Atlevtei.
Einige kleine Geschichten aus dem Leben KönigLudwigs I. von Bayern finden wir in dem kürzlichveröffentlichten Buche „Charakterzüge und Anekdoten ausdem Leben der bayerischen Könige Max Josef I., Ludwig I. und Max II. (von Dr. Hans Reidelbach, München , Ver-lag von M. Kellerei). — „Wie geht es?" fragte KönigLudwig , als er bei einem Besuche, den er bei seinemSohne, dem König Otto von Griechenland , machte, inAthen einem traurig dreinsehenden dicken Feldwebel be-gegnete, der mit den bayerischen Truppen nach Griechen-land gekommen war. „Schlecht, Euer Majestät", er-widerte mit grämlicher Miene der Feldwebel. „O, wenni doch nur a oanzig's Mal wieder in Münch'n wär'.Dort ist doch a ganz anders Leben, als in diesem ver-fluchten Griechenland ! da. Schauen'S, Majestät, hier bringtmi der Durscht noch ums Lcb'n. Koan Tropfen Bier,höchstens a süßer Wein, auf den man sich speien möcht',und der oan Durscht macht, daß man erlechzen kunnt.Wie ganz änderst ist do das Leben in Münch'n. Schauen'S,Majestät, do hat ma' dös ganze Jahr durch a guats unda billtg's Bier zum Durschtlösch'n. Im Frühjahr, umJoscphi rum, da giebt's döS Salvaterbier, alle Tag apaar Maßl, döS dringt tnS Blut und giebt a Kraft.Nachher im Mai, da kommt glei' daS Bockbier, da brauchtman die Bockkur, alle Tag vier Seidel, aber nur in derFrüh', ja net auf die Nacht, denn da thut's a das ge-wöhnliche Bier. Und zu dem Bier an Brunnkreßsalat,daS ist was G'sund's für die Brust. Natürli den Salatnet alloani, sonst wär' er zu stark, a Stück Nierenbratlund a paar delikate Würscht müssen allemal dabei sein.Und nachher kommt die Nadizeit. I sag' Euer Majestät,nichts Besseres für den Magen giebt's gar net, als anguten Nadi und a paar Maßl Bier dazu im nüchternenMagen, das vertreibt die Verschleimung. Na, und daSübrige Jahr hindurch da geht man halt fleißi ins Hof-bräuhaus, dös ist die beste Apothek' der Welt, da bleibtma g'sund und fröhlt. O, Herr König, thun S' maden oanzigen G'fallen und sorgen S', deß i sobald wiemöglich aus dem vermaledeiten Griechenland ! hinaus nachMünch'n komm', hier geh i an Durscht z' Grund." DerKönig sagte seine Verwendung zu, und bald darauf wurdedes Feldwebels Herzenswunsch erfüllt und er wieder indie Heimath nach München befördert. — König Ludwig ,der viel im Lande umherreiste und sich auch in München viel auf den Straßen bewegte, glaubte, wie Reidelbachschreibt, daß ihn fast alle Leute kennen sollten; doch daswar nicht immer der Fall. Einmal ging er in gewohntemeinfachem Anzüge an der Türkenkaserne vorüber, und alsder Posten weder salutirte, noch die Wache herausrief,redete ihn der König etwas ungehalten an: „Warumrufst Du denn nicht heraus?" — „Vor wem denn?"fragte der Soldat, sich nach allen Seiten umsehend. „Ichglaube gar, Du kennst nicht einmal Deinen Brodherrn I"fuhr der König fort. „So, so", sagte der Posten, „Siesind der Bäcker vom Türkengraben, der uns immer soschlechtes Brod schickt? Vor dem sollt' ich rausrufen?Das könnt' mir einfallen." Der König lachte herzlichund ging seines Weges vergnügt weiter.
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Das Verschieben ganzer Wohnhäuser istin den Vereinigten Staaten nichts Seltenes mehr. Diegrößte Kraftleistung dieser Art soll demnächst in Chicago zur Ausführung kommen, indem man die Jmanuel-
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Baptistenkirche um ca. 15 m weiter zu schieben und umfast 2 m zu heben beabsichtigt. Diese Kirche ist ein mas-siver Steinbau von unregelmäßiger Gestalt mit mächtigenPfeilern, einem 70 in hohen Thurm von 56 Hw, Grund-fläche und einer Frontlänge von 30'/z m. Die Verlegungder Kirche geschieht auf Kosten des Besitzers des danebenliegenden Hotels Metropole, welcher für diesen Zweck300,000 M. bewilligt hat, bloß um seinem Hotel besseresLicht zu verschaffen. Die Verlegung soll, nach einer Mit-theilung des Patent- und technischen Bureaus von Nich.Lüders in Görlitz , nicht länger als drei Monate dauern,und ist mit der Ausführung des Planes der ArchitektHarvey Sheeler in Chicago betraut, der daS ganze Bau-werk mittels 1600 Schrauben auf Stahlschienen hebenund dann an seinen Bestimmungsort bewegen will.
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Eine Stilblüthe von ganz besondererSchönheit fand sich vor einiger Zeit in einem Leit-artikel der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung": „DaSErgebniß dieser durch schnödesten Mißbrauch der Ab-straktion geschaffenen Anthithese kann kein anderes seinals eine Steigerung der aus der Realdialektik der Ge-schichte niemals zu climinirenden sozialen Gegensätze zuganz und gar unversöhnlicher, tödtlicher Feindschaft."
--SÄLN-S--
Abschied au den Wald.
Ich kann nicht mehr gesundenIn dir, du kühler Wald,
In frohen, trüben StundenMein liebster Aufenthalt.
Muß ziehen in die Ferne,
Mich treibt ein irrer Sinn,
Dort wähn' ich schön're SterneDort Freunde und Gewinn.
Ich will dort Ruhe suchen,
Wech nicht, ob ich sie find',
Ob dort wie deine BuchenSo gut mir Menschen sind.
Doch nicht im größten GluckeSollst du vergessen fein,
Kehr' nimmer ich zurücke,
Gedenk' bisweilen mein! Schillenaner.
Schachaufgabe.
Schwarz.
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Weiß.
Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.