Ausgabe 
(30.6.1896) 54
Seite
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3. September 1836 und 24. Juni 1854 das freie bisch.Collatur-Recht bei derselben besteht.

(Schluß folgt.)

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Zu unseren Bildern

Gerhard Kohls» ch-

Zu Rüngsdorf bei Godesberg am Rhein verschied am 3-Juni Hofrath vr. Gerhard Rohlfs , der hervorragendeAfrikaforscher und Ethnograph, der wiederholt auch zu diplo-matischen Sendungen an afrikanische Fürsten verwendet worden,ist. Am 14. April 1832 in Vegesack bet Bremen geboren, trater 1849, knapp siebenzehn Jahre alt, in die Schleswig-Hol-steinische Armee ein und wurde nach der Schlacht von Jdstedtzum Offizier ernannt. Nach dem trübseligen Ausgange desFeldzuges widmete sich Rohlfs dem Studium der Medizin undwar dann, als Arzt in französischen Diensten, Zeuge der Kämpfegegen die Kabylen. Der Aufenthalt in Algerien wurde fürsein weiteres Leben entscheidend. Von Wissensdrang getrieben,durchwanderte er, als Mohammedaner verkleidet, 1862 diemarokkanische Sahara von Westen nach Osten bis zum WadiDraa , wo er von seinen Führern ausgeplündert und verwundetwurde, drang 1864 über das Schneegebirge des Atlas bis zurOase Tuat vor, von der er die erste Beschreibung lieferte, undkehrte über Ghadames und Tripolis auf kurze Zeit nach Deutsch-land zurück. Eine neue Reise führte ihn 1865 nach Mursuk.1866 zog er über Bilma nach Bornu und lieferte von diesemWege die erste vollständige Skizze. Von dort wandte er sichnach Westen und gelangte durch damals noch gänzlich unbe-kannte Gegenden zum Venus und fuhr diesen Fluß bis zurenglischen Niederlassung Lokodja an seiner Einmündung in denNiger hinab. Im April fuhr er den Niger aufwärts bisRabba rind drang durch die Urwälder von Joruba bis zurKüste von Lagos vor, wo er sich 1867 nach England einschiffte.1868 begleitete Rohlfs die englische Armee auf ihrer Expeditionnach Abessinien und übernahm 1869 den Auftrag, die Geschenkedes Königs Wilhelm von Preußen an den Sultan von Bornuzu überbringen. In Tripolis übergab er die Geschenke demvr. Nachtigal zur Weiterbeförderung, während er selbst eineReise nach Kyrcnaika und der Oase des Jupiter Ammon unter-nahm. Nach seiner Rückkehr, 1870, nahm er seinen ständigenWohnsitz in Weimar . Einer Aufforderung des Khedive folgend,führte er 1873 eine aus zehn Deutschen bestehende Expeditionin die Libysche Wüste und erreichte mit dieser nach sechsund-dreißigtägigem Marsch durch gänzlich wasserlose Gegenden dieOase Sinah (Jupiter Ammon). Die wissenschaftlichen Ergeb-nisse dieser Reise erschienen in einem großen Sammelwerk1878 führte er eine neue Expedition nach Jnnerafrika, zuwelcher die deutsche Regierung 30.000 Mark beigesteuert hatte;gleichzeitig sollte Rohlfs Geschenke des deutschen Kaisers demSultan von Wadai überbringen. Schon hatten die Reisendendie noch von keinem Europäer betretene Oase Kusra erreicht,als sie von Suya -Arabern überfallen wurden; nur mit Lebens-gefahr und unter großen Opfern konnten sie sich retten. ImSeptember 1880 übernahm Rohlfs einen neuen Auftrag KaiserWilhelms I-, ein Schreiben an den Negus von Abessinien zuüberbringen. 1885 wurde Rohlfs zum deutschen Generalkonsulin Sansibar ernannt, kehrte aber nach kurzem Aufenthalt krank-heitshalber nach Deutschland zurück und nahm seinen Wohnsitzin Godesberg . Außer zahlreichen Aufsätzen und Berichten in Fach-zeitschriften veröffentlichte Rohlfs eine Reihe von Rcisewerken.

Das neue KyMzSusrr-Denkmal.

Das Kyffhäuser-Denkmal, dessen Bild wir bringen, istein gewaltiges, aber in allen Linien schön gegliedertes Bauwerk,nach jeder Richtung bin dem hervorspringenden Punkt ange-paßt, auf welchem es fußt. Die ungeheuren Größen Verhält-nisse die Höhe des Thurmes beträgt an der ersten Terrasse69 Meter, also 29 Meter mehr, als das Niederwald-Denkmal,das Reiterstandbild des Kaisers ist 9,70 Meter hoch, der Kaiser-kopf mit Helm allein mißt 1,30 Meter, ein Bein 3,20, ein Arm2,50 Meter gleichen sich ungemein symmetrisch aus, miteinem Worte, sowohl Bruno Schmitz als Architekt, PrcfessorHundrieser als Schöpfer des Reiterstandbildes des Kaisers, N.Geiger als Künstler des aus tiefem Schlafe erwachenden Bar-barossa baben ihre große und schwere Aufgabe glänzend gelöst.

