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Namen fälschten, warf ich Sie hinaus und ließ Siegehen. Die gefälschten Wechsel aber habe ich noch. Be-treten Sie nur noch einmal mein Haus und wiederholendie Lüge, dann beim Himmel, sollen Sie im Zuchthausezu Grunde gehen. Ich schonte Sie damals, IhrerSchwester und des Namens halber, den Sie tragen undschänden; sobald Sie aber wieder mein Weib verleumden,bringe ich Sie an Ketten und wären Sie mein Bruder.Gehen Siel"
Er warf die Thüre wett auf.
Frech und mit einer unverwüstlichen Laune blickteJuan auf ihn.
„Ei, wer hätte das gedacht? War doch sonst solchein Milchbart. Ich gebe zu. Sie haben der Wechselhalber Macht über mich, und zwanzig Jahre Zwangs-arbeit ist kein Vergnügen. Wenn Meta nicht kommenwill, läßt sie's bleiben, aber 's ist schändlich, denn dieGeschichte in Schottland war eine Trauung, man magsagen, was man will. Natürlich zieht sie den reichenBaron dem armen Matrosen vor. Sei Du schwesterlich,Jnez, und besuche mich, ich wohne im Gasthaus zu Hes-holm. Adieu, meine Herrschaften! Wenn ich wiederheirathe, werde ich mich meines Weibes zu versichernwissen."
Er ging hinaus, nickte Sir Victor freundlich zuund schüttelte die Haare zurück.
„Adieu, alter William!" rief er dem Hausmeisterzu, „ich gehe wieder, wie Du siehst. Sehr gastfreund-lich ! Man hat mir nicht einmal ein Glas Wein ange-boten. Gute Nacht, Kamerad!"
Die Thür schloß sich hinter ihm. Er blickte zurückauf die erleuchteten Fenster und lachte.
„Wenigstens hab' ich sie ordentlich erschreckt. DieGeschichte von der Heirath ist natürlich Fabel, aber eswar doch ein Jux und die Komödie hat noch nicht aus-gespielt, denn der blonde Baron ist eifersüchtig wie einGroßtürke. Hoffentlich besucht mich Jnez und gibt mirGeld. Wenn nicht, so muß ich sie aufsuchen."
Als er fort war, herrschte Todtensttlle. Lichterbrannten, Blumen dufteten, seltene Weine, tropische Früchtewinkten, aber ein Gespenst saß zu Tisch.
Viel Böses hatte Juan Chateron gethan im Leben,doch kaum verübte er eine ruchlosere That als heute.Aus Jnez' Augen leuchtete unerträglicher Triumph. Sieverabscheute den Bruder, nun aber hätte sie ihn küssenmögen. Die junge Frau hatte ihr Alles geraubt, Reich-thum, Stellung, den Mann, den sie liebte, aber auchihr Pfad war nicht mit Rosen bestreut.
Todtenbleich setzte Sir Victor sich wieder an denTisch. Niemand sprach. Glücklicher Weise begann dasKind zu schreien, und die junge Mutter eilte fort. Siekehrte nicht wieder. Ueber eine Stunde saß sie an desKindes Wiege, an seiner Seite fühlte sie sich ruhig undsicher. Ihr bangte vor der Begegnung mit dem Gatten.
Sie hatte sich eines Mangels an vertrauender Auf-richtigkeit schuldig gemacht; würde er ihr je wieder Liebeund Vertrauen schenken? Endlich begab sie sich auf ihrZimmer, fetzte sich an's Fenster und blickte hinaus in diesternenhelle Nacht.
„Das ist mein Willkomm in meines Gatten Haus",dachte sie, „und die Thorheit meiner Jugend kehrt wiedermit dem furchtbaren Mai."
Sie schauderte.
„O, warum sagte ich's nicht? Warum verlangte
die Mutter, daß ich es verberge? Sie fürchtete denBaron zu verlieren, und ich war schwach und feige."
Er trat ein.
„Ist das Fenster offen?" fragte er kühl, „entferneDich sofort davon, Du möchtest Dich erkälten!"
„O, vergieb mir, Victor", flehte sie.
Er schwieg einen Augenblick. Wohl liebte er sieleidenschaftlich, aber noch zerrissen Zweifel und Eifersuchtseine Seele.
„Meta, warum täuschtest Du mich?" rief er endlichschmerzlich, „ich hätte geschworen, Du seiest die Wahrheitselbst, eine fleckenlose Lilie. Der Gedanke, daß ein An-derer sich Dir nahte und gerade Juan Chateron, machtmich verrückt."
Sie sank auf die Knie und faltete bittend die Hände.
„Ich war ja nur ein Kind, Victor, und wußtenichts von Liebe. Wohl that ich schweres Unrecht, daßich Dir vie Wahrheit verhehlte, aber Du warst so eifer-süchtig, und ich liebte Dich und fürchtete Dich zu verlieren."
„Und ich war Baron. Hatte das nicht auch mitDeiner Furcht, mich zu verlieren, zu thun? Oder hatnur Liebe die Unaufrichtigkeit bedingt?"
Es war das erste grausame Wort, das er je gesagt,und er bereute es sofort.
Sie erhob sich und wandte sich ab.
„Ich verdiene das. Einmal sagte ich Dir nichtdie volle Wahrheit, warum solltest Du mir jetzt glauben?Das Weib, das Juan Chateron gekannt, könne DeinWeib nicht sein, sagtest Du, und darauf hin sollte ichnoch bekennen? Ich verbarg die Wahrheit aus Furcht,Dich zu verlieren. Suche das Motiv worin Du willst.Es steht Dir auch frei über mich zu verfügen, und Dumagst mich fortschicken."
Sie sah in die Nacht hinaus. Er beobachtete sieruhig. Sie wegschicken? Sie kannte ihn und wußtewohl, daß er nicht leben konnte ohne sie.
Plötzlich umfaßte er sie leidenschaftlich.
„Dich wegschicken, mein Lieb! Ich stürbe, verlöreich Dich!"
„So vergibst Du mir! Sieh, nur aus Liebe zuDir verschwieg ich es", schluchzte sie, „nun aber will ichnie wieder ein Geheimniß vor Dir haben."
Sie war noch fast ein Kind, die jugendliche Mutter,und als er das liebliche, flehende Gesicht, die großen,thränenvollen Augen, die bebenden Lippen sah, küßte ersie und vergab.
5. Kapitel.
In der Dämmerung.
„Keine Worte sind stark genug, Dein Benehmen zutadeln, Victor. Du hast an Jnez schmählich gehandelt,hörst Du, schmählich, und Du bist der erste, der denStammbaum verunreinigt hat. Herzogstöchter betratenChateron Royals als Bräute, und Du hetrathetest dieTochter eines Seifensieders."
So sprach Lady Helena Powys, vierzehn Tage nach-dem er Weib und Kind heimgebracht, zu ihrem Neffen.
Zornig hörte ihr der junge Mann zu. Währendder letzten vierzehn Tage hatte Jnez ihm das Leben un-sagbar verbittert, endlich war er zur Tante gekommen,um Hülfe zu holen und Trost, und nun wurde er soempfangen.
„Das ist zu viel, Tante Helena, das ertrage ichnie, niemals von Dir. Die Abstammung meiner Frauist der einzige Vorwurf, den man ihr wachen kann.