Ausgabe 
(24.4.1896) 34
Seite
258
 
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bewußt wär. Der elende Pollux zögerte, wie das vonWölfen getriebene Wild am Rande des Abgrundeszögert, sich hinabzustürzen, obgleich es ihm die einzigei Möglichkeit bietet, dem Nachen seiner Verfolger zu ent-fliehen. Er würde keinen Augenblick gezögert haben,hätte er gewußt, daß in derselben Zeit, als Sarah inThränen zu seinen Füßen lag, Antiochus in Gegenwart deSVerleumders LystmachuS das Todesurtheil für Polluxunterzeichnete, dem am nächsten Morgen die Vollstreckungfolgen sollte. Seinem Nebenbuhler war es endlich ge-lungen, seinen Sturz herbeizuführen. Die einzige Thürder Sicherheit, die dem Abtrünnigen noch offen stand,war die, durch welche sein Kind ihn ziehen wollte.Pollux ahnte nicht, wie bald jene Thür verschlossenwerden würde. Unfähig, einen schnellen Entschluß zufassen, auf allen Seiten Schwierigkeiten und Gefahrensehend, gleichviel ob er floh oder blieb, verschwendete erdie kostbare Zeit, die ihm noch geblieben war und ließsie vorübergehen. Endlich verließ er seine Tochter, umin der Einsamkeit seinem erregten Jnuern Ruhe zu ver-schaffen und einen Entschluß zu fassen.

Pollux verließ Sarah, welche noch auf ihrenKnieen lag und sich auch, als er sich von ihren Armenlosriß, nicht erhob. Als die Tochter ihren Vater selbstnicht mehr bitten konnte, bat sie für ihren Vater. Sieflehte, daß ihm Weisheit und Gnade in diesem Höhe-punkt der Gefahr gegeben werden möchte. Kein Schlafkam in jener Nacht in Sarah'S Augen.

(Fortsetzung folgt.)

-s-iM*-

Der Ackerbau im heutigen Palästina.

Von Dr. Seb. Euringer, Pfarrer.

(Fortsetzung.)

Zur Bespannung des Pfluges nimmt «an einPaar Ochsen, selten Kühe; in Judäa oft statt deszweiten Ochsen einen Esel. Diese Thiere paffen leidlichzusammen, da daS Rindvieh klein, der Esel aber ver-hältnitzmäßig groß und stark ist. Im Süden kann «anoft ein Kamel, in Galiläa auch ein Pferd davor sehen.(W?V 1886, S. 28).

Anderlind nennt die Fellachen geschickte Pflüger underwähnt 1'/, Kilometer lange Furchen bei Höms, welchefchnurgerade gezogen waren.

Gedüngt werden die Felder selten. Der Mist wirdgetrocknet und mit Strohhäcksel vermengt, in dem Holz-armen Lande als Feuerungsmittel verwendet. Die Fel-lachen behaupten übrigens, bet dem heißen Klima ver-brenne der Dünger die Pflanzen. Die deutschen Kolo-nisten in Haifa und Sarona düngen jedoch ihre Felderreichlich (z. 6. in Sarona das Hektar alle zwei Jahremit 3040 zweispännigen Pferdefuhren) und haben esbis jetzt noch nicht bereut.

Der Samen wird 810 om. tief unter die Erdegebracht durch Einpflügen, um die Saat vor den Ameisenund vor dem Eintrocknen zu schützen; wir haben alsoNachpflügen anstatt EggenS.

Da die Fellachen, namentlich in Süd- und Mittel-palästina, das Unkraut wie die Steine einfach-umgehen,so verwildert die Saat ungemein, und daS Getreidewürde durch daS Unkraut fast erstickt werden, wenn mannicht mehrmals jäten würde. DaS gejätete Unkrautbleibt einfach an Ort und Stelle liegen.

