Ausgabe 
(31.7.1896) 63
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484
 
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auch övüeura^v genannt. In einer großen Fabrik er-fordert diese Art der Darstellung des Jasminparfumsund anderer in dieser Hinsicht verwandter Blumen3040,000 massive quadratische Holzrahmen, derenjeder eine starke Glasscheibe von etwa 30 gm umschließt.Jede dieser Scheiben wird mit einer dünnen Schicht kal-ten Fettes bestrichen, die Fettschicht wird mit einer grobenhölzernen Gabel gefurcht, um so möglichst viel Oberflächezu bieten, und dann wird ein gewisses Quantum Blumendarauf gelegt, welche an dem Fette festkleben bleiben.Diese Nahmen werden nun, mit der Fettseite nach unten,im kühlen Keller aufbewahrt bis zum nächsten Morgen,wo dann. die erste Lage Blumen einer neuen Platz macht.Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis jederNahmen seine durch Versuche bestimmte Menge Blumenausgesogen hat. Dann erst wird das nunmehr parfumirteFett abgekratzt, unter mäßiger Wärme im kmiu marlsgeschmolzen und im Lagergewölbe aufbewahrt.

Um nun endlich den Aussud oder das unter demNamenRiechwasser" bekannte Product herzustellen, be-darf es einer weiteren Manipulation, welche darin be-steht, daß das parfumirte Fett in 99" Alkoholgewaschen"und so seines gesammten Parfums beraubt wird. Wiedie Blume der Natur, so hat das Fett dem Menschenals Träger des Duftes dienen müssen; die Blumewandert in die Düngergrube, das Fett nach dem letzt-geschilderten Verfahren in die Seifenfabrik, nur dasParfum, die Seele der Blume, bleibt zurück, um Tausendeund Abertausende in fernen und fernsten Ländern mitseinem Dufte zu ergötzen.

Selbstverständlich kommt zur Verfeinerung undErweiterung der Tonleiter der Gerüche noch eine großeAnzahl ätherischer Oele zur Verwendung, mit derenHilfe der Fabrikant-Parfumenr unter allen erdenklichenexotisch klingenden Titeln neue Gerüche combiniren kann;aber es dürsten doch nur äußerst wenige Niechwasserexistiren, denen nicht der eine oder andere jener natür-lichen Blumengerüche zu Grunde gelegt wäre.

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AKLesLsr.

Eine großartige elektrodynamische Kraftanlage wirdjetzt zur Licht- und Triebkraft-Erzeugung zu Lyon ge-plant, die jener der Niagarakraftanlage wenig nachstehenwird. Durch Ausnutzung der RHSne-Gefälle denkt mannach einer Mittheilung des Internationalen Patent-BureauS Carl Fr. Reichelt, Berlin 6, mittelstzwanzig Turbinen gegen 20,000 Pferdestärken nutzbarzu machen (die Niagara Power Company arbeitet zur Zeitmit 15,000 Pferdestärken), welche Kraft in Elektricitätumgesetzt durch fünf Hauptleitungen den zahlreichen in-dustriellen Etablissements, Privathäufern und der öffent-lichen Beleuchtung zugängtg gemacht werden soll. Diemit der Ausarbeitung des Voranschlages betrauten In-genieure behaupten, daß auf diese Weise die BetrtebS-krast um 40 Procent billiger wie durch die besten Dampf-Maschinen erhalten werden könnte.

Boshaft. Wirth: VHier, Herr Amtsrichter, gebeich Ihnen zum Abschiede noch eine Nasche Wein zumBesten!" Amtsrichter:Aber, lieber Herr Mahlmann,machen Sie mir den Abschied doch nicht so sauer!"

Einsame Wächte.

Die Schatten werden länger schon,

Es steigt die Nacht auf ihren Thron,Sie breitet still die Hände aus:

Da lieget dunkel Dorf und HauS,

Sie löschet, waS vom Tag noch glüht,Sie wieget ein, WaS singt und blüht.Bis alle Kreaturen schlafenUnd müde von des Tages StreitIn uächt'ger, kühler EinsamkeitAusruhen wie das Schiff im Hafen.

O scgenSmächtige Einsamkeit!

Wie wird in dir das Herz so weit!

Von ferne her auf gold'ner BahnDie Geister der Erinnerung nah'n.

Die Geister aus der Kinderwelt,

Hell funkelnd wie das Sternenzelt,

Die aus des Lebens Maientag,

Aufjauchzend wie der Lerchenschlag.

Und wem der Tod ein Liebstes nahm,

Den überkommt's jetzt wundersam,

Wir schauen in der stillen ZeitDie Lieben aus der Ewigkeit,

Wie sie im wallenden GewandHinschrciten durch ein grünes Land,

Daß oftmals Sehnsucht uns durchglüht^

Die uns von hier zum Vater zieht,

Zum Vater oben, den im RundUmstehet ein verklärter Bund.

Zur Gottheit treten wir hinan,

Bekennen still, was wir gethan,

Und rufen zitternd nach Erbarmen,

Da säuselt es wie FricdenSweh'n,

Da ist eS, als ob Engel geh'n,

Wir finden Gott und ruh'n in seinen Artuen.

Du fandest Gott , Du fandest Dich,

Dein echtes Wesen, wahrstes Ich.

In solch' einsamer TräumereiHast Du auch Deine Stunde frei,

In Thränen löset sich das Leid,

Zur Freundin wird die Einsamkeit,

An deren Brust die Seele klagt,

In deren Ohr sie alles sagt;

Ja, nur die schweigend stille NachtThut kund des Schmerzes heilige Macht,Wir beugen uns in Gottes Zucht,

Die unö zum Frieden heimgesucht.

Und wie den Aar der stolze FlugHinwegträgt über Karst und Pflug,

So tragen uns des Geistes FlügelDann aus der kalten NüchternheitHin über Noth und Drang und ZeitNach Edens magisch Hellem Hügel.

D'rum komme Du, o ernste Nacht,

Wenn uns die Sonne nicht gelacht,

Noch hangt die Scholle zwar am Fuß,

Noch drückt den Geist das Soll und Muß;

Komm', Stunde, die schon oft im FlugMich über daö Gemeine trug!

Komm', Einsamkeit! du bist der Bronnen,

Draus holen wir uns Kraft und Licht

Für unseres Tages Amt und Pflicht

Und für das Herz, wenn ihm sein Glück zerronnen.

Adolph Müller .'

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Auflösung der Schach-Aufgabe in Nr. 62:

Weiß. Schwarz.

1. S. L7b'S K. 65-V5 (L.)

2. D. L8-V4: K. V5-66 (L6)od. ander»

S. S.-L7 (D- L4-L4 oder 64) Matt.

L.

1.l. . . . K. 65-66

2. wie oben beliebig.

3. D. L4-64 (S. §5-L7) Matt.

Andere Varianten leicht.