Ausgabe 
(19.6.1896) 51
Seite
388
 
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Auf dem allerdings sehr beschränkten Raume der Insel,die in zwei Stunden leicht rund um und um begangenwerden kann, darf er sich frei und ungehindert bewegen.Nur beim Herannahen des Bootes, das von der benach-barten Königsinsel (Jle Noyale) Lebensmittel bringt, wirdder Dcportirte in eine Hütte gesperrt, die er erst verlassendarf, wenn das Boot bereits abgesegelt ist. Da sonst keinSchiff in die Nahe der TeufelSinsel kommt, so ist jederFluchtversuch ausgeschlossen. Durch Schwimmen könntefreilich leicht das Ufer einer benachbarten Insel erreichtwerden. Aber eine große Anzahl von Haifischen haltenfurchtbare Wacht um die Insel, so daß der Fluchtversuchdurch Schwimmen dem Selbstmorde gleichkäme. So istdenn vorläufig jede Hoffnung auf Entrinnen für den Ver-urtheilten abgeschnitten. Gegen 18 Stunden im Tage ver-bringt der Unglückliche in seinem Bette, da er seine Zeitnicht todtzuschlagen vermag, obwohl ihm das Lesen allerBücher freigegeben ist. Die Wächter haben den strengenAuftrag, kein Wort mit ihm zu wechseln, und sie kommendieser Verordnung gewissenhaft nach. Käme der Arzt nichtmanchmal von der Königsinsel herbei, um den Gesund-heitszustand von Dreyfus zu prüfen, so hätte dieser seitJahresfrist nicht mehr den Laut einer menschlichen Stimmevernommen. Der Arzt zeigt sich aber humaner und leistetDreyfuS oft Stunden lang Gesellschaft. In seinem Acußerenist der ehemalige Artillerie-Hauptmann sehr verändert.Der Bart, den er sich wachsen ließ, ist ganz weiß undmacht ihn völlig unkenntlich. Er erhält und betreibt eineeifrige Korrespondenz mit den Mitgliedern seiner Familie.Jedoch sind sowohl die Briefe, die er schreibt, wie die-jenigen, die er erhält, der Durchsicht durch den Ober-wächter unterworfen.

*

Elektrische Bahnen. Die Verdrängung derPfekde-Eisenbahnen durch elektrische Bahnen ist eine be-kannte Thatsache; eben so bekannt ist, daß diese Ver-drängung einen immer schnelleren Gang annimmt. We-niger bekannt dürfte jedoch sein, daß in Europa bei weitemDeutschland an der Spitze dieser Umwälzung steht.Im Jahre 1895 ist in Europa die Zahl der im Betriebebefindlichen elektrischen Eisen- und Straßen-Bahnen von70 auf 111 gestiegen, ebenso ihre Gesammtlänge von700 auf 902 Kilometer, die Leistungsfähigkeit der Central-Stationen von 18,150 auf 25,095 Kilowatt und dieZahl der Motorwagen oder Locomotiven von 1236 auf1747. Von den 902 Kilometer Gesammtlänge entfallennicht weniger als 406 auf Deutschland . An zweiterStelle sieht Frankreich mit 132, an dritter England mit94 Kilometer; dann folgen Oesterreich-Ungarn (71 Km.),Schweiz (47), Italien (40), Spanien (29), Belgien (25),Irland (13), Rußland (10), Serbien (10), Schweden -Norwegen (8), Bosnien (6), Rumänien (5), Holland undPortugal (je 3). Die Zahl der Motorwagen beträgt inDeutschland 857 (die Gesammtleistungsfähtgkeit 7194Kilowatt), in Frankreich 225 (4490), in England 143(4243), in Oesterreich-Ungarn 167 (1949), in der Schweiz 86 (1559), in Italien 84 (1890), in Spanien 26 (600),in Belgien 48 (1120), in Irland 25 (440), in Ruß-land 32 (540), in Serbien 11 (200), in Schweden -Norwegen 15 (225), in Bosnien 6 (175), in Rumänien 15 (140), in Holland 14 (320), in Portugal 3 (110).Dänemark, Griechenland und Bulgarien haben noch keineelektrischen Bahnen. Am meisten verbreitet ist das Systemoberirdischer Strom-Zuführung mit Contactwelle; Anlagen

