschlagen durch die Straßen reiten!"rief Hannah.Es wundert mich, daß sie sich nichtschämten, ihre Angesichter zu zeigen, sie hatten nichteinmal mit unseren tapferen Helden die Waffen ge-kreuzt."

Oder sie hätten nicht mehr gelebt, um es zu er-zählen!" rief Hadassah, welcher die Siegesnachrichtenvon Emmaus neue Energie und neues Leben gegebenhatten.

Wir durften freilich nicht in die Hände klatschenund jauchzen," fuhr die jüdische Magd fort,aber daist auch nicht ein hebräisches Kind, das nicht vor Freudeaußer sich wäre. Wir segneten den Namen des Makka-bäus, obgleich wir es nur im Flüstertöne durften."

Es wird ein Tag kommen," sagte Hadassah,anwelchem man diesen Namen wird so laut ertönen hören,daß die Mauern das Echo wiedergeben. O, mein Kind,"fuhr sie zu Sarah gewendet fort,das wird morgeneine dankbare Feier des Passahsestes werden. Der Herrbringt allen seinen Anserwählten Freiheit, ebenso wieer sie einst von der Knechtschaft des hochmüthigen Pharaoerlöste."

Es wird doch ein sehr stilles Fest morgen werden,"warf Hannah kopfschüttelnd ein.Man sagt, daß derKönig AntiochnS über die Flucht des Nikanor und den