Die Erntezeit ist verschieden; in den tiefer-liegenden Gegenden fällt die Weizenernte in den Mai,in den höherliegenden in die erste Hälfte des Juni, dieGerstenernte füllt oft schon in den April. (Bädeker 1,111.)

Die Halme werden nicht mit der Sense, sondernmit der Sichel geschnitten, und zwar so, daß etwa knie-hohe Stoppeln stehen bleiben. Der Schnitter kann alsofast in aufrechter Stellung arbeiten. Die Sichel (manä-svdal) ist aus Stahl und hat eine gezähnte Schneideund am oberen Ende einen kleinen Haken, mit welchemdie Halme zusammengerafft werden.

DaS geschnittene Getreide wird entweder von Men-schen oder auf Kamelen, Maulthieren, Eseln, selten aufWagen nach der Dreschtenne geschafft. Zum Transportdes Getreides bedient man sich eines aus Bast gefloch-tenen Netzes mit Holzhaken, daS sodduiL genannt wird.Dörfer und Städte besitzen einen oder mehrere öffent-liche Dreschplätze, auf welchen jeder sich seinen Platz aus-sucht. Im Gebirge benutzt man eine große Felsenplatte,in der Ebene eine steinfreie, glatte Fläche mit festemBoden; künstliche Tennen gibt es nicht. Eine Bedachungist unnöthig, da es um diese Zeit nicht mehr regnet.

Das Stroh bildet während des Sommers undHerbstes wegen Mangels an Grnnfutter ein wichtigesFuttermittel für das Vieh; aber im Klima von Palästinaverholzt und verhärtet es sich bald. Daher wenden dieFellachen ein Dreschverfahren an, bet welchem daS Strohdie geeignete Weichheit erlangt.

Es gibt bei den Kolonisten und den Eingeborenensechserlei Dreschweisen. Die eingeborenen Bauern ver-wenden jedoch nur folgende zwei: 1) Das Dreschenmittelst bloßen Thiertriebs, das Triften. Die Thiere,gewöhnlich Ochsen, werden über daS kniehoch aufge-schüttete Getreide getrieben. Es ist diese Art so ziem-lich außer Gebrauch gekommen, da sie viel Zeit bean-sprucht. Ich habe eS nur ein paar Mal beobachtet.2) DaS Dreschen mittelst Dreschschlitten. Dieser ist einbloßes Brett, 5 Fuß lang, 3 Fuß breit, vorne aufge-bogen, die Unterseite ist mit eisernen Nägeln oder scharfenBasalt- oder Feuersteinen, welche ,1'/z cm. über die Erd-fläche des Brettes hervorragen, besetzt. Darauf steht einMann, der das angespannte Thier mit einem langenStecken zu raschem Laufe antreibt und in Schlangen-linien über die dicht liegende Ernte hinfährt. Er stehtfrei auf dem schwanken Breitlein, wie ein Kunstreiterbalancirend, und kommt nicht so leicht aus dem Gleich-gewicht. Das Dreschbrett (naurLäsott) wird so oft überdaS Getreide geführt, bis das Stroh ganz klein und zuHäckerling zerschnitten ist.

Diesen zwei Dreschverfahren hängt der Uebelstandan, daß die Thiere, welchen auch heutzutage nochdaSMaul nicht verkörbt wird", durchschnittlich täglich 30Liter Weizenkörner pro Ochse fressen.

Ist das Dreschen (äarao) beendet, so tritt dieWurfschaufel oder besser gesagt die Wurfgabel in ihrRecht. Das Worfeln geschieht zuerst mittelst einer zwei-,später, wenn nur mehr Spreu und Körner da sind, miteiner fünfzinkigen Eichengabel, indem man Spreu undKörner auf offener Tenne gegen den Wind in die Höhewirft; dabei treibt der Wind die Spreu seitwärts. IstdaS Worfeln mit der seda üb- und der wiära-Gabel zuEnde, so werde» die Körner noch durch Sieben ge-reinigt.

ES gibt zweierlei Siebe, welche aiis Riemen ber-