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Erstes Gebet.
Ein äußerst wirksames Motiv hal sich hier der Künstlerzur Schaffung eines schönen Bildes gewählt—das erste Gebeteines Kindes. Mit andachtsvollem Auge hängt die Kleine andem Munde der lieben Mutter, die ihr Wort für Wort vor-spricht, um es dann selbstständig zu wiederholen. Wohl kommtnoch manches Wort ungeschickt aus dem kleinen Munde herausund muß nochmals gesagt werden, aber aller Anfang ist schwer.Der hl. Schutzengel, der Zeuge des rührenden Aktes, sieht aufdas Herz und den guten Willen der kleinen Betenden und wirdsicher vor Gottes Thron seiner Schutzbefohlenen ein lobendesZeugniß über dieses erste Gebet ausstellen.
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Allerlei.
Nur noch 10 Minuten. Der kaiserliche PrinzLouis Napoleon, einziger Sohn des Kaisers Napoleon III. von Frankreich , hatte schon in seiner frühesten Jugenddie üble Gewohnheit, wenn man ihn vom Spiele riefoder ihn mahnte, daß es Zeit sei, aufzustehen oder zuBette zu gehen, um eine Frist von 10 Minuten zu bitten.Als sein Vater, Napoleon III., des französischen Kciiser-thums beraubt war und der Prinz, welcher inzwischenzu einem jungen Manne herangewachsen war, in Eng-land in der Verbannung lebte, schloß er sich den eng-lischen Truppen an, welche in Südafrika gegen die Koffernkämpften. Dort ritt er eines Tages mit einer kleinenAbtheilung aus, um einen Platz für ein Lager auszu-wählen. Dies war bald geschehen, und man war im Be-griffe, zurückzukehren, als der Prinz den die Abtheilungführenden Offizier bat, nur noch zehn Minutenlänger zu warten, damit er eine begonnene Zeichnungvollenden könne. Man gab dem Wunsche des Prinzennach, und als man nach Ablauf der zehn Minuten diePferde besteigen wollte, brach eine Anzahl wilder Koffernhervor. Es blieb keine andere Wahl, als vor der Ueber-macht die Flucht zu ergreifen. Alle kamen mit dem Lebendavon, nur der Prinz, welcher nicht schnell genug seinPferd besteigen konnte, wurde nach kurzer Gegenwehr vonden Wilden mit einem Speere durchbohrt und getödtet.Man kann sich den Schmerz der Mutter des Prinzendenken, als sie von dem Tode ihres einzigen Sohneshörte und erfuhr, daß er seiner Gewohnheit, um einenAufschub von zehn Minuten zu bitten, zum Opfer ge-fallen sei.
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Gute Aussichten für „Paukanten". DerDirigent der Capelle des Hessischen Infanterie-RegimentsNr. 81, Herr Kalkbrenner, hat ein dreirädriges leichtesFuhrwerk construirt und in einer Fahrradfabrik anfertigenlassen, auf welchem in Zukunft die Pauke der Capellebet allen Uebungen und Paraden mitgefahren werdenwird. Die Construction ist derart einfach und practisch,daß der Paukenschläger mit dem durch die Pauke be-schwerten Wägelchen bequem alle Drehungen und Be-wegungen der Capelle mitmachen kann. Das Tragen derPauke ist in der deutschen Armee für den betreffendenMusiker stets eine große Plage gewesen. In Oesterreich werden schon seit langer Zeit die Pauken auf kleinen,von Hunden, ja hier und da von abgerichteten Ziegen,gezogenen Fuhrwerken gefahren. Nur ein Regiment gibtes (und zwar die 43er), welches ein Hunde-Paukenfuhr-werk besitzt. Dasselbe soll noch aus Oesterreich stammen.Sobald mit dem neuen Kalkbrenner'schen Paukenwägelchengute Erfahrungen erzielt sind, soll es in der ganzen Armeesofort eingeführt werden.
Elektrische Malerei nennt sich ein Verfahren,Glasplatten für Möbel und Luxusgegenstänoe mit künst-lerisch ausgeführter Malerei zu versehen, welches derschwedische Maler Swen in Göteborg erfunden hat. Inder That haben die Einlagebilder des Herrn Swen ver-möge der Eigenartigkeit in der Behandlung der Farbeneinen elektrisch leuchtenden Schein, so daß die wunder-barsten Effecte erzielt werden. Die Malerei ist zugleichunvergänglich, da sie auf die Rückseite starker Krystall-platten aufgetragen und deßhalb vor zerstörenden Ein-flüssen jeder Art dauernd geschützt ist. Vor Majolica-platten haben die bemalten Swen'schen Glasplatten denVorzug größerer Schönheit und unbegrenzter Dauer. Wieuns das Bureau für Patentschutz und -Verwerthung vonDr. I. Schanz L Co. (Berlin ) versichert, dürfte diesepatentirte Erfindung für Industrielle von nicht geringemWerthe sein.
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Eine unerwartete Einnahme hatte der bre-mische Staat in diesen Tagen. Bei Vertheilung der franzö-sischen Kriegsentschädigung von 5 Milliarden war einRest verblieben, welcher in diesen Tagen zur Auszahlunggelangte. Der auf Bremen entfallende Antheil, welcherbei der Generalkasse eingezahlt wurde, betrug neunPfennige, die ganze zur Vertheilung bestimmte Summeungefähr 55 Mark. Wie viel Tinte mag wegen dieser9 Pfg. geflossen sein?
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Letzte Zuflucht. Zofe: „Wo ist denn der HerrBaron?" — Kammerdiener: „Der hat mit der FrauBaronin wieder einen Zank gehabt und jetzt sitzt er inder Küche und läßt sich von der Köchin und dem KutscherTrost zusprechen!"
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Kreuzcharade.
1 2
3 4
In jedem Feld der Zeichen zwei —D'raus kombinire mancherlei:
1 2 der Damen Luft fürwahr,
Auch trägi's der Richter und Notar.3 4 ist unser Schirm und Schutz,Des Landes Feinden bietet's Trutz.
1 4 als deutscher Fluß bekannt,
Doch mündet er in fremdem Land,
3 1 verschlang das Meer einst wild,Die Sage dock verklärt sein Bild.
3, 2, in des Olympos Höh'nHat frohen Dienst sie zu verseh'n.
2 4 wird ein Poet genannt,
Von dem ein Drama sehr bekannt.
4 2, bist düs, ich gratulir' —
Und alle Schätze gönn' ich dir.
Auflösung des Rösselsprungs in Nr. 55:Wenn ich's noch einmal erlebeDaß es draußen Frühling werde,Sich des Todes Decke bebeUnd verjünget sei die Erde:
Allen Winter der GedankenWill ich in der Stube lassen,
Mit der Sinne frischen RankenDie erneute Schöpfung fassen.
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