Ausgabe 
(23.6.1896) 52
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blieben die ganze Nacht wach. Unvergeßlich wird uns dieheil. Messe bleiben, welche Pater Dung am 15. August(Maria Himmelfahrt ) auf dem Steinaltare im Oratoriumder seligsten Jungfrau im Freien celebrirte. Die einzigeMusik dabei war das Flüstern der von Katharina Em-merich beschriebenen Quelle. Dann sangen wir mit demganzen Feuereifer unseres Glaubens das Ave Maria unddas Ave Maris Stella den Gruß an die jungfräu-liche Gottesmutter, deren letzte bescheidene Erdcnwohnungwir mit heiliger Ehrfurcht grüßten. Der 15. August 1891gehört zu den denkwürdigsten und schönsten Tagen unseresLebens. Wir besuchten das Haus Unserer Lieben Frauseitdem zu öfteren Malen, und unser Glaube und unsereUeberzeugung wuchs mit jedem neuen Besuche. Auch dieVater von St. Polycarp besuchten eines Tages in unsererBegleitung diePanagia Capouli". Mehrere kehrten ebenso überzeugt nach Smyrna zurück, wie wir selbst. Somithaben wir den geehrten Lesern kurz erzählt, unter welchenUmständen das Haus Mariens entdeckt wurde. Sicherwerden diese Ruinen dereinst eine vielbesuchte Wallfahrts-stätte werden.

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Zu unseren Bildern.

Die kleine Kehrerin.

Still gesessen jetzt, ihr Kleinen,

Aug' und Ohr zu mir gericht'tlDürst nicht lachen oder greinen,

Wenn der strenge Lehrer spricht.

Ernste Miene, nicht gewackelt!

Karl, wie sitzt er wieder da?

Ei, da wird nicht lang gefackelt,

Wer nicht hört, muß fühlen, ja!

Habt Respekt vor meiner Brille,

Achtung vor dem Birkenreis."

Jctzo herrscht die größte Stille

Weil man nichts zu sagen weiß.

Strengen Blick, die Faltenstirne,

Wie er räuspert sich und spuckt,

Hast Du ihm, Du kleine Dirne,

Wirklich trefflich abgeguckt.

Schulrath Franz, der Herr Inspektor,

Freut sich Deiner Disziplin.

Er ernennt Dich bald zum Rektor,

Weißt Dn 's Kindlein recht zu zieh'n.

Und ich seh', an rechte StelleHast Du heut' Dich hingesetzt.

Doch merk' Dir auf alle Fälle:

Aus der Schul' wird nicht geschwatzt!"

Ein» zwei drei!

Zum Großvater geht die kleine Anna mit ihrem Schwesterchenimmer gerne. Sind sie ja doch seine Lieblinge und bei ihm gibtes stets etwas Interessantes zu hören oder zu sehen. Bald er-zählt er ihnen eine schöne Geschichte, bald gibt er ein Spätzchenaus seinem eigenen Leben zum Besten, bald muß der kleineSchnauzer eine Vorstellung geben, wie dies auf unserem Bildeder Fall ist. Mit einer Geduld, die die beiden Mädchen sicher-lich nicht haben würden, wenn ihnen ihre Mutter eine leckereSpeise vorenthielte, wartet der kleine Schnauzer, den wohl-schmeckenden Bissen auf der Nase, auf die erlösendedrei". Nocheinen Moment, dann ist die harte Probe, welche den beidenMädchen so große Freude bereitet, überstanden, und die Vor-stellung endet mit der Vertilgung des mühsam erworbenen Gutes.

Krumbad.

Krumbad, bei Krumbach in Schwaben gelegen, ist ein alter,durch seine Mineralquellen berühmter Bade- und Luftkurort.In Nro. 62 des schwäbischen Postboten von 1892 wurde bereitsüber seine Wiedercrwerbung durch Herrn Pfarrer Dom. Ring-eisen in Ursbcrg, der es ganz und allein für Heilzwecke be-stimmte, berichtet. Heute wollen wir Einiges aus der Geschichtedieses Bades mittheilen.

Lechsenried und das Krumbacher Bad oder Krumbadliegen in fast gleicher Entfernung zwischen Edenhausen undKrumbach , und zwar letzteres an der Straße, ersteres aber jen-

seits eines Berges vom Bade gerade gegen Mittag durch einHolz hinüber. Hiltipold, ein Bruder Mangolds, Dynasten zuKrumbach , erbaute sich im Jahre >145 unweit Lechsenried,welches ein Landgut mit einer Kapelle war, und das er kurzvorher an Ursberg verschenkt hatte, auf einem Berge eine Burg,welche von seinem Namen Hiltipoldsberg und nach der PlattenMundart Hilpelsberg genannt wurde.

