Ausgabe 
(17.4.1896) 32
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Stück bekäme, vielmehr hat jeder Pflug ein Zehntel anallen Grundstücken seiner Partei anzusprechen; die ein-zelnen Grundstücke werden darum in ebensooiele wuras(eig. Schnur) oder Streifen getheilt, als Pflüge da sind.Dadurch bekommt aber der Einzelne statt 2 oder 3 großeStücke eine Anzahl langer Streifen, die an ganz ver-schiedenen Orten der Dorfmarkung liegen. Die Grenzenwerden durch Furchen (tslm) oder Steine bezeichnet, undnoch heute gilt die Verrückung der Landmarke als einefluchwürdige That, wie in den Zeiten Israels (Deut.19, 14).«

Wir kommen nun zur Aussaat; daher muß ich dieklimatischen Verhältnisse Palästinas behandeln.

Es gibt nur 2 Jahreszeiten im heil. Lande: dieRegenzeit (tast Wost-8olüta) und die trockene Zeit (sök,tasl es-set). Die Regenzeit beginnt etwa Mitte Oktoberund dauert bis Ende April; die trockene Zeit, der Som-mer, reicht von Ende April bis Mitte Oktober. UmRtitte Oktober kann der erste Regen, der sog. Frühregen,fallen, oft aber läßt er bis November, ja bis Dezemberauf sich warten. Im März und April fällt der Spät-regen. Vom Mai an hängt die Vegetation, was ihrenBedarf an Feuchtigkeit anlangt, einzig von dem tief indie Erde eingedrungenen Regen und von dem starkenNachtthau (iiücka) ab, da in diesen 6 Monaten, außersehr seltenen Ausnahmefällen, kein Tropfen Regen fällt. ^)

Die Regenzeit zerfällt nach Chaplin (2Ol?V 1891

S. 96 u. ff.) in 3 Abschnitte:

1. Der Frühregen, von oen Eingeborenen eiWÄ8M ei i>säri,das frühe Zeichen«, genannt. Dieserkündigt sich oft durch Gewitter an; dieser in der heil.Schrift oft genannte Frühregen feuchtet das Land anund macht es zur Aufnahme der Saat geeignet, und somitgibt der erste Regen das Zeichen zum Bereitstellen derPflüge.

2. Die starken Winterregen, welche das Erd-reich sättigen, die Cisternen und Teiche füllen und dieQuellen wieder speisen.

3. Der Spätregen im Frühling. Derselbe läßtdie Aehren des Kornes schwellen, befähigt Weizen undGerste die trockene Sommerhitze zu ertragen. Der Spät-regen ist höchst wichtig für den Ausfall der Ernte. Bleibter ganz aus oder fällt er nur spärlich, so entsteht eineMißernte und infolge der mangelhaften Verbindung dereinzelnen Landtheile untereinander oft Hungersnoth. °)Der Frühregen, die starken Winterregen und der Spät-regen wurden schon im Alten Testamente genau von ein-ander gehalten, wie die Stelle bei Joöl 2, 23 zeigt:Gott wird euch herabsenden den schweren Winterregen,den Frühregen und den Spätregen, damit voll werdendie Tennen von Weizen und die Keltern von Most undOel überfließen.«

Der Frühregen, der für die Aussaat so wichtig ist.da er stark genug sein muß, das ausgedörrte dürre Erd-reich aufzuweichen, bleibt selten ganz aus, unsicher da-gegen ist das Eintreten des Spätregens, ihm steht derLandmann nicht ohne Besorgniß entgegen, hängt ja vonseinem Ergebniß der Betrag der Ernte ab. Daher be-theuert Job 29, 23:Sie warteten auf mich wie aufden Frühregen und lechzten nach meinem Worte wie nachdem Spätregen.« (Schegg, Archäolog!« I, 140.) DieFellachen haben ein diesbezügliches Sprichwort, das lautet:

°) Vergl. 2V?V 1881 S. 72 und 73 (Klein).

«) Bädeker: Palästina S. 1,111.

Aprilregen bringt mehr als der Pflug und dasJoch an Segen.«

Dr. Thomas Chaplin hat während 22 Jahren (1860bis 1882) das Klima von Jerusalem nach meteo-rologischen Grundsätzen beobachtet und setne Resultate inden Huatsrlx Ltubsmauts des kalsstina LxplorationI'uvä 1883 veröffentlicht. Dr. Otto Kersten hat dieseArtikel in 2OkV 1891 S. 93 u. ff. bearbeitet undzum Theil ergänzt. Diesem lehrreichen Aufsätze sind diefolgenden Daten entnommen:

1. Die durchschnittliche Dauer aller Regenzeiten be-trug in diesen 22 Jahren (18601882): 188,5 Tage,die längste Regenzeit dauerte 221, die kürzeste 126 Tage;die trockene Zeit dauerte durchschnittlich 177 Tage (211Tage die längste, 134 die kürzeste).

2. In 10 Jahren fiel der Beginn deS Regens indie Zeit zwischen dem 4. -28. Oktober, in 12 Jahrenzwischen 1.28. November (beidemal einschließlich dergenannten Tage). In 4 Jahren fand schon im M"natSeptember ein kleiner Regenfall statt.

3. Der letzte Regen fiel in 8 Jahren zwischen 2.bis 29. April, in 14 Jahren zwischen 1.27. Mai;beidemal einschließlich jener Tage. Ein sehr schwacherRegen ist manchmal noch im Juni gefallen.

4. Die durchschnittliche Zahl der Regentage in jederRegenzeit war 52, die höchste Zahl 71, die niederste 37.

5. Die Regenhöhe in jeder Regenzeit betrug durch-schnittlich 581,9 nun (1090,6 miu Maximum, 318,5 mmMinimum), «e»--:'«

6. Schnee ist in 14 Jahren (Winter sind gemeint)gefallen, in 8 Wintern gab es keinen Schnee. Am meistenSchnee siel am 28. und 29. Dezember 1879, wo eineSchicht von 432 mrn fiel.

7. In diesen 22 Jahren wurden 12 Erdbeben be-obachtet, von welchen 9 in die Regenzeit fielen. 8 warenmit Sturm verbunden, 4 kamen bei Schneefall vor.Nahezu jedesmal ging ein östlicher Wind einem Erdbebenvoraus oder folgte ihm.

8. Regen kann bei jeder Windrichtung fallen; dieergiebigen Regen brachte jedoch fast immer der Südwest-oder Westwind. Von 506 Negenfällen kamen

8 von Norden,

14 von NO.,

12 von Osten,

10 von SO.,

19 von Süven ,

238 von SW.,

156 von Westen,

49 von NW.

9. Die meisten Regentage halte der Februar, näm-lich 10,45 Tage, die wenigsten Oktober (1,50) und Mai(1,59).

Der April unter den Monaten des palästinensischenWetterkalenders ist demnach der Februar (sostslM). Vonihm sagt die Fellachenregel:

sebobat

wo alsk rebät,

d. h.dem Februar ist nicht zu trauen«: andererseitsheißt es auch von ihm:

tu sobabst valabat,r!bs>t ss-ssk kid,

d. h.:Wenn er auch lobt und rast in wildem Sinn,

So ist doch der Geruch des Sommers darin."(Fortsetzung folgt.)