Ausgabe 
(4.8.1896) 64
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Blumen und Perlen; Dein einfaches, liebenswürdigesWesen wird allgemein gefallen."

Als sie eine Stunde später in einem lichtblauenSeidenkleide, Lilien im Haar und Perlen um den Halserschien, erinnerte sie an eine Fee. Jnez' schwarze Augenblitzten zornig. Mochte auch das Blut des Seifensiedersin ihren Adern rollen, keine Fürstin konnte feiner undschöner aussehen. Miß Chateron selbst war pompös indem weißen Seidenkleide, glühend von Rubinen.

Stolzen Hauptes bestieg sie den Wagen.

Lady Helena's Säle waren überfüllt; alle Ein-ladungen waren angenommen worden. Alles wollte SirVictors niedergeborenes Weib sehen und erfahren, wieMiß Chateron die ihr angethane Schmach ertrug.

Lächelnd trat Jnez ein. Ihr Wesen schien zu sagen:Bemitleidet mich doch, wenn ihr's wagt."

Ihr folgte an Sir Victors Arm eine zierliche Ge-stalt. Lady Helena nahm die neue Nichte sofort unterihre Fittige. Die Anwesenden wurden ihr vorgestellt,Komplimente ihr gesagt. Bei Tische saß sie am Ehren-platz und war aller Augen Zielpunkt. Sie ertrug esruhig, ihr Muth stieg, sie sprach unbefangen und er-oberte Aller Herzen.

Ich gratulire, liebes Kind", flüsterte Lady Helenaihr zu,der Anfang ist brillant. Die Herren sind ent-zückt, die Damen eifersüchtig."

Bisher hatte Jnez nicht einen Giftpfeil entsendet;ihre Zeit aber sollte kommen. Nach Tische wurde must-ztrt. Lord Herriker, der jüngste und vornehmste Edel-mann der Gesellschaft, nahm Lady Chateron förmlich inBeschlag. Er führte sie an's Piano, sie sang eineschottische Ballade, und Beifallsgemurmel erhob sich.

Dazwischen tönte Jnez' sarkastisches Lachen. CapitainBarden schwärmt für sie, lehnt sich über ihren Sesselund erzählt ihr leise, daß Jack Singleton sich jüngst zumGespött der Menschen gemacht, indem er die jüngste MißPotter von Potter-Park geheirathet.Wirklich", lachteMiß Chateron,hatte der Vater nicht früher einen Kram-laden und zog sich, zurück, als er genug Geld zusammen-gescharrt hatte? Und der arme Lieutenant Singleton hatdie jüngste Miß Potter geheirathet? Wen die Götterverderben wollen, dem nehmen sie den Verstand. Nun,das Mädchen ist wohl hübsch und so süß, wie des VatersCandis, so schmelzend wie dessen Butter. In manchen

Familien ist es Sitte, das Wappen der Braut auf demFamilienschtld anzubringen. Ich denke, die Armaturder Familie Potter wäre wohl dann ein weißer Schurzund eine Käse."

Unterdrücktes, schreckliches Lachen geht durch denSaal. Sir Victor ist wie mit Blut übergössen, Metabefindet sich noch an Lord Herrikcr's Seite und hat nurGedanken an Flucht. Fort von dem grausamen Volke,fort von der scharfzüngigcn Jnez. Aengstlich blickt sieauf den Gatten; sollte sie dies ertragen? Er aber istabsichtlich blind und taub, er besaßnicht den Muth, den Handschuh fürsein Weib aufzunehmen und derCousine Schweigen zu gebieten.

Nach Mitternacht fuhren die Gästenach Haus. In Sir Victors Wagenherrschte Todtenstille. Meta lehntebleich und stumm in der Ecke, Jnezbesah sich die Sterne, der Baron zürnte sich selbst, haßte die Cousineund scheute sich, seine Frau anzu-sehen. Ihr Wesen ist eigenthümlichverändert, ihre Antworten sind kaltund kurz. Nicht ohne Grund ver-achtet sie den Mann, der nicht denMuth hat, sein Weib vor Verhöhnungzu bewahren.

Am folgenden Tage erschien sieweder beim Frühstück noch bei Tische.Mylady ist ausgegangen", mel-dete der Lakai,vor etwa einer halben Stunde schritt siemit einem Buche dem Lorbcerhain zu."

Ich werde sie suchen, man warte mit dem Essen ",befahl Sir Victor,

Meta war fort, weil sie nicht mehr mit Jnez Cha-teron an einem Tische Brod brechen wollte. Wäre das

Münchener Bierhalle.

MLLü

Kind nicht, sie wäre längst aus dem Hause entflohen,wo sie immer die Rache eines Weibes verfolgte.

Die Dämmerung senkte sich über die Bäume, finsterhebt das Schloß sich vow Horizonte ab. Meta schaudertdavor. Nur schmerzliche Tage hatte sie in diesen Mauernverlebt. Selbst ihre Liebe scheint in bitterer Verachtungzu ersterben, wenn sie daran denkt, wie er zu seinerCousine Verhöhnung geschwiegen. Es ist kalt, sie hülltsich fester in den Shawl und schreitet langsam auf und

Gebäude für staatliche Anstalten und technischen Unterricht.

Aus der Bayerischen Landesausstellung zu Ullrnberg