Ausgabe 
(31.7.1896) 63
Seite
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ES war der größte Saal des HauseS; fie begabensich dahin, die Amme folgte mit dem Kinde. Lady Cha-terons Schönheit und Sanftmuth hatten bereits derDienerschaft Herzen gewonnen.

Sie wird eine gütige Herrin sein", dachte Mrs.Marsh, «wenn fie je Gebieterin wird im eigenen Hause."

Der Salon war glänzend erleuchtet, und im volle»Lichtglanz empfing Jnez Chateron die Ankommenden.Sie sah bezaubernd aus in dem goldigen Seidenkleide, ge-schmückt mit funkelnden Brillanten. So sah Sir Victorfie wieder und hob wie geblendet die Hand zum Auge.Dann führte er seine Gemahlin vor.

«Cousine, das ist meine Frau Meta."

In den einfachen Worten lag ein gewisser Pathos.Znez verbeugte sich wie eine Fürstin.

Meta ist ein hübscher Name", lächelte sie,undDeine Frau ist gleichfalls hübsch, ich gratulire Dir obDeines Geschmackes, Victor."

In der jungen Dame ganzem Wesen lag unerträg-licher Hohn.

Meta bot ihr die Hand, sie nahm nicht die geringsteNotiz davon.

Ei, da ist das Kind, das muß ich sehen."

Sie lüftete den Schleier und betrachtete den Säugling.

«Der Erbe von Chateron Noyals ist ein netterdicker Junge; wem gleicht er? Dir nicht, Victor. Ister vielleicht schon getauft? Zweifelsohne gibst Du ihm«ach alter Ahnensitte der Mutter Familiennamen. DeineMutter war eine Marquise St. AlbanS und Du heißestVictor St. AlbanS Chateron. Laß den guten Brauchnicht abkommen und nenne das Kind Victor DobbChateron."

Das Blut schoß dem Baron ins Gesicht, aber erschwieg. Zu seinem Staunen wandte sich Meta mitblitzenden Augen an die Cousine.

«Und wenn er so hieße, was dann? ES ist einehrlicher Name, dessen sich Niemand zu schämen braucht.Meines Mannes Mutter mag die Tochter einer Marquisgewesen sein, ich bin die Tochter eines Handwerkers, undder Name, der mir genug war, wird eS auch für meinenSohn sein. Ich muß erst lernen, daß im ehrlichenHandel Schmach liege."

Zweifelsohne, Sie werden gewiß noch Vieles zukernen haben. Sage übrigens Deiner Frau, daß eS an-gezeigt wäre, ihre Stimme nicht so hoch zu erheben.Das arme Kind kann freilich nichts dafür, eS ist nurFolge ihres Standes, ihrer Erziehung. In einer Stundeläutet die Tischglocke, bis dahin gehabt Euch wohl."

Das war Meta's Willkomm.

Zwei Stunden später schritt ein junger Mann raschdie Allee entlang, die nach Chateron Royals führt. Eswar finstere Nacht, er aber kehrte sich weder daran, nochan die ihn umgebende Oede und schritt pfeifend dahin.

Düster zeichnete sich das Schloß am Horizont ab.

«Vor vier Jahren", sprach er finster,warfst DuMich wie einen Hund vor die Thüre, edler Baron,schwurst mich ins Zuchthaus zu bringen, wenn ich jewiederkäme, und ich gelobte, Dir's bei Gelegenheit zuvergelten. Die Gelegenheit ist da, Dank der kleinenMeta, die jetzt Herrin ist. Sie ist hoch hinaufgekommen,des Seifensieders Tochter, will sehen, wie der stolze,eifersüchtige Mann mich aufnimmt."

Er ließ den Thürklopfer erdröhnen; ein würdigerGreis in schwarzem Rock und seidenen Strümpfen öffnete.

Junker Jüan!" schrie er auf, als der Fremde ausdem Schatten trat.

«Wie geht's, altes Haus?" lachte dieser und schütteltederb des Hausmeisters Hand,hast Du kein Wort desWillkommens, alter Schwede, Freund meiner Kindheit?Bist Du betäubt vom Anblicke des verlorenen Sohnes?Ist die Herrschaft oben im Speisesaal?"

Ja", stammelte der alte Hooper entsetzt,

«Gut, ermüde Deine alten Beine nicht, ich kenneden Weg."

Er eilte die Treppe hinan und betrat einen Augen-blick später den Speisesaal, wo alle Anwesenden bei seinemAnblick erschrocken aufsprangen. Er nahm eine theatra-lische Stellung ein.

Scene: Speisesaal des berüchtigten Don Juan»tremulirende Musik, herabgeschraubte Lampen und hereintritt des tugendhaften Don Pedro Statue", lachte er.«Ihr erwartet mich wohl nicht? Nicht wahr, eine an-genehme Ueberraschung? Baron , Ihr Diener. Bedaurezu stören, aber man sagte mir, meine Frau sei hier,und so kam ich natürlich. Wer hätte gedacht, daß ichDich treffen würde als geehrten Gast? Küste mich doch,Meta, und sag', daß Du Dich freust, Deinen liebenMann wieder zu haben."

Er schritt auf sie zu, ehe Jemand Worte, fand undbeugte sich zu ihr, als sie stöhnend das Haupt sinken ließund bewußtlos zurückfiel.

(Fortsetzung folgt.)

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Prokopins Divisch.

Zu seinem 200jLhrigen Geburtstag (1. August 1696) VSNA.G.

Ein Beitrag zur Geschichte des Blitzableiters.

(Nach der Geschichte deö Blitzableiters von Dr. Hch. Meidlnger.j

* Manche haben Prokop Divisch (auch Diwisch ge-schrieben) als den Erfinder des Blitzableiters bezeichnet,als denjenigen, der überhaupt den ersten Blitzableiter er-richtet habe; dem aber ist nicht so, denn man darfBenjamin Franklin nicht vergessen. Divisch hat nach bestemWissen neue Entdeckungen auf diesem Gebiete gemachtund praktisch verwendet; Dank hiefür hat er zu seinerZeit schon blutwenig geerntet, und nahezu vergessen undverschollen wäre er, wenn nicht gerade besonders inunserem Jahrhundert sein Andenken aufgefrischt wordenwäre. Er war Kanonikus in Brenditz in Mähren undlebte von 1696 bis 1765. Ein großer Kenner der Elek-trizität, hatte er sich schon frühzeitig mit Experimentenbeschäftigt und um das Jahr 1750 in Wien großes Auf-sehen erregt mit seinen Kenntnissen auf dem Gebiete derElektrizität, und damals schon hatte er die Wirkungender Spitzen studirt. Der Tod NichmannS im Jahre 1753gab ihm Gelegenheit zu einem Schreiben an die PrägerZeitung, in dem er auseinandersetzte, in welcher Weiseder Versuch ohne Lebensgefahr für den Beobachter hätteangestellt werden sollen; auch kam er hiednrch auf denGedanken, durch eine ganz eigenthümliche, von ihm alsmeteorologische oder Wettermaschine bezeichnete Vorrichtungdie Gewitter zu zerstreuen und unschädlich zu machen.Er stellte die Maschine im Jahre 1754 in der Näheseines Pfarrhauses auf einem Gerüst in der Höhe von130 Fuß auf; dieselbe bestand aus einer eisernen Stangemit horizontalem Kreuz, von dessen Enden vierhundertDrahtspitzeu senkrecht in die Höhe ragten, die Eisentzange