Ausgabe 
(17.4.1896) 32
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schmählichen Rückzug des GorgiaS gleich einer Bärinwüthet, der man die Jungen geraubt hat. Ein Boteist sofort mit Aufträgen an König Lysias , welcher inden westlichen Provinzen regiert, abgeschickt worden."

Ist es bekannt, waL diese Aufträge enthalten?"fragte Hadassah.

Man erzählt sich," antwortete Hannah,daßLysias ein Heer aufbringen wird, welches schrecklicherund mächtiger als irgend eins, das jemals das Landüberschwemmt hat, sein wird, bei weitem mächtiger alsjene Schaaren, die Apollonius, Seron oder Nikanorgeführt haben. König Antiochus soll bei allen falschenGöttern geschworen haben, daß er die Hasmouäer mitStumpf und Stiel ausrotten wolle."

Wer kann ausrotten, was Gott gepflanzt hat?"entgegnete Hadassah.Denkt Antiochus Epiphanes , daßer die Macht besitze, wider den Herrn zu streiten?"

Er hat schreckliche Macht über die Menschen,"sagte Hannah, die ein weniger muthiges Herz als ihreHerrin hatte.Schrecklichere Maßregeln als jemals ,sollen getroffen werden! Es wird ihnen gerade so gehen,wie Salame und ihren Söhnen."

Wollte Gott mir die Kraft geben, daß ich morgendem Feste beiwohnen könnte!" rief Hadassah, für welche >die mit dem Feste verbundene Gefahr erst recht einSporn war.Keine Meuschenfurcht könnte mich zurück-halten. Aber er, der mir die Kraft versagt hat, wirdden Willen seiner Dienerin annehmen."

Ich will mit meinem Oheim Abischai gehen,"sagte Sarah.

Um Dich zu freuen und Dank zu sagen," be-merkte Hadassah. i

Aber Sarahs sinkendes Herz konnte keiner Freude !Ausdruck geben, sie neigte das Haupt, faltete die Hände lund murmelte leise:Zu beten für Dich, für mich selbst §und." Kein menschliches Ohr konnte das Wort, ,welches ihre blassen Lippen unhörbar aussprachen, jvernehmen. ,

Gehe zu unserm griechischen Gast, Hannah," ge- jbot Hadassah,trage ihm von diesen reifen, kühlenden !Früchten hin und erzähle ihm von den Triumphen desJudaS. Obgleich Lycidas nur ein Heide ist," fügte sie !hinzu," als die Magd, um den Befehl ihrer Herrin -auszuführen, daS Zimmer verlassen hatte,so wird erdie Thaten unserer Helden doch bewundern, wenn er sieauch nicht ausführen kann."

(Fortsetzung folgt.)

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Der Ackerbau im heutigen Palästina.

Von Dr. Seb. Euringer, Pfarrer.

sNachdruL vrrboten.)

Man wird wohl kaum ein Land auf der Erdefinden, welches für Colonisationsbestrebungen ungünstigereVerhältnisse darböte, als der Orient im Allgemeinen undPalästina im Besonderen. Der bessere Boden ist durcheinen tausendjährigen Raubbau, der nichts gibt und nurnimmt, außerordentlich ausgesogen, der geringere, meistunbebaute, ist abscheulich verwildert. Die Niederungen,besonders die Flußthäler, sind in Folge mangelnder Ne-gnlirung der Gewässer voll von Sümpfen, die nicht nurdie unmittelbare Umgebung, sondern auch weiterhin dieAtmosphäre mit Fieberluft erfüllen und einen großen

Theil des Landes ungesund nmchen. Noch- größere Hinder-nisse aber werde» durch die türkische Mißregierung be-reitet. Die Bodeuerzeugnisse werden sehr hoch und nichtnach gesetzlich festgestellten Normen besteuert, so daß derProducent den Gewaltthätigkeiten des SteuereintreiberLpreisgegeben ist. Hiegegen sind zwar die europäischen Co«lonisten durch die Konsulate einigermaßen geschützt;allein weil sie in allen Landangelegenheiten unter demtürkischen Gesetze stehen, so befinden sie sich doch in einerüblen Lage, welche dadurch noch verschlimmert wird, daßdie agrarischen Besttzverhältnlffe sehr ungeordnet und ver-wirrt sind, so daß die Lokalbeamten sich sehr leicht ein-mischen können und dann die Ausländer bei dem Wider-willen der Regierung gegen europäische Unternehmungenihr Recht nicht finden. Kurz, die ackerbauenden Colonistenbegegnen überall Widerständen und finden nirgends eineHilfe und konnten sich nicht halten, wenn sie sich nichtentschließen wollten zu dem alles entscheidenden Bachschisch( Trinkgeld) ihre Zuflucht zu nehmen."*)

Dieses Klagelied singt der Mitvorsteher der Tempel-gemeinde in Palästina, Christoph Paulus, in der Zeit-schrift des deutschen Palästinavereins 1883^) von derLage der europäischen Bauern im hl. Lande.

Wenn nun schon die Europäer, welche durch dieKonsulate wenigstens einigermaßen gegen die Plackereienvon Seiten der türkischen Beamten geschützt sind, zu solchenKlagen sich veranlaßt fühlen, wie mag es da erst demarmen, eingeborenen Fellachen (Bauern) gehen? Zwarsind in manchen Beziehungen die Verhältnisse für denLandbau in Palästina günstiger gelagert als anderswo;aber im Ganzen ist der Fellach (der Bauer) in Palästinaein bedauernswürdiger Mensch: feine sociale Lage istschlimm, seine Arbeit hart, feine Werkzeuge und Acker-geräthe höchst primitiv.

Ich habe mir vorgenommen, was ich von den land-wirthschaftlichen Verhältnissen des heutigen Palästina selbst,gesehen, gehört und gelesen habe, in Kürze hier zu er-zählen; vielleicht trägt meine Schilderung dazu bei, daßmancher Leser Gott dankt für die geordneten Verhältnisse,in welchen wir leben, wenn auch bei uns noch langenicht alles vollkommen ist.

Der Grundbesitz in Palästina wird in 3 Klaffeneingetheilt:

1) arä iniri Regierungsland, Krongut würdenwir sagen. Dazu gehören die fruchtbarsten Ebenen desLandes, nämlich die Jafa- und die Esdrelon-Ebene. DieseLändereien werden von der Regierung an ganze Dörferoder einzelne Personen verpachtet. Der Pächter hat daSRecht des Bebauens, muß aber dafür der Regierung denZehnten (^ösalrr) zahlen. Solches Land ist unveräußerlichund kann daher weder verkauft noch vererbt werden. Da-gegen kann das Recht der Bebauung veräußert werden.Stirbt aber der Verleiher des Rechtes der Bebauung, sosind alle Kontrakte, welche er gemacht hat, null undnichtig, auch wenn ihre Zeit noch nicht abgelaufen ist.Das Bebaunngsrecht (muieärrr'Ä) geht dann ohne Weiteresauf die Erben des Verleihers über, welche dann wiederdarüber verfügen können. Sind aber keine Erben vor-handen, so fällt die lnuLÜrn n. wieder an den Staatzurück.

2) arä vvakk Stiftungsländereien, wir würde»

') 1883 S. 3l, 32.

') Diese Zeitschrift wird immer durch die Buchstaben2vkV citirt.