Ausgabe 
(25.8.1896) 70
Seite
534
 
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Sprich, Edilh, vergiß den Cynismus, der Dir jadoch nicht von Herzen kommt, und sag', daß Du meinsein willst, mein, dessen Leben Du gerettet!"

Dein?" lacht sie, ihr Herz aber erbebt,es wäreschön, aber es kann nicht sein."

Edith!"

Wir sind Cousins, Rudolf, gute Freunde werdenwir immer sein aber lieben nein."

Und weshalb?"

Hab' ich Dir das nicht schon oft gesagt? WennDu mich noch für herzlos haltst, ist es meine Schuld?Ich weiß was ich mit meinem Cynismus will. HättestDu Deines Vaters Vermögen, ich würde Dich morgenheirathen und das glücklichste Weib der Welt sein."

Bin ich Dir also nicht ganz gleichgültig?"

Gleichgültig? Siehst Du nicht, Rudolf, ich binnicht ganz egoistisch, ich liebe Dich so, daß ich lieberstürbe, als Dich heirathen. Ich würde Dich nur un-glücklich machen."

Mein Vater liebt mich, er ließe sich erweichen."

Nein. An dem Tage, wo er in Cork bet Dirwar, saß ich hinter den Gardinen verborgen und hörteunabsichtlich, was der Vater sagte, sowie auch DeineAntwort. Mein erster Gedanke war, vorzutreten, seineGunst zurückzuweisen und zu bitten, er möge mich heim-schicken; als ich aber Deine ruhige Antwort hörte, ver-rauchte mein Zorn.Ich und Fred Darrells Tochterheirathen nicht", sagtest Du, und ich bewunderte DeineRuhe und Wahrheit. Dabei wollen wir bleiben, Duund Fred Darrells Tochter werden sich nicht heirathen."

Aber, Edith, Du kannst doch nicht glauben"

Ich glaube von Dir nur Edles. Ich weiß, Duwürdest Deinem Vater wüthig entgegentreten, wenn iches duldete. Du sollst ihm aber nicht trotzen, und ichwill keinen armen Mann heirathen."

Ich bin jung, stark und kann arbeiten, habe Händeund Kopf, eine gute Erziehung und viele Freunde, wirwürden nicht hungern."

Nicht hungern?" wiederholte Edith mit traurigemLächeln;vielleicht nicht, aber wir würden ohne allenKomfort dahin leben und namenlos elend sein. Dukannst nicht arbeiten, bist nicht dazu erzogen, und ichkann, selbst um Deinetwillen, dem Ziele meines Lebensnicht entsagen."

Du kannst das nicht", sprach er bitter.

Und so fuhr sie gesenkten Hauptes fort.Zürne mirnicht, einst wirst Du mir's danken. Komm', lass' unsnicht mehr davon sprechen. Siehst Du denn nicht, daßwir unter den gegebenen Verhältnissen nicht glücklichsein können, daß wir folglich besser uns trennen?"

Ich bin ein schlechter Redner, und Deine Sophistikist so klar, daß Jeder sie verstehen muß. Du warfstmich ohne Schmerz über Bord und willst den Baronheirathen. Noch aber bist Du nicht sein Eigenthum,noch nicht erkauft mit seinem Gelde, antworte mir denn,ob Du mich liebst."

Ihr Haupt sank tiefer, das Auge füllte sich mitThränen, ihr Herz war voll Weh. Ihn ohne Schmerzüber Bord werfen? Edith wußte, waS es sie kostete,jetzt herzlos zu sein.

Antworte!" sprach er gebieterisch,das wenigstenskann ich verlangen, liebst Du mich oder nicht?"

WaS hilft die Frage, Rudolf", entgegnete sie leise,Du weißt es so gut wie ich."

^ Schweigen folgte. Aus der Ferne tönte des Mäd-chens Gesang.

Komme, was da wolle", sprach Rudolf endlich,es ist besser, daß wir die Sache besprachen. Und wennDu morgen Sir Victor heirathest, ich möchte die Ver-gangenheit nicht anders wissen.

Verachte Du mich nicht!" flehte sie mit gebroche-ner Stimme und begrub das Gesicht in die Hände,ichkann nichts dafür, aber ich will lieber sterben als arm sein."

Er weiß, daß sie weint, und ihre Thränen bewegenihn seltsam. Er nimmt ihre Hand, und seine einzigeAntwort ist:

Ich werde Dich lieben mein Leben lang."

Auf dem anderen Boote spielte sich ebenfalls eineinteressante Scene ab. Trixy sprach unaufhörlich. Zer-streut und träumerisch lauschte Sir Victor. Endlich ent-stand eine Pause.

Vergebung, Miß Stuart", begann der Baron.Ich habe etwas auf dem Herzen, wovon ich heute nochmit Ihnen sprechen wollte."

Beatrice richtete sich wie elektristrt auf.

Nun fängt er an", dachte sie.

Eine peinliche Pause folgte.

Ja, Sir Victor", stammelte das Mädchen er-muthigend.

Ich wollte die Sache erst nicht berühren, bevorwir England erreichten", fuhr der Baron verlegen fort,ich ich fürchte eine Abweisung so sehr, daß ich michzu sprechen scheue."

Was sollte Beatrice sagen? Was paßt sich füreine gebildete Dame?Wie kann er Abweisung fürchten?"dachte sie,war je ein Sterblicher so bescheiden?"

Kürzlich erst lernte ich meine eigenen Gefühlekennen, als ich von einem Anderen erwiesene Aufmerk-samkeit mit Vergnügen angenommen sah, ließ die Eifer-sucht mich begreifen, daß ich liebe."

Er weint den Hauptmann Hammond", sagte sichTrixy,wie gut, daß wir uns trafen."

Und doch verzweifle ich nicht ganz! Glauben Sie,Miß Stuart, daß ich Grund zu Hoffnung habe?"

Ja, ich glaube es", stammelte sie.

Und werden ihre Eltern meine Werbung gut auf-nehmen ?"

Meiner Ansicht nach werden sie eine solche sichnur zur Ehre rechnen", entgegnete sie in bebendem Tone.

Glauben Sie also, daß mein Herz und meineHand nicht abgelehnt werden, falls ich spreche?"

Warum in aller Welt thut er's nicht?" dachteBeatrice,er ist wahrhaftig verrückt."

Sie schweigen, Fräulein, wäre es möglich, daßbereits eine Verlobung existirt?"

Ich bin gewiß, Sir Victor wird keinen Korb erhalten."

Danke."

Und ebenso, wie Rudolf Edith's, erfaßte er ihre Hand.

Hierauf folgte Schweigen. Trixy's Herz war zumZerspringen voll. Wäre sie nur am Lande, um Mamaund Papa ihr Glück zu melden. Lady Chateron! DieWorte sind zu arm, solche Wonne zu beschreiben. Sieschloß die Augen und ließ sich in grenzenloser Freudedahinschaukeln.

Als sie landeten, führte Sir Victor seine Dameschweigend ins Hotel.

Noch eine Gunst, Fräulein", bat er, bevor sie sichtrennten,lassen Sie unsere Unterredung ein paar Tage