Dieses Schloß kam in der Folge mit Krumbach an dieRitter von Ellerbach. Im Jahre 1390 hatte Ritter Ulrichv. Ellerbach auf seine Gemahlin, Adelheid v. Roth, einen eifer-süchtigen Argwohn geworfen und sie im rasenden Zorn bis ineine Stallung verfolgt, welche er verriegelte und anzündete.Die Unglückliche ward zwar dadurch elender Weise erstickt, ihrKörper aber blieb unversehrt und wurde in der v. Roth'schenBegräbniskapelle zu Wettenhausen beigesetzt, wo im Jahre 1692zum ewigen Andenken ein schönes Monument errichtet wurde,wie in den Badbüchlein zu lesen ist. An der Stelle ihresTodes entsprang sogleich eine sehr heilsame Quelle, der Bad-brunnen genannt, bei welcher das Krumbacher - oder Krumbaderbaut wurde, welches noch heut zu Tag stark besucht wird undin Leibesverstopfungcn, bei schwächlichen oder gelähmten Gliedernund Füßen sehr gute Hilfe leistet. Die Wirkung des Wasserssowohl, als der sogenannten Badesteine, welche auf dem Berge,woraus das Wasser entspringt, ausgegraben werden, sind imJahre 1754 durch Herrn Jos. Friederich Rübel. der MedizinDoktor, untersucht worden, und im Jahre 1758 hat Herr GeorgFriedrich Guttermann, protestantischer Stadtphysikus zu Augs-burg, dem Gotteshause Ursberg ein Büchlein von diesem Bade,um es drucken zu lassen, übergeben, welches auch geschehen ist.

Daraus kann man sowohl die Wirkungen des Wassers undder Steine, als auch die Art, wie dieses Bad zu gehrauchen ist,ersehen. Nur dasjenige will ich noch anführen, was mir eingeschickter Arzt. dem dieses Bad sehr wohl bekannt ist, erst neu-lich sagte: dieses Wasser hat die Wirkungen eines Schwefel-bades, und es steht den berühmten Schwefelbädern wenig nach,nur ist es etwas schwächer. Das Wasser, innerlich und äußer-lich angewandt, ist vortrefflich; die Steine aber taugen nichtviel, besonders ohne das Wasser.

Dieses Bad, zu welchem das Schloß Hilpelsberg nach demtraurigen Vorfall mit der unschuldigen Adelheid verwendetworden, kaufte sammt Lechsenried, welches vom Kloster wiederhinweggekommen war, im Jahre 1418 Wilhelm, Abt zu Urs-berg , sammt allem Zugehör von Diepold v. Eichelberg, Ritter,um 1060 fl. Seine Söhne Konrad, Albert und Burkart wolltenzwar nach 15 Jahren den Kauf umstoßen, allein sie richtetennichts aus, und von dieser Zeit ist es immer bei diesem Gottes-hause verblieben.

Es sind daselbst 1) das im Jahre 1717 ganz neuerbauteHerrn- oder obere Badhaus, in welchem viele und einige aus-gemalte Zimmer mit Nebenzimmern, Küchen und Kämmernsind; 2) das gemeine oder untere Badhaus; 3) das Wirtbs-haus; 4) des Badmeisters Haus. An das obere Badhaus stößteine kleine Kirche, welche im Jahre 1727 den 28. April zurEhre der hl. FelizitaS mit ihren sieben Söhnen, der hl.Walburga rc. eingeweiht worden.

Der Ort gehört in die Pfarrei Attenhausen, doch wirdvon Mai bis in den Herbst, solange Badgäste anwesend sind,von einem besonders dazu aufgestellten Religiösen vom Klosteraus alle Sonn-, Feier- und Donnerstage eine hl. Messe gelesen.

Nicht weit davon jenseits des Berges, gegen Mittag, istLechsenried, jetzt nur noch eine Kapelle zu Ehren der seligstenJungstau. Sie ist im Jahre 1772 ganz erneuert und schönausgemalt worden. Dahin haben die andächtigen Badgästeeinen schönen Spaziergang. Im Jahre 1800 haben diesen Ortanfangs die Kaiserlichen, hernach aber die Franzosen mit vielerMannschaft besetzt und mit einem Verhaue umgeben. Letzterewurden zwar von den Kaiserlichen etliche Male hinausgeworfen,endlich drang aber die ganze französische Hauptmacht durch dasKammelthal bis an die Donau vor, wodurch dann dieser Ort,wie die ganze Gegend, sehr Vieles gelitten hat.

Im Krumbad, mit seinen drei altberübmten Heilquellen fürso viele Leiden, wurden in letzter Zeit verschiedene Verbesser-ungen und Erneuerungen bethätiget, und findet dasselbe be-sonders auch durch die Schwesternpflege immer größeren Be-such von solchen Leidenden, welche ein stilles, vom Lärm derWelt abgesondertes Erholunasplätzlein für Leib und Seelesuchen. Das Bad wird gewöhnlich am 1. Mai eröffnet undgeschlossen, wenn der Besuch zur Wetterführung zu schwach ge-worden ist, was gewöhnlich im Oktober der Fall zu sein pflegt.