Ausgabe 
(14.7.1896) 58
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halbem Lachen,wenn mir irgend Jemand einen großenGewinn verschafft, so würde er von mir seinen redlichenAntheil daran erhalten."

Wie? wenn ich Ihnen noch eine Erbschaft vonIhrem Urahn zubringen könnte?" sagte Cieco.

Was fehlt Ihnen, Signore?" rief der Wirth abermals.

Ich weiß von der Hinterlassenschaft Ihres Urahnsmehr als Sie."

Ich bin überzeugt, daß dies nicht der Fall ist",versetzte der Wirth und fing an, zurückhaltender zu werden.

Hm!" sagte Cieco.

Der Wirth fragte Cieco , wie weit dieser sein Spieltreiben wolle; ob Cieco glaube, daß sein Gastgeber alsbejahrter Mann ein Gegenstand studentischer Witze sei;ob es sich nicht für den Gast gezieme, wenn er etwasWahrhaftes zu sagen hätte, es wie ein ernster Mannseinem Nebenmann frei zu sagen, statt sich in unverständ-lichen Gleichnissen zu bewegen.

Ja, ja", wiederholte der Wirth ungeduldig.

Und auch der Urkunde glauben und an der be-zeichneten Stelle nachsehen?" fuhr Cieco fort,und auchIhre Christenpflicht an einem Leichnam erfüllen?"

Ja doch, ja doch, geben Sie nur das alte Papierher!" antwortete der Wirth.

Da ist es", sagte Cieco und gab ihm das Per-gament. Eine furchtbare Aufregung bemächtigte sich desWirthes. Cieco sah sofort, daß der Wirth längst Geahntesbestätigt fand. Die Enkel hatten stets von geheimenKellern ihres Urahns reden hören und glaubten auch,daß er in einem solchen verunglückt sein könne.

O der arme Ahn!" rief der Wirth aus.

Sie werden den Schatz heben", sagte Cieco.Be-ruhigen Sie sich!"

Ich beruhige mich", keuchte der Wirth.BleibenSie dicse Ferien bei uns, wir wollen dem Velletri wacker

St. Alb an (Villa und Gasthaus).

NM-I

Ich will Ihnen Alles sagen", entgegnete Cieco,hoffe aber, daß Sie auch Ihrer vorigen Betheuerungennicht uneingedenk sind."

Was ist's?" fragte der Wirth, Cieco erwartungs-voll ansehend.

Es wird Sie in das größte Erstaunen setzen",sagte Cieco, in die Tasche greifend.

Sie find in Geldverlegenheit", erwiderte der Wirth,ich kann Ihnen nicht dienen."

Pah!" fuhr Cieco fort,ich habe wenig Geld, abernie während meiner Reise gerade auf Sie gerechnet. Dasist's nicht."

Bei meiner Nase, was kann es sein?" rief derWirth fast geängstigt aus.

Erschrecken Sie nicht!" sagte Cieco, zog langsamdas Pergament hervor und faltete es auseinander.LesenSie dies und betrachten Sie die Zeichnung!" sagte er.

Geben Sie her!" sprach derWirth.Was ist damit?"

Wollen Sie Ihrer Versprechungen eingedenk sein?"

zusprechen, und ich will auch sorgen, daß Sie bei derHeimreise nicht allzusehr denselben vermissen."

Ich nehme Ihr Anerbieten an", sagte Cieco, undtrotz der Fragen des Wirthes verschwieg er, auf welchewundersame Art er zu dem Pergament gekommen. DerUrahn, in dem Vorgewölbe zur Mumie geworden, fandseinen Platz auf dem Cimiterio Chiavenna's. Der Wein ein Velletri von seltenstem Alter und auserlesenerGüte wanderte nach und nach in den Hauskeller desAntonio Dario. Cieco und trank nach Herzenslustvier Wochen lang in dem behaglichen Albergo.

Als er schied, weinte Dario. Ob aus Schmerz,den Freund zu verlieren, oder aus Freude, den Schmauserlos zu werden, steht dahin. Sein Versprechen, demStudenten noch zur Weiterreise die Börse zu füllen, hielter. Auf dem Heimweg suchte Cieco durch weise Ab-stufungen, indem er vom Velletri in Bozen zum KältererSeewein, in Meran zum Terlaner, in Innsbruck zumSpezial und in Kufstein zum gewöhnlichen Tiroler über-