Ausgabe 
(30.6.1896) 54
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Zusammenkunft gewählt hatte. Er mußte nun eilen,da die Herzensangelegenheit ihr Recht erhalten hatte, diegeschäftlichen Erfordernisse auf dem Bureau des Comitesin Ordnung zu bringen, sich zu melden und Bestim-mungen über seine Thätigkeit in Empfang zu nehmen.Erst beim Essen, das er eilig in seiner oorausbestelltenHotelwohnung einnahm, kamen ihm Bevenken über Gold-munds eigenthümliche Bestimmungen. Er hatte aberauch jetzt nicht Zeit darüber zu grübeln, wollte er umdrei Uhr pünktlich beim Stelldichein erscheinen. Auf demWege dahin fiel ihm erst der Umstand auf, daß ProfessorGrube aus Graz , einer der Koryphäen, bei dem bevor-stehenden Congreß, im Frankfurter Hof abgestiegen war.Er hatte eine geschäftliche Zuschrift Grubes schon inMainz erhalten, mit dem Stempel des Gasthofs. So-bald die Unterredung mit Goldmund vorüber war und

Pfarrhof stehen im Dorfe Pfronten-Berg, 2'/z Stundenwestlich von Füssen , dem natürlichen wie kirchlichen Mittel-punkte des ganzen Pfarrbezirkes, welcher sich weit überHügel und Thäler ausbreitet und im Süden und Westenvon hohen Vorbergen der Tiroler Alpen, dem Breiten-berge, Aggenstein , Kienberge und Edelsberge, eingeschlossenwird. Die Nachrichten zur älteren Geschichte von Pfronten sind sehr dürftig. In der Zeit alemannisch-schwäbischerEinwanderung, als das Land vor dem Gebirge überhauptzu Bau gebracht wurde, zog die Cultur des Bodens auchüber die bewaldeten Höhen und durch die feuchten Thälerdes Bezirkes von Pfronten , den die Römer schon kanntenund mit einem Namen bezeichneten, welchem der spätereName Pfronten entstammt. Daß die Erinnerung an diesenUrzustand jener Gegend und an die Cultivtrung derselbenbei den späteren Bewohnern nicht entschwand, geht aus

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pfronten» Nied , Derg und Halden von Metlingcn aus.

Original-Ausnahme von Gustav Basier, Photograph in krumbach. sLervielsüIiigungSrechi vorbehalten.)

ihm Beruhigung gebracht hatte, wollte er versuchen denHerrn Professor, seinen alten verehrten Lehrer, zu be-suchen. Auf jeden Fall konnte er eine Karte abgeben.

(Schluß folgt.)

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Pfronten ,

Bez.-Amt Füssen, Landger. Füssen ?)

(Mit Illustrationen.)

Einen Ort des NamensPfronten " gibt es nicht;dieser Name ist vielmehr eine Collectiv-Bezeichnung fürden ganzen Pfarrsprcngel und die zu ihm gehörendeneinzelnen Ortschaften; daher die Namen Pfronten-Berg,Pfronten-Kappel, Pfronten-Steinach usw. Pfarrkirche und

0 Aus Strichele,Das Bisthum Augsburg"

dem im 15. Jahrhunderte für Pfronten geschriebenenRechts- und Markungsbuche, dem sog. Pfarr-Rechte, her-vor; denn in diesem werden die Nachkommen gemahnt,nicht zu vergessen, daß ihre Vordern und Eltern es ge-wesen,die ire freien guot wilden wälden erreuthaben". Die in einer freiheitlichen Verfassung sich be-wegende Gemeinde des Bezirkes mag anfangs unter demSchutze des Reiches gestanden sein, später eine Zeit langunter den Grafen von Tirol; gewiß aber ist, daß schonfrühe das Hochstift Augsburg hier Rechte übte, aus welchenendlich die völlige Landeshoheit über den Bezirk Pfronten erwuchs. 2)

*) Dieses bis auf unsere Zeit iu Pfronten aufbewahrtePfarr-Recht, welches die heutigen Bewohner, wie es ihre Vor-fahren thaten, unter dem Namen desgöttlichen Rechtes" wieein Heiligthum verehren, gewährt einen tiefen Blick in das