Ausgabe 
(14.7.1896) 58
Seite
441
 
Einzelbild herunterladen

^11

in der Pflege ihres Sohnes Hilfe leistete. Die tückischeKrankheit aber blieb nicht auf den kleinen Albrecht be-schränkt, eines Tages kehrte auch Dr. Günther davon er-griffen heim.

Nun reichten Hedwigs Kräfte nicht mehr aus, und

L' Ä'

WK

WWW

M

Diakonissin angenommen. Was die Aerzte befürchtet und sieauchMarien nicht vorenthalten, trat ein. Des kleinenAlbrcchtsZustand verschlimmerte sich schnell, denn das Fiebernahm zu, es zeigten sich gefährliche Krankheitserschei-nungen, und ungeachtet der größten Sorge und Pflegestarb er nach dreiwöchentlicherKrank-heit. Marie war tieferschüttert beidem so frühzeitigen Tod des hoff-nungsvollen Knaben, und Dr.Günther, bei dem die Krankheitkeinen gefährlichen Charakter hatte,vernahm ihn mit tiefem Schmerz;doch war er durch die Nachrichten,welche er stets über ihn erhalten,darauf vorbereitet gewesen. Er warder Ansicht, daß, sobald wie thun-lich, seine Gattin ihn erfahrenm üsse,und ließ Herrn Reichardt bitten,die Bestattung seines Kindes zu be-sorgen, und zwar in dem Rothen-AL fels'schen Familiengrab, was dieserbereitwillig übernahm. Er undBerthabeklagten das schwere Geschick ihrerVerwandten, und hätten ihnen dießso gern selbst gesagt, doch durftensie, da Letztere die Krankheit nichtgehabt, auch deren Haus nicht be-treten. (Forts, folgt.)

---

5«

Velletri .

P. Bender.

ein geschickter Wärter ward zur Hülfe genommen. Diefurchtbare Angst und Aufregung aber, in der sie lebte,wirkte nachteilig auf ihre Nerven, und das frühereLeiden begann sich geltend zu machen. Beide denKranken behandelnde Aerzte forderten dringend, daß sieder Pflege gänzlich fern bleibe, und es ward noch eine

Von Dr. Joseph Herb eck.(Schluß.)

Cieco erwachte am hellen Morgenaus einem betäubenden Schlummer,richtete sich im Bett empor und be-mühte sich mehrere Minuten ver-geblich, sich der Vorfälle der Nachtzu entsinnen. Plötzlich wurde ihmAlles wieder klar. Er sah verstörtnach dem Bilde hin.

GutenMorgen,alterWeinkieser!"rief Cieco ihm zu; denn Cieco war,wie die meisten Leute, bei Tage weitdreister, als bei Nacht.

Das Conterfei rührte sich nicht undsagte kein Wort.

Schlecht geschlafen?" fuhr Cieco forl; aber das Bild war nicht auf-gelegt zu einer Unterhaltung.

Wo ist denn die Urkunde undder Plan? Das könnt Ihr mir dochwohl sagen", sprach Cieco weiter,allein das Gemälde ließ sich nichteine Silbe entlocken.

Ich muß es näher besehen", sagteCieco, stieg bedächtig aus dem Bette,ging^auf das Bild zu, griff esan, und richtig, da hing ein altes Pergament aus demRahmen herunter. Es war wirklich der Plan einesaußerhalb Chiavenna gelegenen Berggrundes, und diewenigen Zeilen besagten den Inhalt des dort verborgenangelegten Kellers, zu dem man durch einen langen wag-rechten Schacht, dessen Außenöffnung künstlich mit Gestrüpp