Ausgabe 
(25.8.1896) 70
Seite
535
 
Einzelbild herunterladen

535

Geheimniß bleiben unter uns. Meine Tante war mireine zweite Mutter, und sie soll zuerst von meinen Ge-fühlen erfahren."

Gut, Sir Victor, Ihr Wille geschehe."

Gute Nacht."

Miß Stuart eilte die Treppe hinauf. Sie wollteEdith sehen. Der Gedanke, zu ruhen war lächerlich, siefragte sich, ob sie je wieder schlafen würde.

Edith's Zimmer war dunkel, sie selbst stand amFenster und blickte noch völlig angekleidet hinaus zu denGestirnen.

Ganz im Fin-stern, Dithy, ist esnicht eine himm-lische Nacht?"

Kommst Du, ummir das zu sagen?"

Nein, ich wollteDir sagen, daß ichglücklich bin, daß eseine wunderbareFahrt war. HastDu Dich auch unter-halten?"

Unendlich", be-merkte Edith bitter.

Ich glaube, Duhast geweint."

Geweint? Nein,so kindisch bin ichnicht. Ich bin müdeund habe Kopfweh.

Gute Nacht, Trixy."

Wart' einenAugenblick,Edith,ichkann's ja nicht beimir behalten, esdrückt mir das Herzab. Wünsche mirGlück, Sir Victorhat um mich ge-worben."

Trixy I"

Sie konnte sonstnichts sagen, wie be-täubt sank sie ineinen Stuhl.

Ja, Edith, undich bin ganz außermir vor Freude,denke nur, ich werdeLady Chateron."

Edith war todten-bleich geworden,sprachlos saß sie da

Uebrigens ist er ein sonderbarer Kauz", fuhrBeatrice fort,konnte er nicht einfach wie ein Mannsagen:Beatrice Stuart, wollen Sie mich heirathen?"Nein, er ging herum, wie eine Katze um den heißenBrei, sprach verwirrtes Zeug von einem Rivalen, und daßer mit Papa und Mama und Lady Helena reden wolle,sobald wir in England seien. Vielleicht machen es dieenglischen Aristokraten so, ich aber sehe nicht ein, wes-halb er nicht direkt sprach, er hatte wahrlich Aufmun-

terung genug." Die letzten Worte reizten Edith zumLachen, aber es klang unnatürlich.

Du bist heiser wie ein Rabe und bleich wie einGespenst; das kommt, wenn man im Zug sitzt und denMond beguckt. O, Edith, ich bin so glücklich, und wennich Lady Chateron bin, sollst Du immer bei mir weilen,bis Du wirklich meine Schwester bist und Rudolf's Frau."

Ich bin müde, ich friere."

Willst Du mir denn nicht Glück wünschen, Dithy?"

Ich wünsche Dir Glück."

Ihre Lippenwaren kreideweiß, siebebte wieEspenlaub.Beatrice ging, undEdith athmete tiefauf. AlsodochTrixyIUnd sie hatte ge-glaubt, daß er sichfür sie interessirte.Mit ihr hatte ergesprochen, sie be-trachtet, wie nieBeatrice, bei ihremNahen war er er-rathet, sie hatte seinHerz pochen gefühlt,wenn sie sich aufseinen Arm stützte,und doch war esTrixy!

Krank vor Aergerund Neid, legte sieden Kopf auf dieArme.

Eine hübscheHeldin", höre ichden Leser rufen,einniedriges, selbst-isches, herzloses Ge-schöpf!'

Ja, aber reine,edle Geschöpfe, dieauf ihre Ideale ver-zichten, um Anderezu beglücken, findensich wohl äußerstselten hieniedcn.

9. Kapitel.

Arme Trixy.

Gott sei Dank,heute Abend gehtunsere Pilgerschaftzu Ende", sprach Lady Helena acht Tage später im Zugzwischen Dublin und Kingston. Die ganze Reisegesellschaftwar noch beisammen, auch Kapitän Hammond war derEinladung nach Powys Ptace gefolgt.

Edith Darrest beugte sich über ein Buch. Seit derBotschaft hatte Beatrice ruhig und entschlossen von SirVictor Besitz ergriffen. Sie glaubte, ein Recht dazu zuhaben, und wenn ein Mann allzu bescheiden ist, darfdann ein Mädchen nicht etwas ihm entgegenkommen?Ehe Edith am folgenden Morgen ihr Zimmer verließ,

8«. stgk. Kostest Drin; Llupprecstt von Kagcrnals Major im königl. bayer. 2nfaiiterie-Leib-Rkgiment.