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währt einen weiten Umblick und eine reizende AuSsichtauf das stille, waldumsäumte Amperthal.
Zwischen Wildenroth und Grafrath lag auf einemHügel die Rassenburg, die der hl. Naffo sich als Wohnungbaute, die aber im Jahre 955 von den Ungarn zerstörtwurde, nachdem ihr Erbauer in dem nahen von ihm ge-gründeten Kloster Wörth (dem jetzigen Grafrath ) im Jahre954 eines heiligen Todes verstorben war.
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Zu unseren Bildern.
Mussaffer Eddin,
der neue Schah von Persten, der zu dieser Würde nach denheimathlichen Bräuchen als der erste in Purpur geborene SohnNassr Eddins gelangte, hat soeben seine Reise von seiner bis-herigen Residenz Täberis nach der Hauptstadt des Reiches an-getreten. Mussaffer Eddin Mirza ist am 25. März 1853 ge-boren. Man glaubte, Mussaffer Eddin werde sich noch engeran Rußland anschließen, als es sein Vater gethan; doch bat erdie Beileids- und Beglückwünschungstelegramme der anderenSouveräne in gleicher Form beantwortet, wie jenes deS Zaren.
Dir Mnstkprobe.
Fast den ganzen Sommer hatten unsere fünf lustigen Dorf-musikanten ihre Instrumente ruhen lassen. Nur ein paarmalholten sie aus Anlaß einer Hochzeit dieselben aus ihrem Winkelhervor, um die alten Weisen, die bald die Spatzen vom Dachepfeifen, beim fröhlichen Reigen herunterzududeln Aber jetzt istdie Kirchweib in der Nähe, wo es gar hoch hergeht; da dürfensie nicht mit ihren alten, abgedroschenen Stücken aufwarten,da muß etwas Neues kommen. Allabendlich sitzen sie d'rum inihrem Lokale zusammen und streichen und blasen, daß es einwahres Vergnügen ist. Wie freut sich nicht der Franz! dorthinten an der Wand, der gerade Pause hat, über die Anstreng-ungen, die sein dicker Nachbar mackt, um den an ihn geselltenAnforderungen gerecht zu werden. Da muß noch manche Maßdie durstige Kehle hinunterlaufen, bis die Töne alle rein heraus-kommen werden. Viel leichter geht es seinem Vis-L-vis, der kannseine Sache schon auswendig und auch dem Flötenspieler da-neben scheint das Stück keine besonderen Schwierigkeiten mehrzu bereiten. Die Seele des Ganzen aber, der Alte mit demBrummbaß, zählt dazu den Takt und horcht, ob sich nirgendsein Mißton Anschleiche. Das muß eine herrliche Kirchweih werden.
Eine Strafpredigt.
Es ist ein eigenthümlich Los der ersten bösen That, daßsie selten lange verborgen bleibt. Zum ersten Male hatte heuteder kleine Hans an dem in der äußersten Ecke des Gartensstehenden Apfelbaume mit seinen rothwangigen Früchten, diezudem noch nicht einmal ganz ausgereist waren, sich vergriffenund schon war er auf dem Sprunge gewesen, hinter der schützen-den Hecke mit seiner Beute zu verschwinden, um sich darangütlich zu thun — da rief ihn des Vaters kräftige Stimme zu-rück. Langsam war er, vor Schrecken halb gelähmt und ungewißder Dinge, die da kommen sollen, herbeigetrollt. Von Schuld-bewußtsein überwältigt wagt er nicht die Augen aufzuschlagenund den Vater anzublicken, der ihm in ernsten Worten dasVerwerfliche seiner That vorhält. Aber er wollte ja den Baumnicht schädigen, er wollte nur einen einzigen Apfel herunter-schlagen und konnte nicht dafür, daß die schwere Stange denganzen Ast abriß. Gewiß wird er sich die Worte des Vaterstief ins Herz einprägen, das können wir aus seinem reuigenGesichte lesen, wird geduldig warten, bis die Aepfel reif sind,dann ist ja der Vater gerne bereit, seinen Wunsch zu erfüllen.
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Allerlei.
Die Bewässerung des Culturlandes inAegypten von den Schwankungen der Nilhöhe un-abhängig zu machen, ist eine Aufgabe, die für das Deltadurch das buriLAs äu IM genannte Stauwerk an derDeltaspitze der Lösung nahe gebracht ist. Jetzt hat nundie Regierung das Ziel ins Auge gefaßt, auch Ober-
ägypten durch gewaltige Stauwerke außerhalb der Ueber-schwemmung mit dem nöthigen Wasser zu versorgen.Es stehen sich drei Vorschläge gegenüber. Der eine willden alten Mörissee wiederherstellen. Aber diese Anlageläge zu weit flußabwärts (im Fayum ), um von großerBedeutung werden zu können. Der zweite will bei Asfuandas Stauwerk anlegen. Dadurch würde die wunderschöneund berühmte Insel Phtlä mit ihren unschätzbaren Denk-mälern zu Grunde gerichtet. Das Anerbieten einesAmerikaners, die ganze Insel mit allen Tempelrutnenhöher zu legen, kann wohl kaum ernst genommen werden. Derdritte Plan endlich verlegt das Werk in die Gegend vonWady Haifa. Man macht dagegen geltend, daß diefeindlich gesinnten Sudanesen durch Zerstörung der An-lage ganz Aegypten in Gefahr bringen könnten. DieEngländer würden wohl Anlaß nehmen, eine starke eng-lische Garnison zum Schutze des Werkes zu schaffen.Zwischen diesen drei Plänen schwanken also die Ansichten.Der Segen einer derartigen, zweckmäßig durchgeführtenAnlage für das Land wäre so groß, daß man sich selbstmit dem Gedanken befreunden müßte, die an natür-lichem Reiz und geschichtlicher Bedeutung unvergleichlicheLandschaft von Philä zu verlieren.
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Jer Maikönigin.
Von waldiger Höhe herab in's Thal
Da glänzt die Kapelle im Morgenstrahl. ^
Zum Thürmchen empor sich ein Vog'lein schwingt,
Wie ein Hymnus sein Morgenliedchen klingt.Dazwischen die Glocken erschallen leisZu Gottes und zu der Jungstau Preis.
Im Kreise die Tannen sie rauschen sacht,
Sie neigen sich flüsternd und sind erwacht.
Es flimmert und schimmert der weite Hag,
Herein bricht ein herrlicher Maientag.
Und in der Kapelle — wie süß und mild,
Erglühet der Jungfrau liebliches Bild.
Es bricht durch die Fenster ein Strahlenkranz,
Erfüllet das Küchlein mit Maienglanz.
„Du Schönste der Frauen, Maikönigin,
Dir huldigt der Mai, nimm es gnädig hin,
Die Kinder der Erde, fast ohne Zahl,
Sie grüßen mit ihm Dich vieltausendmall"
Schachaufgabe.
Schwarz.
Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt.