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leiden viele Jahre hindurch und führen ein wahres Mär-tyrerleben, sie fügen sich in ein Dasein furchtbarer Ent-sagungen, um einen fernen Ersatz von wenigen Quadrat-metern selbstgekaufter neuer Erde zu finden, die ihnennicht dazu dienen wird, ihr Loos günstiger und erträg-licher zu gestalten, die aber ihre Hoffnung aus eineweitere Ausdehnung ihrer Felder erhöhen wird.
Wir haben es hier fast mit einem ökonomischenMysticismus zu thun, mit einer übersinnlichen Leideuschaftdes Länderbesitzes, welchem der polnische Bauer Allesopfert, sowie der Asket auf alle Freuden des Lebens ver-zichtet, um das Paradies zu erlangen. Das, was derpolnische Bauer zu erreichen trachtet, ist blutwenig; aberdie Willenskraft, die er dazu anwendet, um sein Ziel zuerreichen, ist so groß, daß sein Sieg über den einstigenHerrn in Wirklichkeit als einer der größten Triumphedes menschlichen Willes betrachtet werden kann.
Die Verschiedenheit der menschlichen Schicksale ist,wie man sieht, heute nicht geringer als zu den Zeiten,da Horaz sie zum Gegenstände seiner schönen Dichtungenmachte. Der Schwärm der befreiten Leibeigenen desAlterthums vertreibt aus den väterlichen Ländern dieehemaligen Herren, die genöthigt sind, ihre Lebensweisezu ändern und neue Arbeit und neue Erwerbsquellen zusuchen. Die herrschaftlichen Landhäuser des alten Polen -landes verfallen; die reichsten unter ihnen verlieren ihrenGlanz von ehemals, nachdem die Armuth in ihnen Ein-zug gehalten; viele sind geschlossen oder fallen in dieHände der wohlhabenden Wucherer. Der Lärm deslustigen und sorgenlosen Lebens, der so lange Zeit hin-durch in ihren Mauern wiederhallte, verklingt nach undnach und macht einem traurigen Schweigen Platz.
Inzwischen wächst in den Städten das Bürgcrthum,das zum Theile aus Fremden, zum Theile aus polnischenEdelleuten besteht, welche die Bedürfnisse des LebensHandel treiben gelehrt haben. Die russische Regierungsteht dieser Umwandlung wohlgefällig zu, denn die Herr-schaftshäuser der polnischen Landedelleute waren stets dieCitadellen des Nationalgefühls, die Mittelpunkte, vonwelchen aus sich die Ausstände über das ganze Landverbreiteten und gleich Waldbränden rasch um sich griffen.Denn die Landedelleute waren stets die Anführer deraufständischen Heere, die in der Oppositions-Politik jenenAusfluß des angeborenen Thätigkeitsbedürfniffes fanden,das ihr müßiges Leben ihnen nicht anderswo zu findengestattete.
Mögen sie Alle zu Kaufleuten werden, denkt dierussische Regierung; so werden sie vorziehen, Geld zu er-werben, statt sich dem gefährlichen Svort der Revolutionzu widmen! ^
Allerlei.
,, * Vor einiger Zeit erschien in mehreren Blätternein Artikel, wonach die beständige Beschäftigung mit demSchachspiele nachtheilig auf Körper und Geist einwirkensoll. Hiezu wird uns geschrieben: Wir theilen Ihnen hierfolgende Zusammenstellung der Lebensdauer der berühm-testen bereits verstorbenen Schachmeister mit, wobei wirausdrücklich bemerken, daß wir nicht etwa für unserenZweck nicht passende Daten absichtlich weggelassen haben.ES erreichten ein Alter: Andersten Adolf von 61 Jahren,St. d'Amant 72, Cochrane 80, Deschappelles 67, Du-fresne Jean 64, Evans 82, Kolisch Jgnaz 52, Lewis 83,Köwenthal 66, Mackenzie 54, Morphy 47, Pausten Louis
59, Philidor 69, Staunton 64, Zukertort 46; so daßsich die durchschnittliche Lebensdauer derselben auf (966:15)64 Jahre 5 Monate beläuft. Außerdem stehen noch fol-gende derzeit noch lebende berühmte Schachmeister ineinem Alter: Bird von 65 Jahren, Blackburne 54, Lange64, v. d. Lasa 78, de Riviöre 66, Rosenthal 59, Steinitz
60, Winawer 58. Aus dieser kurzen Zusammenstellungdürfte sich mit Sicherheit die Schlußfolgerung ziehen lassen,daß von einem Körper und Geist schädigenden Einflußdes Schachspieles, selbst bei ausschließlicher Beschäftigungmit demselben, wohl nicht die Rede sein kann.
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N ormal-Festbericht, den modernen Festen aufden Leib geschnitten:
Welch ein Wetter — blauer Himmel,
Voll Erwartung — Groß' Gewimmel,
Lange Züge — Aus dem WagenMenschenmassen — Rennen, Jagen.
Festcomits — Auf dem PlatzeSchöne Herren — Schnurrbart, Glatze.
Bravo! Hurrah! — Hoch willkommen!
Stolze Heimath — Nutz und Frommen >
Zug zur Hütte — BlumenregenAlle Herzen — Warm entgegen.
Auf zur Arbeit — Strammes SchaffenHändeklatschen — Großes Gaffen.
PreiSvertheilung — Festjungsrauen.
Lorbeerkränze — Kaum getrauen.
Jubclstimmung — Gratuliren,
Becherkreisen — Depeschiren.
Große Reden — Freunde, BrüderFest umarmen — Kommet wieder.
Feuerwerke — Ehrenweine,
Später Aufbruch — Schwanke Beine.
Arger Kater — Bald genesen,
Abschiedsküsse — Schön gewesen.
Blätter melden — Vcm Profite?
O bewahre — Deficite.
Aimmelsscha» im Monat August.
—X Merkur, Venus und Jupiter sind nichtsichtbar.
Mars F nimmt etwas an Helligkeit zu, geht an-fangs um 11 U., zuletzt um 9 U. 45 M. abdS. auf.Am 4. geht Mars gegen 11 U. unter der Mondsichel auf.
- Saturn tz läuft in der Waage vorwärts, stehtabds. am südwestlichen Himmel und geht zuletzt um 9 U.30 M. unter. Am 14. steht er in der Nähe des Mondes.
Vom 10.—13. findet ein Sternschnuppenfall ausdem Radianten im PerseuS statt. Die Sternschnuppensind indessen vereinzelt 14 Tage vor- und nachher zusehen, und der Radiant verschiebt sich parallel der Erdbahn.
In den Morgenstunden des 9. August findet betuns eine partielle Sonnenfinsterniß statt; der Anfangder Finsterniß ist jedoch nicht sichtbar, da die größteFinsterniß 4 U. 33 M. früh eintritt, das Ende 6 U.23 M. und an diesem Tage die Sonne 6 U. 2 M. auf-geht. Die Zone der Totalität erstreckt sich von Norwegen über Sibirien nach Japan . "
Am 23. findet eine partielle Mondsfinsterniß statt,die in Amerika, an den Küsten von Westeuropa undWestafrika sichtbar ist. Sie beginnt 6 U. 24 M. mgs.und hat eine Größe von 0,738 in Theilen des Mond-durchmessers, ist aber in unserer Gegend nicht sichtbar,da der Mond an diesem Tage bereits 5U. 14 M. frühuntergeht.