Bemerkenswerth ist besonders die 30 Meter hohe freistehendeSpindel des Thurmes, die aus der Kuppel des Thurmsaalesaufsteigt und die Wendeltreppe stützt, welche zur höchstenGallerte innerhalb der Kaiserkrone emporführt, eine ungemeinkühne Arbeit. Auf wenigen Stufen steigt man von der unter-sten Terrasse zu drei in das Gestein eingesprengten niedrigenPortalen. Hinter ihnen ruht und verkörpert sich das Sagen-hafte des Berges. Felstrümmer und Kunst verschmelzen undergänzen sich: Wir sind im Felsenhofe Barbarossas. Dortruht der Held aus seinem Throne unter einem mit Ornamentengeschmückten Bogen an der Stirnseite des Denkmals, unterhalbdes Standbildes des Neuerrichters des deutschen Reiches. Ueberdem Haupte Barbarossas schreitet das Streitroß Kaiser Wil-helms stolz und wuchtig aus der Nische des Thurmes. Hund-riesers Gruppe schimmert im Glänze ihres reinen Erzes; ausZinnen und riesigen Quadern heraus wächst der kolossaleThurm, der in seinen oberen Theilen den Reichsadler und dieNamen des Bundesstaaten eingemeißelt trägt. Der Thurm istvon der Hochterrasse aus 57 Meter hoch; er wiegt rund ier-zehn Millionen Kilo. Die auf acht massiven Stützen rutcndeKrone besitzt einen Durchmesser von 3,5 Metern, eine Höhevon 6,6 Metern; sie ist zusammengefügt aus 40 Meter Kubik-steinen. Die Gesammtmaffen des Denkmals betragen 55,000Kubikmeter, sein Gesammtgewicht 1'/« Millionen Centner. Pro-fessor vr. Westphal, der Anstifter zum Gedanken des Denkmal-baues, meint, das Mauerwerk des Monuments würde hin-reichen, um eine Stadt für 5000 Einwohner aufzubauen! DieGesammthöhe des Denkmals von dem untersten Punkte derRingterrasse bis zur Thurmspitze beträgt 81 Meter. Von derDecke des Tonnengewölbes des Hauptsaales führen an der frei-stehenden kühnen Spindel 238 Stufen zur Krone hinauf. DieKosten des Denkmals, wozu die Anlagen der vielen neuen undbequemen Straßen auf den Rücken des Kyffhäusers gehören,werden sich auf ungefähr 1,200,000 Mark belaufen, von denen900,000 Mark durch die bisherigen Sammlungen des DeutschenKriegerverbandes gedeckt sind.

Die Gestalt des Kaisers Wilhelm I. tritt, hoch zu Roß,auf der Stirnseite des Wartthurms in Erz getrieben hervor.Darunter, in der breiten Vorderwand erblicken wir die aus demStein herausgearbeitete Gestalt Kaiser Rothbarts, vom Bild-hauer Nikolaus Geiger geschaffen, ein Werk, welches genaumit der Idee des ganzen Denkmals übereinstimmt. Der Kaiserder alten Sage ist im Erwachen dargestellt, von webendemlangem Bart umwallt; er sieht in die Ferne nach den Raben,ob sie noch um den Berg flattern, und versucht, aufzustehen undsich von den Felsmassen, in die er hineingewachsen ist, zubefreien.

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Am Aodensee.

Ueber blauer Fluthen SäumenStreift der Möve leicht Gefieder,

Und wie sclig-wogend TräumenKlingt's aus Wellentiefen wieder.

Winde sausen bald und brausenWirbelnd über Wasserflächen.

Und der Schiffer hört mit Grausen,

Wie es tönt aus Fluthenbächen:

Lieber Knabe, zieh' nicht weiter,

Lausche meiner Wogen Rauschen!

Drohend, bald erhaben heiter,

Wie sich Glück und Unglück tauschen,

Wallt der Wasser drängend LebenAus des Abgrunds dunklen Tiefen,

Geht der Wolken fernes Schweben,

Die im blauen Aether schliffen.

Glück und Unglück wirst Du findenIn des Lebens altem Flusse,

Glück und Unglück wird Dich bindenBei des Schicksals kaltem Kusse.

Wie das Schicksal, so mein Wallen,,

Kalt und ewig schmeichelnd wieder,

Heute leises, flüsternd Lallen,

Morgen branden wilde Lieder/

Wilh. Nötiger.

--WRZS--