Ausgabe 
(14.7.1896) 58
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großen Freude im Günther'schcn Hause ein Töchterchcngeboren. Zum Andenken an die theure Verstorbene er-hielt sie in der Taufe deren Namen Margaretha Wil-helmine, und ward beschlossen, sie Marga zu nennen.Im Sommer ward in aller Stille ein zweites Familien-fest gefeiert, Herrn Reichardt's undBerthas Hochzeit, nachdem sie nurkurze Zeit verlobt gewesen. DerUnterschied der Jahre war allerdingsbedeutend, allein Herr Neichardt warnoch immer ein stattlicher Mann undin gutenVermögensverhältnissen, undBertha, die zum großenKummer ihrerMutter nach ihrem Tode mittellosgewesen wäre, besann sich nur kurzeZeit seinen Antrag anzunehmen, undgleich nach der Hochzeit sicherte ihrGatte testamentarisch ihre Zukunft.

Bald darauf ward Arthur Reichardtein Sohn geboren, und sämmtlicheEreignisse beschäftigten die betreffen-den Familien in erregender Weise.

Für den Winter hatte Marie Feld-heim eine Einladung der FamilieStanfield nach Wiesbaden ange-nommen, und wenngleich Hedwig sienur ungern und so lange entbehrte,beredete sie sie dennoch dorthin zugehen. Marie blieb drei Monatebei ihren englischen Freunden undkehrte dann zu Aller Freunde nach. . . und ihrer schönen, durch ver-schiedene Ankäufe vergrößerten Be-sitzung zurück.

Wiederum waren zwei Jahre ver-flossen, doch hatten sie den Familienkeinerlei bedeutende Veränderung ge-bracht. Sie lebten in schönstem Ein-verständniß un^dregem Umgang, undbesonders glücklich wäreFrauGünthergewesen, hätte sie nicht Hedwig'swegen in steter Sorge gelebt, die sieindeß nur Marie Feldheim anver-traute.

Diese Sorge schien indeß voll-ständig ungegründet, und auch Marieversuchte sie ihr auszureden, dochgelang ihr dieß nicht, denn sie warder festen Ueberzeugung, daß Hed-wig, wie sie stets gefürchtet, die trau-rige Krankheit ihrer Mutter geerbthabe. Zu ihrer großen Freude gingihr Sohn mit seiner Familie auflängere Zeit nach einem freund-lichen Ort des Harzes, und unter-deß bereisten sie, Marie Feldheim,

Herr Reichardt und seine Gattin

verschiedene deutsche Hauptstädte, und

Alle kehrten befriedigt von dem was ihnen der Sommer

geboten zurück.

Dann kam und ging der Herbst; ein kalter Winterfolgte, und im März, wo es wiederum Frühling werdensollte, gab es dagegen Schnee und Eis mit heftigemNordostwind. Aus vielen Städten brachten die Zeitungen

ungünstige Gesundheitsberichte; Epidemien, die nament-lich für die Kinder gefährlich, waren aufgetreten, dochwar glücklicherweise die Stadt ... mit ihrer nahenund fernen Umgebung verschont geblieben. Da brachdennoch das Scharlachfieber aus, und Günther's ältester

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Sohn, ein schöner, höchst begabter Knabe, ward zuihrem und Aller Schrecken davon ergriffen. Die Krank-heit nahm gleich einen bösartigen Charakter an, und ummöglicherweise die jüngeren Kinder davor zu schützen,nahm Frau Günther sie zu sich in ihre Wohnung, wäh-rend Marie Fcldheim, welche sie bereits gehabt, Hedwig