Ausgabe 
(19.6.1896) 51
Seite
387
 
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Menschen nicht kcNltett, und erfährt man dabei zumMindesten nicht, wie man nicht reisen soll?

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Aus der Geisterwrlt.

In Berlin sprach vor einiger Zeit ein Herr KarlWald über den Spiritismus und seine Bedeutung.Danach ist der Spiritismus eine exakte Wissenschaft, undzwar Naturwissenschaft auf dem Boden der Experimente.

Der Spiritismus so erklärte der Vortragendenach einem Referate der BerlinerGermania " lehrtzunächst, daß der Mensch nicht bloß ein Produkt deSStoffes ist, sondern daß sich in dem Menschen, umkleidetvom Stoff, ein Geist befindet, und daß dieser Geist un-sterblich ist. Der Spiritismus steht allerdings nicht aufdem Standpunkte derjenigen, welche den Geist nach demVerlassen des Körpers entweder ins Paradies oder indie Hölle eintreten lassen, sondern er steht auf dem dar-winistischen Standpunkt aufs Geistige übertragen: daßder Geist sich erst allmählich, aber sicher zur größtenVollkommenheit entwickeln muß. Der Spiritismus lehrtauch den Glauben an Gott, ohne sich indessen direkt fürden persönlichen Gott Zu erklären, obwohl er zugibt, daßdersebe existieren kann.Nur der Spiritismus", soführte der Redner aus,lehrt die Unsterblichkeit des Ichsaus Erfahrung, und das ist es, worin die größteBedeutung dieser Wissenschaft liegt. Daß der Geist desMenschen wirklich fortlebt in einem ewigen Leben, sagtauch die christliche Religion schon; aber die schönen Wortegenügen nicht mehr bei der fortgeschrittenen Wissenschaft.Wir wollen nicht bloß hören, wir wollen auch wissen.

Der Redner führte dann aus, daß der Spiritismusnichts Neues sei, daß er im Alterthum, im Mittelalterbis in die neue Zeit hinein als Geheimlehre gelebt habe.Nach seiner Ueberzeugung waren die weisen Frauen deralten Germanen Medien, die in stetem Verkehr mit denGeistern standen. Dieselben vererbten ihre Fähigkeitenweiter, bis im Mittclalter durch die schreckliche Verfolgungund Vernichtung der sogenannten Hexen, die unzweifelhaftauch Medien gewesen feien, die fähigsten Vermittler desVerkehrs mit den Geistern ausgestorben seien.

Der Redner verglich dann das Telephonieren ohneDraht mit dem spiritistischen Verkehr mit den Geistern.Um die Verbindung mit der Geisterwelt zu erlangen,bedürfe der Mensch sehr feiner Organe, die mit dem Todedem Körper entflohene Kraft könne uns nicht mehr Mit-theilungen machen, die mit den leiblichen Ohren zu hörenfeien. Nur eine gewisse, noch unbestimmte, höchst em-pfindliche psychische Kraft, die von dem Medium ausgehe,könne die Verständigung bewirken.

Der Redner kam dann auf das bekannte Tisch-rücken zu sprechen. Setzt sich das Medium an einenTisch, um mit den Geistern zu verkehren, so hört manbald Klopftöne, aus welchen das Medium, wie der Tele-graphist aus seinem Apparate, Worte, bezw. Buchstabenheraushört. Stellt sich das Medium 3 oder 4 Schrittevor den Tisch und fordert diesen auf, zu kommen, sobewegt sich der Tisch zu dem Medium hin. Der Spiritis-mus erklärt dies durch das Einwirken einerverborgenenintellektuellen Kraft in nicht tellurtscher Materie". WelcheArt diese Kraft ist, hat noch nicht festgestellt werdenkönnen. Sie existiert aber und muß beachtet werden.Man nimmt an, daß es durch das Einwirken eines Geistes

vom Jenseits, vielleicht vom Mars, von der Venus odereinem andern Stern, geschieht, gleichzeitig stellt man esaber noch in den Bereich der Möglichkeit, daß die Er-scheinung ein Ausfluß der Psyche deS Mediums selbst,eine psychische Kraft, die aus dem Individuum selbst ent-strömt, ist. Aehnlich verhält es sich mit den Phantomenselbst. Auch über diese hat der Spiritismus noch nichtsDefinitives festgestellt.

Am Schlüsse betonte der Redner das Glück, welchesschon Millionen im Spiritismus gefunden hätten. Viele,die an nichts «ehr geglaubt hätten und dem krassestenAtheismus anhingen, seien durch ihn gerettet worden.Man wolle keine neue Religion stiften.Bei uns kannjeder nach seiner Fa?on selig werden. Wir haben nurdie Wissenschaft mit zwingend überzeugenden Experimentendahin geleitet, daß sie zugeben muß, daß das Leben dochetwas anderes ist, als das Dasein einer vorübergehendenEintagsfliege, daß dieses Fühlen in der Brust, diese Un-summe von Licht nicht für nichts da sein kann. Wirhaben wissenschaftlich nachgewiesen, daß der Mensch einenZweck hat, da zu sein, daß der Tod nur ein Uebergangist zu einem anderen Leben wenn wir dies auch nichtgleich zu einem himmlischen machen.

So der spiritistische Redner.

Die bedeutenden Namen, welche sich unter den ge-lehrten Vertretern des Spiritismus finden, lassen dennaheliegenden Verdacht, daß alles Schwindel sei, nichtaufkommen, wenngleich der Spiritismus von Schwindlernvielfach ausgebeutet wird. Was die Behauptung desSpiritismus angeht, daß durch ihn wissenschaftlichdie Unsterblichkeit der Seele nachgewiesen sei, so ist dieserwissenschaftliche Beweis doch noch nicht vollständig erbracht.Die Möglichkeit, daß die bei dem Auftreten der Phantomewirkende verborgene intellektuelle Kraft eine psychischeKraft ist, die aus dem Individuum selbst entstammt, er-scheint noch nicht ausgeschlossen. Dem spiritistischen Be-weise der Unsterblichkeit der Seele ist daher kein großerWerth beizumessen. Der neuere Spiritismus verdanktüberhaupt seine große Ausbreitung nur dem Streben dessinnlichen Menschen, immer handgreifliche Belege für seinenGlauben zu haben. Seine vielen Millionen Anhängerzählt er in jenen Kreisen, welche den echten Glauben ver-loren haben. Die Möglichkeit der Erscheinungen Ver-storbener kann nicht in Abrede gestellt werden. Daswirkliche Erscheinen kann aber nicht in der Gewalt derLebenden liegen. Es ist nur unter dem Gesichtspunktder göttlichen Vorsehung im Leben Christi und der Kirchezu erklären und kann nicht der Neugierde, sondern bloßhöheren Zwecken dienen. Gott gebraucht aber in derRegel gewöhnliche Mittel zur Ausführung seiner Zwecke.Andernfalls würden diejenigen Recht erhalten, welche allespiritistischen Erscheinungen der Einwirkung des Teufelszuschreiben. Schon der heilige Thomas bemerkt:WieAugusttnnS und Chrysostomus sagen, verstellen sich dieDämonen oft als Seelen der Verstorbenen."

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Allerlei.

Der ehemalige französische HauptmannDreyfus, der seiner Zeit wegen LandesverrathS aufLebenszeit deporttrt wurde, bewohnt zur Zeit die ödeTeufelsinsel (Jle du Diable), auf der sich außer ihm undsechs Wächtern kein einziges menschliches Wesen befindet.