Ausgabe 
(15.5.1896) 40
Seite
304
 
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sich kaum bei dem Gebrüll der wüthenden Stimmen, diesich um ihn her erhoben, verständlich machen.

Lycidas war gegenwärtig und half bei dem Be»gräbuiß der Wittwe Hadassah l Er wagte sein Leben, umihre Tochter zu retten!" rief Joab , der ehrliche Verthei-diger des Griechen.

Ha, ha, wie viel er wagte, wissen wir nicht, aber wirkönnen wohl errathen, was er gewinnen wollte!" riefJascher mit einem Blick voll Verachtung.Er hat sichdie Gunst eines närrischen Mädchens erschlichen, die daSHerkommen ihres Volkes vergißt, die eine schöne Person" das Gesicht des Alten verzerrte sich zu einem höh-nischen Lächelnallem vorzieht, was ein Kind Abra-hams mit Ehrfurcht betrachten sollte. Aber was könnenwir von der Tochter eines meineidigen Verräthers er-warten? Hatte sie nicht Abner zum Vater, und kannes da anders sein, daß sie als Tochter dieses Abtrünnigenihre Familie, ihren Namen, ihr Volk beschimpft, indemsie einen verfluchten Heiden, einen verabscheuungswürdigenGriechen heirathet?"

Niemals, niemals!" riefen hundert Stimmen. Undeiner aus der Menge rief laut:Ich würde sie miteigener Hand züchtigen, wenn sie meine Tochter wäre!"

Ich kann nicht glauben, daß Lycidas falsch ist!"rief Joab aus, ohne der Gefahr zu achten, dieses Un-gewitter auf sich selbst herabzuziehen.

Du kannst ihn nicht für falsch halten, Du Sohndes niedrigen Mühlsteines!" schrie Jascher wuthschnau-bend,man sollte glauben, Du wärest gleich jenembetrügerischen Griechen in jenem abgöttischen, niedrigen,undankbaren Athen , das seine eigenen guten Mitbürger ver-bannte und seine Weisen vergiftete, geboren!"

Die hitzigen Vorurtheile wurden nur zu leicht injener Versammlung von Hebräern erregt, und wennJascher von einigen seiner Zuhörer getadelt wurde, sogeschah es, weil er zugab, daß ein Athener überhauptweise und gut sein könnte.

So höre mich doch nur einen Augenblick Dumußt mich anhören!" rief Joab , indem er seine Stimmeauf das äußerste anstrengte und doch kaum im Standewar, sich verständlich zumachen,Lycidas ist von unserenPriestern in den Bund aufgenommen worden!"

Und doch ist er ein Spion!" rief Jascher aus, mitden Füßen stampfend.Hast Du niemals von Zopyrusgehört? Weißt Du nicht, wie Babylon, die goldeneStadt, unter dem Schwert des Darius fiel? Zopyrus,der Günstling jenes Königs, floh zu der Stadt, welcheer belagerte. Die Babylonier glaubten ihm, nahmen denBetrüger auf, und Ihr wißt, was folgte. Babylon fiel,nicht weil es seinen Vertheidigern an Muth fehlte oderHungersnoth ihre Reihen gelichtet Hütte, sondern weil sieeinem Betrüger geglaubt und ihn aufgenommen hatten!Hebräer! ein Zopyrus ist in unser Lager gekommen.Wollt Ihr, um ihn zu empfangen, Eure Arme öffnenoder Eure Schwerter ziehen?"

Ein wahres Wuthgeheul entfuhr den Lippen derdichtgedrängten Menge, so laut und schrecklich, daß esHebräer aus allen Theilen des Lagers herbeizog.

Unter Anderen eilte auch der junge Bekehrte herbei,um eifrig zu erkunden, was die Ursache solches Lärmesund Aufruhrs sei, ohne zu ahnen, daß er selbst in irgendeiner Weise damit in Verbindung stehe.

(Fortsetzung folgt.)

--UM*.--

Die sogenannte Pafistfirofihezeinng deSheiligen Malachias.

