Ausgabe 
(31.7.1896) 63
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wär mit betn Boden durch drei Ketten verbunden. Leiderhat der Erfinder über diese Maschine nichts veröffentlicht,fie stand sechs Jahre, als die Bauern sie zertrümmerten,weil sie im Aberglauben wähnten, dieselbe sei an derTrockenheit schuldig, welche damals herrschte. Die Oberengestatteten dem Erfinder eine Neuherstellung nicht, undfie wurde auch an einem anderen Orte nicht mehr er»stellt. In den Tagesblättern kamen Artikel für undgegen die Maschine, die nähere Einrichtung blieb auch inFachkreisen im Großen und Ganzen ein Geheimniß. Alsder Erfinder mit Tod abging, wurde eine von ihm ver-faßte mystische Schrift von Oetinger, württembergischemSuperintendenten, herausgegeben; es findet sich darinaber bloß der Hinweis auf die Wettermaschine. PfarrerFricker führte in einer weiteren Schrift aus, Divisch habesein Gerüst derart gemacht, daß die elektrische Kraft deSGewitters in der Höhe ohne Schläge durch bloße Ex-halation zertheilt und ausgelöscht wurde. Petzel hat ineinem seiner Werke die komplizirte Herstellung des Spitzen-kreuzeS beschrieben und Berichte über die Wirkung derWettermaschine bei herannahendem Gewitter beigefügt, wiesie nach den Aufzeichnungen Divisch's von den Blätternveröffentlicht wurden.

An Professor Euler in Berlin hatte der Erfinder derWettermaschine Mittheilungen über dieselbe und übe^ ihreErfolge während eines Sommers, alle Gewitter fern zuhalten, gemacht. Auch Zeitgenossen von Divisch machtendiese Mittheilungen an Euler, der es nicht für unmög-lich hielt,Wolken ihrer elektrischen Kraft zu beraubenund den Donnerschlägen zuvorzukommen". Professor Tetensin Kiel ist mit seinem Urtheil über die Erfindung Divisch'sgleich fertig; er fällt nämlich folgendes wohl ziemlichschnelles vernichtendes Urtheil:Schon die erste Schriftvon Divisch , die mir zu Handen kam, ließ es nicht zweifel-haft, daß dieser Prokopius ein Phantast gewesen sei undin der Elektrizität ungefähr das, was Theophrastus Para-celsus in der Medizin war. Ich gestehe also, daß ichjetzt eben so stark an der Wahrheit der von ihm ange-führten Erzählungen zweifle, als an der Nichtigkeit derErzählungen von des Paracelsus Wunderkuren und Gold-pulver." Auch Professor Groß in Stuttgart glaubt nichtan die Wirksamkeit der Erfindung von Divisch , wohl aberGcheimrath Lichtenberg in Gotha .

Divisch legte seine Erfindung dem Kaiser Franz vormit dem Vorschlag, mehrere Wettermaschinen zu fertigenund an verschiedenen Orten aufzustellen, die Wiener Mathe-matiker aber standen der Angelegenheit sehr skeptisch ent-gegen, und die Sache zerschlug sich. Daraus aber, daßder Erfinder es wagte, sogar seinem eigenen Landesherr«seine Erfindung vorzulegen, dürfte doch geschlossen werden,daß er von den Wirkungen derselben überzeugt war,sonst wäre dieses Vorgehen doch etwas zu kühn gewesen,für einen Geistlichen möchten wir sagen gewissenlos. Wenndarum auch Meidinger den Stab über Divisch bricht, sokönnte man fast denken, daß besonders die deutschen Ge-lehrten deßhalb nichts Gutes an Divisch und seinen Ex-perimenten lassen, eben weil er ein Geistlicher war, dennvon diesen soll ja bekanntlich nicht erst von gestern annichts Gutes kommen. Letzterer sagt u. A.:Mit Rechtwurde von den Mathematikern WienS die Förderung desProjektes zurückgewiesen, dasselbe war fast werthlos (fast!).Die Anlage war zu kostspielig, die vielen überflüssigenSpitzen konnten ihren Zweck nicht erfüllen. Dabei warendie drei Ketten überflüssig, eine hätte genügt; die Boden-

leitung war mangelhaft, da die Ketten bloß bis zu demBoden herabhingen; der Schutzkreis war zu weit ange-wiesen. Divisch ist nur Dilettant, bei seiner Maschinefehlte es an allem, das Prinzip war irrig, die Ausführ-ung war ungenügend, die Sache selbst verdient nicht dieBeachtung." Dieses Urtheil ist hart und, soferne manbedenkt, daß Divisch die Geheimnisse seiner Erfindungmit in'S Grab genommen, wohl zu hart. Wenn vo«gleichen Experten gesagt wird, daß, wenn Divisch vonder Brauchbarkeit seiner Maschine überzeugt gewesen wäre,er doch eine Beschreibung derselben veröffentlicht hätte,so ist das schnell gesagt und niedergeschrieben; es gabschon große Männer, welche trotz der Brauchbarkeit ihrerErfindungen nichts veröffentlicht haben. Sodann stehtfest, daß die Opposition gegen Divisch's Erfindung zuseinen Lebzeiten nicht von Naturforschern ausging, son-dern nur allein vom abergläubischen Volk, und weitersteht fest, daß Divisch von den Fachmännern auch Lob,mitunter großes Lob, erntete; wie ihn z. B. FließdenFranklin Europa's" nennt. Verdienste sind ihm sichernicht abzusprechen auf dem Gebiete der Blitzableiter, diesdürfte für den unparteiischen Betrachter und Forschersicher fein.

Endlich sei noch erwähnt, daß Divisch mit seinenAnschauungen, daß es möglich sei, die Gewiiterbildunglokal zu verhüten, nicht allein in der Geschichte dasteht.Verschiedene Männer kamen auf den gleichen Gedanken,zumeist in Verbindung mit dem weiteren, die Hagelbildungzugleich zu unterdrücken, wie z. B. Ausgang des letztenJahrhunderts Böckmann, Fischer, Bertholon und anders.

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Die Parfumeriefabrikation m Grasse .

Von Dr. Gustav Zacher-Hainburg .

(Schluß.)

Welch ungeheure Mengen Pflanzen angebaut werdenmüssen, um die zur Darstellung der im Handel ver-langten Parfumpomaden erforderlichen Blumen- undBlüthenquantitäten zu erhalten, kann man sich ungefährvorstellen, wenn man vernimmt, daß 1000 KilogrammJasminblüthen 30,000 Pflanzen auf 1500 QuadratmeterBoden und 1000 Kilogramm Nosenblüthcn 5000 Rosen-sträucher erfordern, die 1800 Quadratmeter Gartenlandfür sich beanspruchen, und daß demnach nach der amt-lichen Statistik um Grasse und Nizza etwa folgendeQuantitäten Blumen jährlich geerntet werden:

Grasse Nizza

Orangenblüthen 2,000,000 Kilogv. 1,800,000 Kilogr.

1 , 000,000 , -

NosenVeilchenJasminTuberosenCassien

Jonquillen_

3,495,000 Kilogr.dazu AkazienblüthenReseda

150,000

200,000

80,000

50,000

15,000

1 , 200,000

200,000

180,000

60,000

30,000

20,000

3,510,000 Kilogr.

Die Anpflanzung der Blumen geschieht auf großen,mächtigen Nückenbeeten, die in gewissen Abständen be-hufs des Angießens der Pflanzen mit schmalen Quer-gängen versehen sind und sonst durchaus nichts Eigen»