Die Bayerische Landesausstellung zu Nürnberg .
Mit Illustrationen.)
Die Sehenswürdigkeiten von Nürnberg sind in diesemJahre um eine vorübergehende vermehrt worden, wirmeinen die Bayerische Landes-Jndustrie-, Gewerbe- undKunstausstellung, die sich eines außerordentlich regen Be-suches zu erfreuen hat und diesen in der That verdient.Mag uns der Leser auf einem kurzen Gang durch dieAusstellung folgen. Schon die Eingänge machen einenfreundlichen Eindruck; die weißen Portale heben sich präch-tig von dem dunkelgrünen Hintergrund ab, den derstädtische Hauptpark bildet. Diesen Park durchschreitenwir zuerst auf schattigen, von hundertjährigen Kastanien-und Ltndenbäumen eingesäumten Wegen. Wir kommenauch am Rosengarten vorbei, der von mächtigen Bäumenund üppigem Strauchwerk umrahmt ist; er steht in vollerBlüthe, unbeschreiblicher Duft entströmt den ungezähltenTausenden von Rosen, die in zartestem Weiß und CrSme,im duftigsten Rosa bis zum feurigsten und dunkelstenNoth schimmern.
Hier und dort taucht zwischen den Bäumen eineanscheinend aus zierlichem Gitterwerk gebildete Kuppelvor unsern Augen auf. Schließlich gelangen wir in eineStatuenallee; wir befinden uns dem Jndustriegebäudegegenüber. Der erste Blick fällt über eine lustig spru-delnde Fontäne und sorgfältig gepflegte, geschmackvollegärtnerische Anlagen hinweg auf oas monumentale Ein-gangsportal, das von einem luftigen Thurm und einerdurchbrochenen Kuppel gekrönt wird.
Hier ist eine reizende Farbenzusammenstellung be-merkbar. DaS Portal und der Thurm sind, wie alleandern Bauten, weiß gehalten, nur bet Ersterem kametwas Gold für Inschriften, Wappen und Medaillonszur Verwendung; die Farbe des Gitterwerks der Kuppelist golden und mattgrün. Ueberlebensgroße allegorischeGruppen, von hervorragenden Künstlern modellirt, zierendas Portal. Nachdem wir es durchschritten haben, ge-langen wir in eine etwa 24 Mtr. breite und 150 Mtr.lange Wandelhalle, deren Inhalt aus einigen Obelisken,einer Fontäne, grünem Gesträuch, Blumen, Rasengärtchenund Bänken besteht.
Links und rechts von diesem Wandelgang zweigendie Hallen ab, die den acht Kreisen des Königreichs zurAusstellung der Producte ihrer Industrien und desBodens eingeräumt sind. Die Haupteingänge zu deneinzelnen Kreisabtheilungen sind künstlerisch ausgeführtePortale; bet verschiedenen derselben gelangte die Haupt-eigenart des zugehörigen Kreises symbolisch zur Dar-stellung.
Die territoriale Eintheilung, an Stelle der gruppen-weise«, hat ohne Zweifel einen verstärkten Wettbewerbzwischen den einzelnen Kreisen und eine reichere Be-schickung der Ausstellung zur Folge gehabt, da der kleinereGewerbetreibende nicht zu fürchten brauchte, von derMasse der größer« Concurrenten erdrückt zu werden.
Die Fayade des Hauptgebäudes bilden, wie wirin der Abbildung sehen, Säulengalerien, die sich zu bei-den Seiten des Portals hinziehen und an den Flügelnvorbiegen; gekuppelte Pylonen schließen sie ab. DieFortsetzung des rechten Flügels führt uns zum Gebäudeder staatlichen Anstalten, des Unterrichts und Verkehrs.Parallel zu diesem Bau liegt die Maschinenhalle. Diereichhaltigen Collectionen auf allen Industriegebieten legen
ein glänzendes Zeugniß von der Leistungsfähigkeit undKunstfertigkeit des Bayernlandes ab.
(Schluß folgt.)
--««Lies—-
Allerlei.
Neue Erfindung, v. Stumpfwitz: „Haben Sieschon von der neuesten elektrischen Erfindung gehört?Man kann jetzt telegraphiren ohne Leitungsdraht I"v. Pumpwitz: „Alte Geschichte I Immer, wenn ich keinenDraht habe, telegraphire ich an meinen Vater I"
Zerstreut. Dienstmädchen: „Herr Professor, soebenist ein Stammhalter angekommen." — Professor: „Schön!Man gebe dem Dien st mann ein gutes Trinkgeld!"
--ss-sr-es--
Wie die Men jungen, so zwitschern die Jungen.
„He, Werner!" rief des Schloßhcrrn KindMit reiner, frischer Mädchenstimme;
„Sei wieder lieb, komm' her geschwind" —
Wie lachte schelmisch da der Schlimme!
Und von der Stirne blüthenweißStrich Werner sich die Locken eilig;
„Nicht beugt mich", sprach er, „sremd' Geheiß,
Nur eig'nen Willen acht' ich heilig.
Gehorsam ist des Weibes Pflicht,
Dem freien Manne ziemt er nicht!"
Schön Hildchen war mit Recht empört;
„Ei!" rief sie, „solchen Trotz zu wagen!
Nein, dieses Wort ist unerhört —
Wer wollte da von Bildung sagen?
Ist dies der Fortschritt uni'rer Zeit,
Daß Männerstolz sich maßlos brüstet,
DeS WeibeS Würde steck entweihtUnd gegen Pflicht und Brauch sich rüstet?
Verachtung sei hinfort Dein Lohn!"-
Sie wandte sich und ging davon.
Maximilian Dnrsch.-. 4 v -, ->-
Schachaufgabe.
Schwarz.
^ 8 0 v 8 ? U
Weiß.
Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt
Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 60:Weiß. Schwarz.
1. K. 84—04 beliebig.
2. D. oder K. durch Abzugsschach Matt.
--SWZS--