mit unterirdischer Strom-Zuführung gibt es nur drei,und zwar je eine in Deutschland, Oesterreich-Ungarn undEngland . Neun Linien haben das System der Mittel-schiene, darunter keine in Deutschland , acht den Accumu-latoren - Betrieb, davon ebenfalls keine in Deutschland .

*

Eine rührende Episode behandelt ein GedichtdeS greisen Schriftstellers Ferdinand Franke l.

LnS letzte GlaS.*)

ES kommt so mauLer Gast zu mir,

Zur Post oft nach Seeöhaupt,

Und macht sich ein Vergnügen hier,

Wie's Brauch ist überhaupt.

Doch einmal fuhr ein Wagen vor,

Vergeß's mein Leben nicht,

Ein traurig Antlitz schaut hervor,

Voll Wehmuth zu mir's spricht:

Bringt ein Glas Wasser mir heraus,

Das letzte wohl mein König trank es aus!

Das Glaö hat für mich großen Werth,

Ein Kleinod bleibt es mir,

Mein König hat nach ihm begehrt,

D'rum bleibt's des Hauses Zier.

Bevor in's Wellengrab er sank,

Von Geistesnacht umhüllt,

Nahm er daraus den letzten Trank,

Sein Wunsch ward ihm erfüllt.

Und seine Thräne siel hinein

Eine Perle soll dem Glas sie sein!

D'rum schätz' ich dieses Glas so hoch,

Als Kleinod für mein HauS,

Ein Schatz bleibt es dem Enkel noch,

Mein König trank daraus!

Ein Fürst, der von dem Volk geliebt,

Wohl Keiner so wie Er!

D'rum bin ich heut' so tief betrübt,

Zehn Jahre ist's nun her,

Da kam zuletzt er vor mein Haus,

Das letzte Glas, mein König trank's hier aus!

*) Am 12. Juni 1886 war es, als der König früh 4Uhrvon der hohen Staatscommission in Hohenschwaugau abgeholtund nach Schloß Berg überführt wurde. Eine Menge Volkeshatte sich zu diesem Akte in Hohenschwaugau angesammelt.Bezirksamtmann Sonntag hielt mit der kgl. Gendarmerie dieOrdnung aufrecht. Die allgemeine Theilnahme für den viel'geliebten König und Landesvater war groß und sichtbar. Um4'/4 Uhr früh erfolgte die Abfahrt. Die ganze Fahrt verliefruhig. In Seeöhaupt wurde um 10 Uhr 30 Minuten Vor-mittags Halt gemacht. Der König wurde von den versam-melten Ortsbewohnern und Sommerfrischlern ehrfurchtsvollbegrüßt und dankte in freundlichster Weise. Hier verlangteSeine Majestät ein Glas mit Wasser, welches dein Königdurch die Frau deS Herrn Posthalters Vogl überreicht wurde.Dieses letzte Glas bildete den Stoff sür daS vorstehende Ge-dicht des greisen Volksdichters F. Fränkel.

Auflösung der Schach-Ausgabe in Nr. 52:

Weist. Schwarz.

1. D. 66-L8 V5-04:

2. D. L808 (eS droht

3. S. 0402 oder05:ch und 4. D.08-05 Matt.

3. D. 08-05-j-

4. L. L102 Matt.

K. 03-04:K. 04-05:

L.

1 .

2. S. 03vif

3. S. O1-O3f

4. D. 08-^8 Matt.

L2-L.1 D.

K. 030405-64: (Di-

ll.

1. 0605

2. S. 03-vl-j- K. 0304

3. S. 04-06-j- (wie bei L)

4. wie bei L Matt.

Andere Varianten leicht.

--SWiWS-