Ausgabe 
(12.5.1896) 39
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Armband um seinen Arm und mit stolzem und freudigemSchritt verließ er die Hütte

Lycidasl" rief Sarah, indem sie ihm über dieSchwelle folgte, aber dann stehen blieb und seiner ver-schwindenden Gestalt ein Lächeln nachsandte, das ebensostrahlend wie sein eigenes war.Wie konnte er einenNebenbuhler fürchten!" dachte sie bei sich, dann wandtesie sich, um wieder in die Hütte zu treten und sah vorsich Judas MakkabäusI

(Fortsetzung folgt.)

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k. Joseph Peters Fenfterer, 8. «I.

Zu Ende des vergangenen Jahres brachteneinige Blätter einen ganz kurzen Bericht über den nachtelegraphischer Nachricht an das Provinzialat in Wien am 6. Dezember l895 zu Norwood in Australien ver-storbenen k. Joseph Peters Fenfterer, 8. (l.

Geboren zu Dürrwangen am 17. August 1834,zum Priester geweiht am 18. August 1857 im Geor-gianum zu München , feierte er mit seinem 3 Jahre älteren,doch erst später dem Studium zugegangenen, 1883 alsPfarrer von Jllertissen gestorbenen Bruder Xaver amgleichen Tage: dem 6. September 1857, in seiner Heimathdie Primiz, bei welcher der nachmalige, im Frühjahr 1893verblichene hochw. Herr Domkapitular Alois Gratz dieFestpredigt gehalten hatte. Schon zu Allerheiligen desgleichen Jahres in Kempten als Stadtkaplan thätig, trater im Herbste 1862 die II. Studienlehrerstelle in Waller-stein an, woselbst er wie bisher als Kaplan sichals einen werkthätigen Freund der Jugend und der Armen,aber auch als heute noch in dankbarster Erinnerungstehenden Beichtvater und als mit besten, nach Geist undKörper von Gott begnadeten Prediger erwiesen hat, dessenBerufung zum Missionär damals weder ihm schon klarwar, noch sonst Jemand ahnte.

Sein tieffühlendes Gemüth zog allerdings ihn inernsten Wcihcstunden in die Stille der jährlichen Exercitiennach Gosheim und später nach Innsbruck .

Vom Jahre 1867 im April bis zum September1871 war er Pfarrer von Oberliezheim. (Die letzt-genannte Pfarrei feierte auch pietätvoll seinen seligen Heim-gang.) Einsender dieses kann bezeugen, wie gewissenhaftvon dem selig Entschlafenen die Vorbereitung zu seinemEintritt in den Ordensstand in dem so stillen kleinenOrte durch vieles Studium und Geb't geschehen ist, undwie nicht eher die heiß begehrte Aufnahme erbeten ward,bis daß er kindlich dankbar seiner lieben Mutter undspäter seinem guten Vater einem Veteranen desfranzösisch-russischen Feldzugs von 1812 sf. die letztePflege und pietätvollste Bestattung an seinem Pfarrsitzein anhänglichster Weise besorgt hatte.

In St. Andrä in Körnten und in Wien verlebteer sein Noviziat, und von dort weg war der hochw.I>. Anton Reschauer, mit dessen Erlaubniß der nunfolgende Bericht über frühere und letzte Lebenslage desk. Fenfterer veröffentlicht werden darf, sein Reisegefährteund steter Mitarbeiter.

Wir verließen so schreibt I>. Reschauer am30. November 1873 Wien und langten am 5. Februar1874 in Adelaide an. Für ungefähr zwei Wochen hattenwir uns bei unseren Patres in Bombay (Indien) auf-

gehalten. Mehr als 10 Jahre lebte und arbeitete ichmit ihm im selben Hause in meinen Armenging er in die ewige Heimath hinüber.

Der gute ?. Joseph war die fast 22 Jahre hier,ständig in Norwood stationirt. Letzteres ist eine großeVorstadt von Adelaide . Wir haben da eine herrlicheKirche zum hl. Jgnatius. Der opferwillige, seeleneifrige,heiligmäßige Pater machte diesen Missionsdistrikt zu einerder besten Pfarreien der Erzdiözese Adelaide . Inweniger denn 6 Monaten bemeisterte er die Sprache desLandes englisch, daß er allgemein jedenfallsals einer der besten Prediger galt. Seine Leutseligkeit,seine Ausdauer, sein eiserner Fleiß mit all den schönenNaturanlagen, erhöht durch seine Frömmigkeit und seinenGebetsgcist, machten ihn zum Liebling Aller. Zwei, dreiund mehr Ansprachen und Predigten jeden Sonntag kannich für Jahre und Jahre die Regel nennen nebst demlangen Fasten (in unserer Hitze), wo der Priester meistenszwei hl. Messen zu lesen hat und kaum vor 1 Uhr Nach-mittag sein Frühstück nehmen kann. Außerdem war dergute Pater Joseph gesuchter Missionsprediger und Exer-citienmeister. Die Priester schätzten sich glückl'ch, wenner in den vielen Plätzen über Süd-Australien eine Wocheoder länger Missionen geben konnte. Weit her kamendie Leute, und oft bis tief in die Nacht hatte er dieBeichten zu hören. Wie viel Gutes er da gethan4

In unserer eigenen Kirche war er der unermüdlichste,höchst gesuchte Beichtvater. Aehnlich war es mit denExercitien, die er den Priestern und Klosterfrauen sohäufig gegeben, immer mit dem größten Segen,nicht bloß in Adelaide, sondern auch in Melbourne (Victoria).Für 20 Jahre hatte er im Durchschnitt jährlich über10,000 Beichten gehört; Generalbeichten rechne ich zu-sammen über 13,000 in di> sein Zeitraume. Diese Ziffernsind nicht übertrieben.

Kranke von allen Richtungen pflegten zum gutenFather Peters" zu kommen, seinen Segen zu erhalten. Erlegte, selbst voll Glauben und Vertrauen, die Reliquienauf u. s. w., und es kann nicht in Abrede gestellt werden,daß viele, sehr viele recht staunenswerthe Heilungen be-wirkt wurden. An Kreuzen und Opfern, wie allenDienern Gottes, fehlte es dem guten k. Joseph wahr-lich nicht. Da gerade erprobte er seine Güte, Starkmuthund Tugend.

So lebte und arbeitete er bis Dezember 1895.

Oft im Laufe des Jahres hatte er mir gesagt, erwerde 1895 nicht überleben, so übel fühlte er sichoft in Mitte seiner vielen Arbeiten. Ich habe ihm stetsRuhe angeboten, ihn getröstet und ermuthigt. Es warnicht zu helfen.,

In Mitte der Arbeiten wollte und sollte er heim-gehen.

Am 1. Adventsonntage las er hl. Messe um 10 Uhrund predigte über den Tod und das Gericht. Zu Mittagsehr ermüdet, erholte er sich etwas. Nachmittag hielt erseine gewohnte Andacht und Ansprache an die Ostilärsnok (Jungfrauen-Congregation). Abend 7 Uhr

wollte er wieder den Rosenkranz beten und den Segenhalten.

Am 3. Dezember, dem Feste des hl. Xaverius (demNamensfeste seines verstorbenen Vaters und hochwürdigenverstorbenen Bruders), las er seine letzte hl. Messe.Seine Krankheit: heftige Lungenentzündung nebst Leber-und Nierenleiden von alten Zeiten her, nahm so zu, daß