Ausgabe 
(26.5.1896) 44
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335
 
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dem Damm oder aufGalgen" haben, müssen die Fuhr-werke und auch die Radfahrer den Fußgängern aus-weichen. Neulich hat eine Dame mit Recht öffentlichKlage erhoben, weil ein Radfahrer, der sie überfahrenhatte, diegekränkte Unschuld" spielte und sich seinerseitsbeschweren wollte, daß sie sein Klingeln nicht respectirthabe. Wie soll man denn in Berliner Straßen jedes leiseZeichen immer gleich hören, richtig deuten und befolgen?Namentlich an Frauen darf man in dieser Hinsicht keinegroßen Anforderungen stellen; die hauptstädtischen Straßensind auch nicht dazu da, daß jeder junge Bursche seinenKräfteüberfluß auf einer Eilmaschine austoben kann.

Die Radfahrer draußen vor der Stadt haben dieNeigung, auf den glatten Fußwegen der Chausseen zufahren. Meinetwegen; aber sie dürfen sich nur nicht ein-bilden, daß ssie da 'zu Hause sind und nicht von den

lein Ispiegeln sich im Wasser oder sind wie Schwalben-Nester an die Wände geklebt. Hoch von oben herab schauteine Villa, in einem neuen, unschönen Stile erbaut. Dochauch diese sonderbare Erscheinung vermag die liebliche An-muth des Thales nicht zu stören, das unter die schönstenGegenden weit und breit zu zählen ist. Da Wildenrothviele und große Ähnlichkeit mit Bethlehem hat, so wirdes vielfach dasbayerische Bethlehem " genannt. DieMarkung von Wildenroth stößt unmittelbar an jene vonGrafrath und Unteralting , dessen Kirchthurm über dieHöhe herüberblinkt.

Wildenroth ist sehr alt; das adelige Geschlecht derWildenroder wird schon im 13. Jahrhundert in Urkundenöfters genannt. Konrad von Wildenrod war Marschallder Herzoge Ludwig und Rudolf von Bayern. DessenEnkel verkaufte im Jahre 1347 seinen Besitz an das

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Witdrnrolh an der Ampcr.

Nach ein« Photographie von Max Merz in Diessen am Ammersee.

Fußgängern verlangen, daß sie immer flott auf den Dammspringen. Soll man auf einem Spaziergang einigenDutzend Radfahrern in einem fort ausweichen, so hörtdie Gemüthlichkeit auf.

Die Hauptsache ist: Eile mit Weile, auch wenn duauf einem Rade sitzest!

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Wildenroth an der Amper.

Mit Bild.)

(Nachdruck verboten.)

6l-I. In einem engen Thalgrunde, von mäßigen,dicht bewaldeten, steil aufsteigenden Hügeln eingefaßt, liegtdas idyllisch schön gelegene Wildenroth. Die grüne Amperrauscht mitten durch das Dorf und braust mit wildemZorne über ein hemmendes Wehr. Die niedlichen Häus-

Kloster Fürstenfeld, wo er bis zu dessen Aufhebung ver-blieb. Die Umgebung von Wildenroth ist historischmerkwürdig. Das Sträßchen von Schöngeistng bis Wilden-roth läuft auf dem Grunde der römischen Verbindungs-straße von Schöngeistng nach Eching . An derselben isteine trichterförmige Vertiefung zu sehen, welche den kel-tischen Ureinwohnern als Keller für ihre aus Holz darübergebauten Wohnungen diente. Im nahen WaldMühlhart"befinden sich viele Grabhügel, etwa 200, aus sandigemThone, Gräber der alten Kelten. In ihrer Mitte sindzwei heidnische Opfersteine, an denen die Rinnen zumAblaufen des Blutes noch deutlich sichtbar Und. EineViertelstunde vom Fahrweg entfernt lag die Sunderburgauf einer gegen die Amper vorspringenden Anhöhe. Ander Stätte eines römischen Kastelles erbaute Graf Friedrichvon Diessen, ein Bruder des hl. Rasso, eine Burg, wo-von jetzt noch Ueberreste zu sehen sind. Die Anhöhe ge-