Ausgabe 
(7.8.1896) 65
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gangeiten Sommer weilten nicht selten zu gleicher Zeit an300 Geistliche aus allen Ländern der Erde hier eindeutlicher Beweis, wie aufreibend das Berufsleben einesPriesters ist.

Ueber 16,000 heilige Messen wurden im Vorjahrevon den anwesenden Priestern hier gelesen. Mustert mandie gegenwärtig hier weilenden Kur-Gäste, so finden wirFremde aus Rußland, Frankreich, England, Italien ,von Deutschland und Oesterreich nicht zu reden. Inder Wandclbahn begegnen sich ein orientalischer Bischofaus Klcin-Asien , ein Missionär, der im Caplande unterden Kaffer-Negern seine Gesundheit eingebüßt, ein ameri-kanischer Pfarrer, der binnen Jahresfrist zweimal denOcean durchschifft hat, um hier Heilung zu finden, einMissionär der Salcsianer aus dem Feuerlande, ein rumäni-scher Fürst mit seinem Kinde, das von den PariserAerzten als unheilbar erklärt wurde und bereits auf demWege der Besserung ist. Hie und da begegnet manBlinden, Lahmen, Epileptischen und mit dem VeitstänzeBehafteten, namentlich vielen Lupus-Kranken, die fastAlle geheilt werden.

Würde Prälat Kneipp irdischen Vortheil suchen, sokönnte derselbe leicht ein Millionär sein; und doch dürfteman nicht leicht einen ärmeren Priester finden als diesenedlen Wohlthäter. Er besitzt nicht einmal eine Kleidungzum Wechseln, und die er auf seinem Körper hat, wirdihm geschenkt. Bekanntlich nimmt er von den armenKranken nicht bloß keinen Pfennig, sondern nicht einmalgeschieht es im Tage, daß er solchen Elenden das Geldzur Heimreise gibt. Das Almosen, das Reichere ihm -geben, sowie das Honorar für seine Werke verwendet er >ausschließlich für humanitäre Zwecke. So erbaute erallein das Sebastiane» oder Priesterhaus und übergabdasselbe in das Eigenthum der Barmherzigen Bruder,die einen großen Pavillon hinzubauten, in welchem sichFremdenzimmer, Sprechzimmer, Wandelbahn und dieBade-Anstalt befinden. Auf der Anhöhe prangt ein herr-licher Ziegelrohbau, das Kneipp'sche Kinder-Asyl, von ihmum 150,000 Mark erbaut, in welchem 120 Kinder von2 bis 18 Jahren die sorgsamste Pflege von Seite derFranciscanerinnen erfahren. Nicht ohne stille Wehmuthdurchschreitet man die reinlichen Räume, in welchen mandiesen armen Kindern, mit den verschiedensten Krankheitenund Leiden behaftet, begegnet.

Es gibt fast keine Krankheit, die hier nicht vertretenwäre, Kinder im zartesten Alter, die nicht selten dieSünden ihrer Eltern büßen, werden hier mit mütterlicherSorgfalt behandelt und erhalten nebst der körperlichenPflege auch einen entsprechenden Unterricht. Neben diesemKinder-Asyl erhebt sich ein zweiter dreistöckiger Rohbau,welcher noch nicht ganz vollendet ist und den Prälaten200,000 Mark kostete. Derselbe war für Lupus-Krankebestimmt; allein da ihm von einer Seite, von der manes am wenigsten erwarten sollte, die größten Schwierig-keiten in den Weg gelegt werden, will er es für einFrauen-Spital bestimmen.

Welche Verbreitung die Kneipp'schen Bücher ge-funden, erhellt am besten aus der Thatsache , daß dieWasser-Kur bereits in der sechzigsten deutschen Auflageund daneben in fünfzehn verschiedenen Uebersetzungcn er-schienen ist und das WerkSo sollt ihr leben" soebendie dreißigste Auflage erlebt hat. Wo ist je ein Werkin der Welt binnen zehn Jahren in so vielen Auslagenerschienen?

Außer dieser tagtäglichen aufreibenden Thätigkeithält Prälat Kneipp täglich abends *^5 Uhr einen popu-lären Vortrag über verschiedene Krankheiten und derenHeilung, über zweckmäßige Kleidung in gemeinverständ-licher instruktiver Weise, dem sämmtliche Cur-Gäste mitgrößter Aufmerksamkeit beiwohnen. Diese einstündigenVortrage, die im Winter in einem Glashause gehaltenwerden, sind in der Regel mit interessanten Fällen, Bei-spielen und Vergleichen gewürzt und tragen zur Auf-klärung der Massen sehr viel bei.

Schließlich sei noch erwähnt, daß die GemeindeWörishofen einen neuen großen Friedhos mit einerschönen Umfassungsmauer erbaut hat und demnächst mitsehr großen Kosten den Ort mit Kanälen versehen wird.

Viele Hunderte und Tausende leidender Erdenpilgersind im Laufe der Zeit hiehcr gewandert, und die Meistenhaben Heilung oder doch wenigstens Linderung in ihrenschweren Leiden gefunden. Alle ohne Ausnahme, welchStandes und welcher Religion immer, zollen diesemedlen Wohlthäter der Menschheit den Ausdruck innigsterDankbarkeit und Verehrung. Das Oberhaupt der Kirche,Papst Leo XIII. , hat diesen Priestergreis in Anerkennungseiner barmherzigen Verdienste zu seinem Gcheimkämmererernannt und ihn bei seiner Anwesenheit in Rom mit einerAuszeichnung empfangen, wie sie einem einfachen Priesterwohl noch nie zu Theil wurde. Der Patriarch vonJerusalem hat ihn kürzlich zum Commandeur des Or-dens vom Heiligen Grabe ernannt, gewiß eine sinn-reiche Auszeichnung für einen Mann, der so viele Tausende. dem nahen Tode entrissen und ihnen die Freude derj Auferstehung von ihren Leiden bereitet hat. Und welcheAnerkennung wurde diesem edlen Greise von der Re-gierung feines Landes zu Theil? Wohl nie hat je einMann dem bayerischen Staate solche materielle Vortheileverschafft, als Prälat Kneipp , ganz abgesehen von seinerThätigkeit. Bisher hat die bayerische Regierung nichtdaran gedacht, diesem Priester auch nur ein Zeichen derAnerkennung zu geben wohl aus Furcht vor denMännern der mcdicinischen Wissenschaft.

Zum Glücke ist Prälat Kneipp nicht der Mann,welcher nach Menschengnnst und äußeren Ehren hascht.Sein Wirken fließt aus der reinsten katholischen Humanität,und seine größte Freude und Stolz ist, wenn er denElendesten und Acrmstm seiner Mitmenschen seine Hilfekann angedeihen lassen. Es wäre fast Schade, wennder himmlische Lohn, der diesem frommen, demüthigenPriestergrcis gewiß beschicken sein wird, durch irdischenLohn getrübt würde. Darum möge Gott ihn bis an dieäußerste Grenze des menschlichen Lebens zum Wohle derleidenden Menschheit erhaltenl

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Hoffnungsfroh.Was habe ich gehört? IhrKassier ist mit einem bedeutenden Betrage und IhrerTochter dnrchgebrannt?"Na, na, es ist nicht soarg. Er schreibt mir soeben, er werde mir alles zurück-zahlen; die Tochter hat er mir schon zurückgeschickt."

Kurz angebunden. Chef:Nun, was sagte derBaron, als Sie ihm die Rechnung vorzeigten?"Commis:.Johann', weiter nichts!"

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