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nichtet, im Wasser, das neben einer alten Leiche geschöpftwurde und 1250 Kolonien enthielt, waren nach einerStunde bereits sämmtliche Kolonien bis auf 50 getödtet,nach einer weiteren Stunde auch der Rest; im Wasser,neben einer frischen Leiche, mit anfänglich 2000 Kolonie»/erhielten sich nach einer Stunde 500, nach zwei Stundennoch 200, nach 3'/z Stunden keine mehr. Wurde dasWasser dagegen gekocht, so verlor es seine bakteriocideEigenschaft; wenn in solchem anfangs 1250 Kolonienvorhanden waren, nahm deren Zahl in 3*/z Stundenzwar auf 200 ab, stieg aber nach 48 Stunden auf 48,000.Im Brunnenwasser stieg die Zahl in 48 Stunden von1200 auf 16,000. Aehnliche Experimente an anderenOrten ergaben dieselben Resultate. Ebenso bestätigten Ver-suche mit Cholera-Kulturen in Pepton die völlige Tödt-ung aller Cholerakeiwe in frischem Dschamuna-Wasser.
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Pflügen des Wassers behufs Platin-gewinnung. So bekannt das Pflügen des Erdbodensist, so befremdend muß es Jedermann erscheinen, daßauch das Wasser gepflügt werden kann. Freilich darfman darunter nicht das flüssige Element verstehen undscheint es ziemlich natürlich, daß es sich um ein Pflügendes Grundes des Wasserlaufes handelt. Dieses eigen-artige Verfahren wird, wie uns das Patentbureau vonG. Dedreux in München mittheilt, von den Anwohnerndes Flusses Tura im russischen Gouvernement Tomsk aus-geübt. Der hiezu erforderliche Pflug besteht aus einemFloß, an welchem eine geeignete Rinne mit einer Pflug-schar befestigt ist. Dieser Pflug fährt stromabwärts undder von der Schar abgeschnittene Grund fällt in die Rinneund aus dieser in einen Bottich, woselbst der Flußsandausgewaschen wird, um die in dem Sande enthaltenegroße Menge Platin zu gewinnen. So primitiv die Vor-richtungen auch sind, so nutzbringend sollen sie sich ge-stalten, so daß die Bauern das Pflügen des Wassersseiner Rentabilität wegen der des Landes vorziehen.
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UebertriebeneHöflichkeit. „Der Herr Professorist zu Hause?" — „Ja, mein Herr." — „O, dannwill ich nicht stören, dann besuch' ich ihn lieber einanderes Mal!"
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Zu unseren Bildern.
Vor der Execulion.
In der Küche, in der Speisekammer und im Hausflur wares schon seit langem nicht ganz in Ordnung. Man hörte zu-weilen ein verdächtiges Geräusch auf dem Fußboden, in denEcken und im Gerümpel: es raschelte, knisperte und knusperte;manchmal klang auch ein leises, feines Pfeifen, und dann wares wieder, als huschte etwas über den Fußboden und an denWänden hinauf. Die Mutter berichtete eines schönen Tages,daß der Speck in der Vorrathskammer angefressen sei, auch dasBrod hatte ein ganz merkwürdiges Loch an der einen Seite,und auch noch sonstige Spuren ließen auf höchst sonderbareDinge schließen und die Kinder kamen zu der Ueberzeugung,daß Mäuse im Hause sein mußten. Und als dann auch Käthcheneines Tages von einer lebendigen Maus, die an ihr vorbei indas Loch in der Ecke schlüpfte, auf s Höchste erschreckt wurde,da war kein Zweifel mehr möglich, es war konstatirt: manhatte Mäuse I Selbstverständlich beschloß man sofort, dem Un-geziefer energisch zu Leibe zu gehen. Es fand sich noch eineMausefalle vor, welche die Mutter vor Jahren von einem herum-ziehenden braunen Gesellen gekauft hatte. Das Instrumentwurde wieder in Stand gesetzt und, nach dem uralten Rezept:„Mit Speck fängt man Mäuse", mit einem etwas angebratenen,lieblich duftenden Speckstückchen ausgerüstet, unter das Gerümpelin die Ecke gestellt. Das geschah gegen Abend. Am andern
Morgen, als die Kinder in dem Vorraum der Küche spielten,fiel es dem Franz ein, nach der Mausefalle zu sehen. Sie wurdehervorgeholt, und — siehe da! — es befand sich eine Mausdarin, eine richtige Maus! Große Erregung unter den kleinenLeuten I Nun wird das gefangene Thierchen, das ängstlich inseinem Käfig umherläuft, von allen Seiten beobachtet, undschließlich kommt Nachbars Lieschen auf den genialen Einfall,ihre Hauskatze zu holen, welche an dem kleinen Verbrecher dieExecution vollziehen soll. Das ist der Moment, welchen unserliebenswürdiges, reizendes Bild darstellt.
Der Renommist.
An' größcr'n AufschneiderGibt'^ auf der Welt net,
Wie der Forstg'hilf vo' Klasing,Da gibt's goa' koa' G'red'.
Der frißt die WildschützenMit Haut und Haar scho',Wenn's aber d'raf o(n)kimmt,Nacher laaft er davo'.
So hat er 'n G'schwendtnerIn der Früah glei' derzäblt,Daß er z'Nachts hat an'WildschützIn d' Klamm abi g'schnellt.
„Er is ma begcgn't durtAm Hoa(n)kogel d'rentUnd wollt' mit an' GamsbockG'rad' abi zum G'wänd'.
Da pack' i'n und reiß'nWie—r—an' Strohwisch glei'z'samm,
Und wie ma—r—a so raafa,Fallt er abi in d' Klamm."
„O Donna", sagt derG'schwendtnerUnd schmunzelt dazua, —„Werts' denn?—Herr gib eahmDie ewige Ruahl" —„Wer'sg'we'nis? J woaß net,Dees is ja die G'schicht',Denn g'schwärzt hat drSpitzbuaMit Ruaß sei' ganz' G'sicht."
Der Forstg'hilf thuat wichti',Der G'schwendtner, der lacht,Denn er is ja selm g'we'n,Der Wildschütz heu(n)t Nacht.
Und wie—r—a mit'nGamsbockAuf'n Hoamwcg is scho',Beaegn't eahm der Forstg'hilfUnd der — laaft davo'I
Jetzt fitzen s' nebmanandaGanz sriedli' bei'n Glas,
Und hart nebma eahnaSteckt der Gamsbock im Faß.
Mitlenwald.
Der Markt Mittenwald , an der Jsar gelegen und vomKarwendel -Gebirg, welches 2368 Meter hoch ist, überragt, istein berühmter Lustkurort und eine der beliebtesten Partien imbayerischen Gebirge. Im Süden führt der Scharnitzpaß nachTirol, im Westen erhebt sich der Wetterstein. Der Ort sollunter dem Namen Inutrlum schon den Römern bekannt ge-wesen sein und war im Mittelalter Station der großen Handels-straße zwischen Augsburg und Italien. Mittenwald ist weithinhekannt durch seine Fabrikation musikalischer Instrumente, die1684 von Mathias Klotz, einem geborenen Mittenwalder undSchüler von Niccolö Amati, gegründet wurde.
Schachaufgabe.
Von Johann Berger.Schwarz.
Weiß zieht an und setzt mit dem 4. Zuge matt.