Ausgabe 
(21.7.1896) 60
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kleinen Burschen, der auf dem Schemel kniet, scheint das Ge-bet etwas zu lang zu dauern, denn mit verlangendem Seiten-blick schielt er nach der großen Schüssel, aus welcher dieSpätzle"ihm gar lieblich entgegenduften.

Guer -urch Afrika .

Quer durch Afrika " sind sie gerissen,

Miesbeth und Maunzel, die Kätzchen klein,

Was sie dort trieben, das kann man wohl wissen,Ohne gerade ein Wißmann zu sein:

Geographieseuche" heißt das Leiden,

D'ran jetzt erkrankt ist die ganze Welt,

Und so hat es sich bei den beidenThierchen natürlich auch eingestellt.

Aber schon naht sich ein mächtiger Kater,

Wie er ja meistens zu kommen pflegt,

Wenn verflogen der Rausch I D'rum hat erHier sich bereits auf die Lauer gelegt.

Maunzel und MieSbeth, wie wtrd's euch ergehen,

Wenn ihr die ganze Karte zerfetzt;

Theuer kommt euch die Sache zu stehen,

Fremdes Gebiet habt ihr schnöbe verletzt I

Ja, wenn daskoloniale Fieber"

Gleichfalls jetzt schon die Thierwelt erfaßt,

Ist das nicht gräßlich? Na, Schwamm darüber IHabe ja bloß ein Bissel gespaßt.

Will mich gewiß an Niemandem reiben,

Doch die Bemerkung erscheint mir am Platz:

Kolonial-Politik zu treiben

Ist entschieden nicht für die Katz'I I

Eduard Jürgensen.- -SÄ8XB-S -

AiLexieL.

JapanischesZeitungsWesen. Wie überall, sogibt nach einer Darstellung der Papier-Zeitung auch inJapan der Stand der Presse ein treues Spiegelbild derEntwickelung deS Volkes. Während der über 250 Jahredauernden Herrschaft der Tokugama-Schogune war jedeöffentliche Meinungsäußerung verboten, und die Pressediente lediglich der schönen Literatur, die in Japan schonseit langer Zeit blüht. Auch nach der 1868er Umwälzungwurde es damit nicht viel anders; man hatte noch keinBedürfniß für öffentliche Besprechung der Tagesfragen,und die amtlichen Datjokuan Nischi, die die behördlichenVerordnungen enthielten, wurden fast ausnahmslos nurvon den dazu verpflichteten Beamten gelesen, ähnlich wiebet uns die Verordnungsblätter selten über den Kreis derVerwaltungsbehörden hinaus bekannt zu sein Pflegen. Be-sonders wichtige Ereignisse wurden indeß auch damalsschon von unternehmenden Druckern durch Extrablätterverbreitet, die besonders in der Hauptstadt gern gekauftwurden. Der deutsch -französische Krieg mit seinen inschneller Folge sich überstürzenden Neuigkeiten, sowie daszu jener Zeit überall in der Welt reger pulsirende Ver-kehrsleben dürfte den Anlaß gegeben haben, statt der un-regelmäßigen Extrablätter dem Volke regelmäßig erscheinendeZeitungen darzubieten, denn es entstanden 1871 in Tokio ein Wochenblatt und bald darauf sogar zwei Tagesblätter,die Mainischi Schimbun und die Nischi Nischi Schimbun.Der Inhalt beschränkte sich indessen lediglich auf dietrockene Wiedergabe von Ereignissen, da man jede derRegierung nicht wohlgesinnte Meinungsäußerung bestraftzu sehen gewohnt war. Auf die Europäer wurde indessendiese Behandlung nicht ausgedehnt und deßhalb wagte es1872 ein Engländer, I. E. Black in Jokohama , ein täg-liches Blatt großen Stils, die Nischtn Schinjischi, heraus-zugeben, das in unerschrockener Sprache die öffentlichen

Mißstände rügte. Die Folge war, daß nicht nur dieMißstände abgestellt wurden, sondern daß man auch derPresse größere Freiheit gewährte, indem man ihren Nutzenschätzen lernte. Hieraus schöpften denn auch einheimischeUnternehmer Muth, und es entstanden binnen zwei Jahrenin rascher Folge nicht weniger als 50 Zeitungen. Seit-dem ist deren Anzahl ganz bedeutend gewachsen, denn1893 wurden nicht weniger als 767 Blätter gezählt.Die Zahl der durch die japanifchePost beförderten Zeitungs-Nummern betrug 1887 18,248,305 Stück, 1891 schon49,081,972 Stück, was einer Steigerung von fast 90vom Hundert für das Jahr gleichkommt. Die Erscheinungs-weise der Blätter ist die bei uns übliche: während diehauptstädtischen Zeitungen täglich außer Festtags erscheinen,beschränken sich die Lokalblätter in kleineren Orten aufein- bis dreimaliges Erscheinen in der Woche. DaS bis-her in Japan fast unbelastete Buchdruckgewerbe siehtübrigens einer umfangreichen Besteuerung entgegen, dennnach einem in der Zweiten Kammer eingebrachten Gesetz-entwurf über die Besteuerung von Gewerbebetrieben istfür die Druckereien vom 1. Januar 1897 ab folgendejährliche Belastung vorgesehen: 1. ^gggg des Anlage-Kapitals; 2.4/zgg des jährlichen Miethspreises oder Mieths-werthes; 3. 1 Jen (4 M.) jährlich für jeden Betriebs-Beamten, und 4. 30 Sen ( 1 M. 20 Pf.) für jeden be-schäftigten Arbeiter. Um neue Betriebe nicht zu belasten,ist vorgesehen, daß diese Besteuerung erst vom viertenBetriebsjahre ab in Kraft treten soll.

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Höchste Seltenheit. Erklärer fim Raritäten-Cabinetj:Hier sehen Sie, meine Herrschaften, zweiSteine aus Transvaal." Herr:Was ist denn daranso Merkwürdiges?" Erklärer:Na, Sie wissen doch,daß dort die ganze Erde voller Gold steckt." Herr:Ach so, das sind goldhaltige Steine." Erklärer:ImGegentheil, es sind die einzigen beiden Steine ausTransvaal, in denen nicht eine Spur von Goldvorhanden istl"

--SS88-S

Schachaufgabe.

Schwarz.

Weiß.

Weiß zieht an und setzt mit dem 2. Zuge matt.

--KZAIK--

MM