minder derben Ausfällen das ganze Gebühren des vor-maligen Superintendenten in andere Beleuchtung gerücktwurde, die seinem Ansehen in weiten Kreisen schadete.All das bestimmte den Wittenberger Schloßprediger undUniversitäts -Prosessor nicht, die spitzige Feder niederzu-legen. Er fuhr mit den Send- und Trostbriefen fort.deren einer mit dem Schlußwort „Nöm. 16, 20: DerGott des Friedens zertrete den Satan unter euren Füßenin Kurzem, Amen" die Tendenz aller kennzeichnet. Na-mentlich vergißt sich ein Schreiben „an die Bürgerschaftüber ihren betrübten Zustand, daß ihnen ihre liebe Seel-sorger und Prediger abgeschafft und alle zumal auf einenTag zur Stadt ausgetrieben werden" — soweit, daß erdie Schließung der Kirche als das kleinere Uebel an-rathet. „Wenn ihr — fordert vr. Mylius die Gemeindeauf — der treulosen Miethlinge von der Kanzel und ausder Kirche nicht los werden könnet, so enthaltet euch derPredigten und würdiget sie nicht ein Wort von ihnenanzuhören, die auch allbereit mehr gestohlen als sie euchje bringen können, gebrauchet nicht ihre Sakramente, weilsie nicht im göttlichen Berufe stehen, erholet nicht ihresTrostes bet Kranken und Sterbenden, taufet selbst eureKinder und suchet in euren Häusern mit Gesind undKindern eure Postillen und reinen Bücher auf, um indieser Gemeinschaft das Gebet und die schönen Psalm-gesänge erschallen zu lassen."
Die neuen Prediger traten mit diesem „lästerlichenund einem evangelischen Lehrer ungebührlichen" Brief vordie Gemeinde, nicht „wegen der Schmähung unseres gutenLeumunds, Geruchs und Ehren", sondern wegen unsererBerufung durch einen E. Rath, und „wir können nichtverhalten, daß Dr. Müller und seine gewesenen Mit-brüder allhier diesen Artikel nicht recht verstanden unddamit sich sammt euch des Berufs halber böslich undschädlich verführt, auch bei diesem Punkt weit und breitgeirrt haben." Dieses Bekenntniß füllte allmälig dieKluft zwischen der evangelischen Bürgerschaft und derweltlichen Obrigkeit aus, und daß bis zum endgültigenFriedensschlüsse noch 4 Jahre verstreichen wußten, ver-schuldete nur der damalige schleppende Geschäftsverkehrmit der kaiserlichen Kanzlei. Dadurch erlebte auch nichtdie Krönung seines Werkes der Mann, durch dessenStaatsklugheit dem Rathe die ihm rechtlich zustehendepolitische Stellung dem evangelischen Ministerium gegen-über unbeschadet des allgemeinen Ncligionsfriedens er-halten blieb. Der Stadipfleger Anton Christoph vonRehlingen starb nach 14jähriger sturmvoller Regierung1589. Die kaiserliche Confirmirung „der Artikel, wiees hinfüro in Berufung der Kirchendiener AugsburgischerKonfession gehalten werden soll", erfolgte 1591. Dieserwichtige Vergleich bestimmte: „daß einem E. Rath alsder Obrigkeit allhier zu Augsburg alle und jede ffnris-äiotio über die evangelischen Kirchen, derselben Dienerund Zuhörer, sonderlich aber das jus evangel. Kirchen-diener zu vociren, zu conformiren und zu bestätigen denHerrn Stadipflegern und Geheimen von eines EhrbarenRaths wegen zugehören und bleiben soll."
Mit der Rückkehr des Friedens in die Mauern derStadt hielt leider die Wiederbelebung des frenndnachbar-ltchen Verhältnisses zu der Reichsstadt Ulm nicht gleichenSchritt. Seit alten Zeiten standen die beiden Städte inguten und bösen Tagen hülfreich sich zur Seite, und auchbei den jüngsten Wirren erzielten die ulmischen Dele-ktiert mit den Gesandten mehrerer Fürsten und Stände
wiederholt eine Verständigung zwischen der Obrigkeit undder Bürgerschaft. In einem der aufgerichteten Verträgehatten die Verbündeten auch dahin sich geeinigt, daß sienicht dulden werden, Zerwürfnisse in der Heimath vonaußen her zu nähren. Gestützt auf diese Beredung ver-langte nun Augsburg die Ausschaffung des Dr. MyliuSund der später ausgewiesenen Prediger aus der Stadtund dem Gebiete Ulms wegen ihrer fortwährenden Frie-densstörungen. Allein der Senat an der Donau lehnteden Antrag, als nicht in dem Nahmen der getroffenenUebereinkunft liegend, ab und verweigerte die Ausweisungder in seinem Lande gastlich aufgenommenen Personen.Sofort verließen die aus dem Städtetag in Ulm weilendenAbgesandten Augsburgs den Konvent, und von dieser Zeitan ließ sich die Reichsstadt ungeachtet der jedesmal ansie ergangenen Einladung nimmer bei dem süddeutschenFürsten - und Städtebunde vertreten. In dieser isolirtenLage verharrte Augsburg noch bei dem Abschlüsse derprotestantischen Union am 4. Mai 1608 und bei der am10. Juli 1609 gegründeten katholischen Liga, ohne daßdie einst mächtigste Reichsstadt dadurch dem bald daraufentfesselten Kriegssturme zu entrinnen vermochte.
--ss-v-es-.--
ALLeZriei»
Ein Bewunderer des PapstesLeo war auchder am 1. Mai ermordete Schah von Perflen. Er hätteauf seiner letzten Reise durch Europa auch gern dem Vatikan einen Besuch abgestattet, unterließ es aber schließlich mitRücksicht aus den König von Italien. Obwohl streng-gläubiger Muhammedaner, rief der Schah in sein Reich,das 400,000 Christen zählt, Mönche vom Orden des hl.Vincenz von Paul.
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Kiimnelsschcm im Monat Juni.
—X. Merkur 8 kann gegen Ende des MonatesMorgens in der Dämmerung sich zeigen.
Venus tz verliert sich immer mehr in der Morgen-Dämmerung.
Mars A noch ziemlich lichtschwach geht erst etwaeine Stunde nach Mitternacht auf.
Jupiter A geht immer früher auf, anfangs gegen11U. 45 M., zuletzt nach 10 U. abds. und steht in NW.
Saturn H rückgängig in der Wage ist sehr hell,erreicht zwischen -10 U. und 8 U. abds. seine größte Höheund geht 1 U. 30 M. in WSW. unter.
In der Nähe des Mondes befinden sich am 5. Mars,am 10. Venus, am 11. Merkur, am 21. Saturn. VomMonde werden bedeckt Jupiter am 14. abds. 10 U. 46 M.,Negulus am 16. und Antares am 23. vorm. 11 U.
Auflösung der Schachaufgabe
in Nr. 44:
Weiß.
Schwarz.
1. D. V3-V1
L. L3-66 (L, L)
2. D. V1-H5
L. 66-W
3. D. L5-L6 Matt.
i.: t.
L. W-b"? (66)
2. D. vl-b'S
beliebig.
3. D. Matt.
L.
L. . . . . .
65-64 oder 63-62
2. D. v1-§1(odF3-s) L.
3. D. Matt.