Selbstverständlich handelt es sich nicht um den kleinenPropheten des Alten Testaments Malachias, sondern umden heiligen Erzbischof von Armagh in Irland diesesNamens, welcher im Jahre 1148 gestorben ist. So oftein neuer Papst den Stuhl Pstri besteigt, wird eine Be-zeichnung der alten Prophezeiung hervorgeholt, welche aufden Neuerwählten mehr oder minder zutrifft. Nach demI,nin6Q äs ooslo Leo XIII . ist man bemüht, den I§vi8aräens zu finden. Die Einen glauben, dasselbe in dergoldenen Sonne, welche auf dem Wappen des Cardinalsvon Bologna strahlt, erblicken zu müssen, die Anderensehen in der Bezeichnung eine Anspielung auf den Namendes Cardinals von Frascati (Hohenlohe ), Andere inter-pretiren dieselbe in noch anderer Weise.

Wie verhält es sich nun mit der Angelegenheit? Istdie Prophezeiung wahr oder falsch? Welchen Werthmessen derselben die Geschichtsschreiber und Kritiker bei?

Wichtig ist es zunächst, dem Leser die Prophezeiungselbst als Beweisstück vorzuführen. Wir theilen dieselbe,wie man später sehen wird, in zwei Theile. Der erstereicht von Cölestin V. (1143) bis Urban VII . (15. Sept.1590); der zweite beginnt mit Gregor XIV . (1590) undumfaßt den Nest des Actenstückes.

Erster Theil.

Prophetische Namen derDevise. Päpste.

Lx Castro Tibsris Cölestin V. 1143.

Iniwicus exxuls. Lucius II. 1144.

Lx waZnitnäine Eugen III . 1145.montis.

LbbasLuburranus.

l>s rurc albo.üx tctro carccrs.

vs via Irans -tiberina.ve Lannonia.Tusciae.

üx unsere custocks

Anastasius IV. 1153.

Adrian IV. 1154.Victor IV.

1159.-)Pascal III .1164.

Calixtus III .1163.

Alexander III .1159.

Begründung der Devise.

Geboren zu CittL di Castelloam Tiber .

Hieß Gerard Caccianemici.(Vertreibt die Feinde.)Geboren zu Montemagno .(Großer Berg.)

Genannt Conrad von derSuburra.

Geboren zu St. AlbanS .Cardinal vom Titel S.Nicolaus in Carcere .Cardinal von St. Mariain Trastevcre.

Ungar und Cardinal vonTusculuiu.

Paperoni. (VonderGanS.)

Lux in ostio. Lucius III . 1161. UmbaldoAllunciagoli,Car-dinal von Ostia.

Lns in cribro. Urban VI. 1185. V.d.Fam,Crivelli(Wappen:

Sieb a. Schweineborsten),ünsis Laurentü. Gregor VIII . Wappen:ZweiDegen.Car-1187. dinal von St. Laurcntiusin Lucina.

ve setiolu exiet. ClemensIII.1187 Aus der Familie Scolari.vs rure vovsnsi. CölestinIII.1191 Aus der Familie Bobo.Oomes sixnutus. Jnnocenz III. Aus der Familie der Grafen

1198. von Segni.

vanonieus äs Honorius III. Domherr am Lateran ,latere. 1216.

^.vis ostieusis. GregorIX. 1227. Ein Adler im Wappen.

Cardinal von Ostia.

Leo Labinus. CölestiuIV. 1241 V. d. Familie Castiglioni,

Bischof von Sabina.

OomesVuurentius Jnnocenz IV. Graf de Lavagna, Cardinal

1243. v.S. Laurcntius i.Lucina.

LiZnum Ostisnss. Alexander IV . Aus der Familie der Grafen1254. von Segni, Cardinal von

Ostia.

-) Die gesperrt gedruckten Namen beziehen sich auf dieGegenpäpste. Einige Ungenauigkeiten in der chronologischenReihenfolge stammen von Denjenigen, welche uns die Pro-phezeiung übermittelt haben.