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äußert, daß er lieber ein Hagestolz werden, als um desschnöden Goldes willen eine ungeliebte Frau nehmenwolle. DaS war schon lange her. Traudchen hatte eineihrer Schwester nicht genehme Partie gemacht; daranwar, nach Frau Rehwalds Erachten, Max schuld, der böseMax, der noch immer keine Lust für den Ehestand zeigte,obgleich er in den Anfang der Dreißig gelangt war undsich bereits einen guten Namen in der Gelehrtenwelt ge-macht hatte, Einkommen besaß und dazu über ein an-sehnliches mütterliches Erbtheil verfügte. Gar manchesrheinische Jungfräulein blickte sehnlich auf den von denMüttern als „gute Partie", von den Jungen alsheiterer Gesellschafter und wackerer Freund Geschätzten,der sich bei jugendlichem Aussehen und Gebühren auchein gut Stück rheinischen Humors inmitten der Ge-
Stelle zu fahren, wo Ottilie und Miß Rich versprochenhatten zu ihr zu stoßen.
(Fortsetzung folgt.)
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Kchicksalsrvege.
Erzählung von Clarisse Borges.
(Schluß.)
Die nächsten Stunden verlebte Martha wie imTraume. Mechanisch fliegt sie die breite Treppe hinan,und sie erinnerte sich später, daß Frau Berghaupt obenauf dem Corridor stand, daß sie ihre Arme ausbreitete,sie an ihr Herz zog und einen Kuß auf ihre Stirn
Vor der Txcculton. Nach einem Originalgemalde von W. Schutze.
lehrtenarbeit bewahrte. — Daß sich zu dem Humor auchmanchmal treffende Witze gesellten, die an Spott grenzten,hatte Frau Nehwald erfahren, die dafür dem jungen Ver-wandten ihre Neigung ganz entzogen und sie dem ar-tigen Lebert zugewandt hatte.
Noch immer konnte sich die Partie auf den Drachen-fels günstig für Lebert gestalten, wenn auch Ottilieetwas später kam als wünschenswerth war. Es bliebso manche Stunde bis zum Abend übrig, und etwasGutes ließ sich auch vom Zufall hoffen.
Frau Näthin war so weit mit ihren Beschlüssen imReinen, daß es dabei blieb: ihre Gesellschafterin mußte,ob gern oder ungern, in Königswinter den Wagen ver-lassen. Frau Rehwald fühlte sich erleichtert, als die übel-launige Gefährtin fort war, und befahl dem Kutscherlangsam auf weitem Umweg den Berg hinan zu der
drückte. Sie hatte auch geweint, ihr einige Worte zu-geflüstert, dann stand sie allein vor dem Sopha, auf demWilly ruhte.
„Es thut mir so leid, daß Sie krank sind — ichhörte erst gestern davon", begann sie, die schlaff herab-hängende Hand des Kranken erfassend.
„Es kam so plötzlich, alle meine schönen Träumevon Glück und Liebe sind mit einem Schlage vernichtet,aber jetzt sehe ich ein, daß es so gut ist", hauchte ermatt. „Ich wollte Ihre Liebe gewinnen, Martha, wirwollten unser Leben zusammen führen, denn ich liebteSie vom ersten Tage an, da Sie in unserem Hauseweilten."
„Sie waren immer gut gegen mich", erwiderteMartha leise, „Sie waren mir der beste, treueste Freund;wenn ich oft verzagen wollte, gedachte ich Ihrer Freund-