Ausgabe 
(4.9.1896) 74
Seite
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die Sache, ein Mann soll über derlei Verluste nichtklagen. Dein Vater ist reich und betitelt, glaubst Du,er würde Deiner Werbung geneigtes Gehör leihen?"

Was liegt daran, wenn Trixy will"

Trixy will aber nicht auf solche Weise in eineFamilie eingeführt werden, und ich sage Dir, eine Heirathist für den Moment außer Frage. Liebt Euch nachHerzenslust, sendet Briefe ballenweise über den Ocean,bleibt verlobt, so lange ihr wollt; aber unter den ob-waltenden Umständen heirathens Nein!"

So endete eS. Selbst Beairice erklärte jetzt, dieEltern nicht verlassen zu wollen, und bat den Geliebten,auf bessere Zeiten zu warten.

Am folgenden Tage begleitete der Hauptmann dieFamilie nach Liverpool und an Bord des Schiffes, vondem er auf der Dampffähre zurückkehrte.

Als der Dampfer sich zu bewegen begann, lehnteTrixy weinend an ihres Vaters Arm, und Rudolf stand«eben der Mutter. So warfen sie ihren letzten Abschieds-ilick auf Englands zurückweichende Küste, nur von einemFreundesauge verfolgt.

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*

Edith kehrte in den erleuchteten Salon zurück, woSir Victor's liebendes Auge sofort die Todtenblässe be-merkte, die sich über ihre Züge gebreitet hatte. WenigeMinuten später sank sie ohnmächtig vom Stuhle undward in ihr Zimmer getragen.

Als ihr dunkles Auge sich wieder öffnete und sieden Verlobten erblickte, der sich angstvoll und zärtlichüber sich beugte, wandte sie sich seufzend ab.

O, lass' mich allein", bat sie immer wieder, bisman ihrem Flehen nachgab. So lag sie stundenlang mitaufgelöstem Haar und gerungenen Händen regungslos,dumpfen Schmerz im Herzen, da. Oft schlichen sie wäh-rend der Nacht herein und fanden sie immer mit weit-geöffneten Augen. Am Morgen erwachte sie aus un-ruhigem Schlaf mit brennender Stirn, trockenen Lippenund fieberhaften Augen.

Der Arzt schüttelte den Kopf und erklärte den Zu-stand für Nervenüberreizung. Gefahr sei nicht vorhanden,Ruhe und liebevolle Pflege würde sie bald herstellen, unddann solle eine Luftveränderung das ihre thun.

Sir Victor hatte von dem Portier von RudolfStuarts schnellem Kommen und Gehen gehört und peinigtesich mit tausend Möglichkeiten. Was bedeutete der selt-same Besuch? Gegen ihn war sie kalt, es schien ihrgleichgültig, ob er kam oder ging. Er war ihr nichts,sollte es immer so bleiben?

Lady Helena fragte Edith, was den Vetter nachPowys Place gebracht und ihre Ohnmacht bedingt habe?

Ruhig und ernst theilte diese ihr das Unglück mit,welches die Familie Stuart betroffen.

Lady Helena bedauerte die Armen herzlich und hieltdurch die Sachlage Edith's Gemüthsbewegung für hin-länglich erklärt.

Ende Juli wurde sie in eine hübsche Villa gebracht,wo sie auf Tante Helena's ausdrücklichen Begehr alleinmit ihr weilte.

Geh', lieber Victor, und dränge ihr Deine Nähenicht auf. Selbst wenn sie Dich liebte, würde sie einBräutigam ermüden, der nie ihr von der Seite wiche.So sind alle Frauen. Willst Du, daß sie Dich liebenlerne, so gehe fort, schreibe ihr vernünftige, angenehmeBriefe und komme in drei Wochen wieder.".

In drei Wochen? Ich möchte am ersten Septemberheirathen."

Daraus wird nichts, Victor, Edith muß sich ersterholen und vor dem Oktober kann von Deiner Trauungkeine Rede sein. Edith selbst wünscht die Verschiebung,lass' sie erst erstarken, Dich lieben lernen, und Duwirst sehen, daß es so viel klüger war."

Er mußte sich fügen und kehrte nach ChateronRoyals zurück.

Edith athmete tief auf, als er sie verließt Welch'anderer Abschied, als der vor vierzehn Tagen! Sie suchtezu vergessen, das Antlitz zu bannen, das stets ihr vor-schwebte, die Stimme nicht zu hören, die ihr im Ohrewiederhatte.

Es gelang ihr theilweise. Die Seeluft stärkte undkräftigte sie. Sie sagte sich immer wieder, daß nur SirVictor ein Recht auf ihre Gefühle habe, daß sie Rudolfsnicht gedenken dürfte.

Nach und nach erholte sie sich, ihr Auge glänzte,Farbe, Gesundheit, Heiterkeit kehrten wieder. Täglichkamen Briefe von Sir Victor, die sie lächelnd las undbeantwortete. Sie liebte ihn nicht, aber sie hatte ihnlieb, und als die drei Wochen vorüber waren, konnte siemit freudigem Willkommen ihm entgegentreten. Ihmwaren es drei Jahrhunderte gewesen; nun aber entschä-digte ihn die Freude, die Braut so frisch und blühendzu sehen.

Es war Mitte August. Trotz Edith's Protest wurdengroße Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen. ChateronRoyals verwandelte sich in einen feenhaften Aufenthalt.Wie geblendet durchschritt Edith an des Verlobten Armdie prächtigen Räume; war es ein Märchen? War dasAlles für Edith Darrcll, die noch vor wenigen Monatenin Sandypoint alle Hausarbeit verrichtete?

Sie vermochte nicht, sich als Herrin des fürstlichenHauses zu denken. Von Tag zu Tag erschien es ihrunwahrscheinlicher. Ein schreckliches Erwachen mußte demglänzenden Traume folgen.

Es war vierzehn Tage vor der Heirath. Ihr wares, als müsse sich etwas ereignen. Und es geschah.

Am Abend des achtzehnten September kam ein Tele-gramm an Lady Helena. Sir Victor war mit Edith imSalon am Klavier. Eilig sandte die Tante nach ihm.Er fand sie bleich, erschrocken, entsetzt. Stumm reichtesie ihm das Telegramm. Er las es langsam:

Komme sofort; bringe Victor; er stirbt

Jnez."

(Fortsetzung folgt.)

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Komik im Kulturkampf.

Daß sich in dem so ernsten und schweren Kultur-kampf doch mitunter recht komische Szenen und Situationenergaben, ist bekannt, und es kursiren da viele verbürgteund unverbürgte Anekdoten. Weniger bekannt dürfte je-doch das folgende drollige Stückchen sein, dessen Wahr-heit durch den Umstand am besten bezeugt wird, daß esder Hauptbetheiligte, der selige Prälat Janssen, in seinenletzten Lebensjahren, nachdem längst Gras über die Ge-schichte gewachsen war, in Freundeskreisen einmal selbstzum Besten gab. Stand da öfters imFranks. Volks-blatt" an der Stelle, wo die für wohlthätige Zwecke ein-gegangenen Gaben verzeichnet werden, auch zu lesen: