Ausgabe 
(14.7.1896) 58
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ging, seine Geschmacksnerven wieder für weniger kostbareGenüsse zu präpariren.

Cieco's Geschichte wurde von Jedermann geglaubt,seine Feinde ausgenommen. Von diesen sagten Einige,Cieco hätte sie vom Anfang bis zum Ende erdichtet;Andere, er wäre bckneipt gewesen, hätte sie geträumt, unddie Urkunde sei schon Abends zufällig beim Herabhebendes Bildes aus dem Rahmen desselben herausgefallen.Es besteht kein triftiger Grund, die wenigstens theilweiseWahrheit der Erzählung Cieco's , die Verfasser woitgetreuwiedergab, anzufechten, und dabei muß es sein Bewendenhaben.

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Zu unseren BildernErzherzog Glto.

Nach dem Tode des Kronprinzen Rudolf, des einzigenSohnes Kaiser Franz Joseph'S , ging nach der Tbronfolgeord-nung der österreichisch-ungarischen Monarchie die Anwartschaftauf die Thronfolge auf den ältesten Bruder des Kaisers, denErzherzog Karl Ludwig , über. Nach dem vor wenigen Wocheneingetretenen Tode des Erzherzogs Karl Ludwig gina der An-spruch auf die Thronfolge auf den Erzberzog Franz Ferdinandd'Este über, der, seit seiner Weltreise in seiner Gesundheit er-schüttert, zu seiner Herstellung großer Schonung bedaif undfür längere Zeit sich auf sein Schloß Kouopischt in Böhmen zurückgezogen hat. Der Tod des Erzhczogs Karl Ludwig machte die Ueberlragung der von diescnr mit größter Hingebungerfüllten RepräsentationSpflichten auf andere Schultern noth-wendig. Da der hierzu in erster Linie berufene ErzherzogFerdinand d'Este wegen seiner leidenden Gesundheit mit der-artigen Aufgaben nicht betraut werden konnte, so wurden die-selben und die damit verbundene Stellvertretung des Kaisersdem Erzherzog Otto übertragen, dem hierbei seine Gemahlin,Erzherzogin Maria Josepha, eine Tochter deS Prinzen Georgvon Sachsen , zur Seite lieht. Der bisherige beschränkte Hof-hält des erzherzoglichen Paars wird aufgelöst, an seine Stelletritt ein größerer Hofstaat. Das erzherzogliche Paar wird indem lauschigen Augartenpalais, dem Buenretiro Kaiser Joseph'SII. und deS nachmaligen Kaisers Maximilian von Mexico ,residiren und auf ausdrücklichen Wunsch des Kaiserseinen Hofhält in großem Stil führen. Der Hofwelt und denhöheren wiener Gesellschaftskreisen wird sich sonach im Au-gartenpalais eine neue Stätte geselligen Verkehrs erschließen.Erzherzog Otto Franz Joseph , am 21. April 1865 geboren,ist ein Sohn des verstorbenen Kaiserbruders Karl Ludwig ausdessen zweiter Ehe mit der 1871 verstorbenen Prinzessin MariaAnnunciata von Bourbon-Sicilien. Er genoß, wie seine Ge-schwister, unter den Augen seines Vaters, eine sorgfältige Er-ziehung. Im praktischen Truppendienst, dem er mit großerPflichttreue oblag, ist er, meist in kleinern Städten garniso-nirend, zum Oberst und Commandanten eines Husarenregi-ments emporgcrückt und wird demnächst als Generalmajoreine Brigade der wiener Garnison übernehmen. Seiner Ehemit der Prinzessin Maria Josepha von Sachsen , die schon zuwiederholten Malen bei Hoffeierlichkeiten an Stelle der ab-wesenden Kaiserin fungirte, entsprossen die Erzherzoge Karlund Max. Diese noch im jugendlichen Alter stehenden Prinzennehmen in der Thronfolge- und Hofrangordnung den Rangunmittelbar nach ihrem Vater ein.

Genesen.

Den ganzen langen Winter über hat die Arme, von einerbösartigen Krankheit heimgesucht, auf dem Leidenslager zu-gebracht. Der alte Spitalarzt hegte nur noch geringe Hoffnung,sie dem Leben zu erhalten, doch Dank der unermüdl chen selbst-losen Pflege der freundlichen Schwester ist m t dem erwachen-den Frühling allmälig wieder neues Leben über den siechenKörper gekommen, und seitdem der Lenz seinen Einzug gehaltenund die warmen Sonnenstrahlen die duftenden Rosenkelche ge-öffnet haben, kann sie an der Hand ihrer treuen Pflegern: schoneinige Stunden des Mittags in dem freundlichen Garten zu-bringen, dessen seliger Friede, dessen duftige Farbenpracht imVerein mit dem lustigen Gesänge der munteren Vögelein sowohlthuend auf Keilt und Körver der Genesenden wirken. VonTag zu Tag fühlt sie ihre Kraft erstarken, bad blühende Roth,

das ehedem auf ihren Wangen gethront, kehrt langsam wiederzurück, und in einigen Wochen schon wird sie sich dankbarenHerzens gegen Gott und die menschenfreundlichen Schwesternihrer Arbeit wieder unterziehen können.

Sankt Alban am Ammersee .

Am westlichen Ufer des Ammersee's, zwei Kilometer vomMarkte Diessen entfernt, spiegeln sich die etlichen Häuschen mitder alten Kirche und der Badeanstalt nebst GartenwirthschaftSt. Alban im Ammersee , eine wahre Perle deS Seetbales. Weitzurück in die Römerzeit reicht die Geschichte dieses lieblichenErdenfleckchens, denn noch jetzt finden sich binter den beidenFischerhäuschen die deutlichen Spuren eines Wallgrabens, derdas Wachthaus der Fähre nach Hersching umgab. Auf dernahen, westlichen Höbe zog die Römerstraße vorüber, und dasjetzige Oekonomiegut Romanthal da oben mag wohl dereinst dieVilla eines Tribunen gewesen sein. Um das Jahr 970 er-baute die fromme Gräfin Cunissa von Diessen und Andechs,eine geborene Gräfin von Oeningen, das Kirchlein zu Ehrendes heiligen Märtyrers Alban von Mainz , dessen Leich-nam ihr der Schwager, Bischof Aribo von Mainz, ein An-dechser Graf, geschenkt hatte. Im Jahre 1490 ward die Kircheso baufällig, daß sie der Propst Zallingcr au: den einmüthigenWunsch der Pfarrangehörigen, welke großes Vertrauen zu demwundertbätigen Heiligen hatten, erneuern ließ. Bei dieser Ge-legenheit wurden St. Albans Gebeine, welche unter PropstJacob im Jahre 1416 der Sicherheit wegen nach Andechs ge-bracht worden waren, wieder in die erneute Kirche überführt. Im18. Jahrhundert erfolgte noch ein Umbau, und da die Kircheim Jahre 1812 versteigert wurde, erwarb dieselbe der DiessenerBierbrauer Johann Mambofer für die Pfarrei. Am 2l. Junijeden Jahres wird das Patrocmium in St. Alban mit Amtund Predigt gefeiert, wobei viele auswärtige Wallfahrer er-scheinen. Ganz nahe bei der Kirche befindet sich die Badeanstaltmit Gastwirthschaft, welche seit der Uebernahme durch HerrnLauter wesentlich verbessert und verschönert wurde. Es istwirklich ein Genuß, von dem schattigen WirthSgarten aus, inwelchem übrigens auch für die leiblichen Bedürfnisse durch vor-zügliches frisches Bier und kalte Speisen bestens gesorgt ist.das schöne Landschaftsbild, den herrlichen See, die jenseitigenbewaldeten Höhen mit dem alten, ehrwürdigen Kloster undWallfahrtsorte Andechs, dann die im bläulichen Dufte sichzeigende Gebirgskette von der Benediktenwand bis zur Zugspitzezu schauen. Liebhaber erhalten in der Wirthschaft auch vorzüg-liche Milch und guten Kaffee, denn Herr Sauter hat selbst eineOekoncmie. Es war lange Zeit still an diesem Fleckchen, aberseit einem Jahre ist's lebhasr geworden, die Diessener, besondersgesellige Vereine, wandern oder fahren zu dem selbst musikal-ischen Besitzer des Gasthauses und amüsiren sich dort vortreff-lich. Vom WirthSgarten aus führt ein Steg zum Badehäuschenim See, welches mehrere Kabinen enthält. Versäume es nicht,lieber Wanderer, hier in der kühlen, herrlichen Fluth deinenLeib zu erfrischen, behauptet ja ein berühmter norddeutscherArzt, daß die Ammerseebäder den Nordseebädern an Wirkunggleichkommen. Bist Du ein Freund von Fischen, so werden zweiFischer Deine Sehnsucht stillen, und kommst Du im August,so wird Dir Herr oder Frau Fischer Rauch eine Delikatessedes Ammersee's, die geräucherten Schilche, vorsetzen. Sowohlin der Badewirthschaft, als bei den beiden Fischern und imSchusterhause sind eingerichtete Zimmer zu haben. Also auf nachSankt Alban, dieser Perle des Ammersee's I F. Sch...

Auflösung der Schachaufgabe iu Nr, 57:

Weiß.

L-ckwarz.

1. S. 68-V7 -j-

K. 68-67

2. T. 4.8-68

K. 6766

3. S. 07-66

§7-86:

4, D. 67671-

K. 66-65

5. S. V765

§6 65:

6. L. §3-64

§564:

7. L. 61§3

§4-63:

8. D. §7-§7 -j-

K. 65 - 66

9. K. 63-62

114-113

10. 62-63

65-114

11. 63-64

66-115

12. 64 - 65

117116

13. D. §7§6 f

14. 65-66 Matt.

K. 66 -117

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