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sich auf ein kleines Haus in der Nähe vonEphesus , in welchem die seligste Jungfraulebte, und, umgeben von heiligen Frauen,entschlief. Die Oertlichkeiten waren näher beschrieben.„Wie kommt es denn", dachte Schwester de Granceh beisich, „daß wir, die doch jenen Oertlichkeiten so nahe leben,noch gar nicht daran gedacht haben, die Richtigkeit dieserBision an Ort und Stelle zu erproben?" Die Oberintheilte ihre Gedanken dem HospitalkaplanPater Jung mit und gab ihm „das Leben derAnna Katharina Emmerich ". Pater Jung studirtees durch und ließ sich sogar das deutsche Original senden.Als ein Mann, der sich durch nichts aufhalten läßt undder alle seine Thatkraft vom Glauben herleitet, beschloßer, „selbst hinzugehen und zu sehen". Eines Morgensbestieg denn Pater Jung in Begleitung seines Confröre
nen, sich dort in Gegenwart von Ruinen zubefinden, welche viele Aehnlichkeiten mit demvon Katharina Emmerich beschriebenen kleinenHause haben: — dieselbe Lage, dieselben Ab-theilungen, eine Quelle zur Rechten, einekleine Kapelle im Hintergründe, sogar eineSchlucht zurSeite. Es konnte kein Zweifel obwalten:dies war, was Pater Dung suchte. Sie fragten einenBauern, der sein ärmliches Obdach hart dabei aufge-schlagen, nach dem Namen des Platzes: „PanagiaCapouli — Wohnung der heilig st enJungfrau"— war die Antwort. Auf die Frage, warum er nichtlieber in den Ruinen wohne, erwiderte er: „Es ist einheiliger Ort." Die Reisenden verbrachten die Nachtauf dem Berge und kehrten am nächsten Tage nachSmyrna zurück.
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Original-Aufnahme von Gustav Baaver, Photograph in Krumbach. sVervieljSIiigungSrecht vorbehalten.)
Pater Vervault und eines Dieners den Eisenbahnzug. Erkam nach Ephesus und lenkte von dort aus seine Schrittenach den von Anna Katharina Emmerich angegebenenOertlichkeiten. Einen ganzen Tag lang wanderten diedrei Reisenden in den Bergen umher. Es war wirklichetwas Aehnliches dem, was die deutsche Nonne erzählte;aber alle Berge sehen sich einander sehr gleich. VonMüdigkeit erschöpft und vor Durst fast verschmachtend,dachten die drei Reisenden daran, irgend ein Obdach fürdie Nacht zu finden. Sie hätten viel Geld für ein GlasWasser gegeben. Der Diener konnte es nicht mehr aus-halten und wurde halb ohnmächtig. Zum Glück erreichtensie eine kleine, etwas bebaute Hochebene. Ein Hirte weidetedort einige Ziegen; das bedeutete Hoffnung, das bedeuteteLeben. Von ihm erfuhren sie, daß ungefähr hundertMeter entfernt sich eine Quelle befinde. Sie gingen daraufzu. Wie groß war nicht Pater Jung's Erstau-
Pater Jung fand anfangs bloß ungläubige Ohren.„So kommt nach Panagia und Ihr sollt selbst sehen",war jedesmal seine Antwort. Wirklich begaben PaterPoulin, Superior der Lazaristen in Smyrna, Pater Loby,Visitator der Provinz Konstantinopel und mehrere Anderesich zu der Stätte und kehrten überzeugt zurück. ImAugust 1891 begaben Pater Dung, die Herren Borrel,d'Andria und ich uns dorthin, um zwölf Tage inmittendieser heiligen Ruinen zu verbringen. Die Tageszeitbrachten wir damit zu, von den Oertlichkeiten Photo-graphien aufzunehmen, Pläne zu zeichnen und nach irgendeinem Steine zu suchen, auf welchem wir etwa ein Zeichenbemerken könnten. Zur Nachtzeit schliefen wir im Freienoder unter einem Zelte. In einer Nacht wurden wir plötz-lich durch klägliches Bellen unserer vier Hunde geweckt.Waren lauernde Briganten in der Nähe? Wir wissen esheute noch nicht. Wir griffen zu unseren Gewehren und