Ausgabe 
(4.9.1896) 74
Seite
566
 
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Don Herrn Pros. Janfsen (durch Dr. Petz) ... M... Pf.Es war gerade zur Zeit, wo die Jesuitenhetze in besterBlüthe stand und jeder Patriot glaubte, daS Vaterlandvor der Gefahr des Untergangs retten zn uiüffen, dieihm von den leidigen Jesuiten , einerlei ob im Talar oderim Frack oder auch im Unterrock, in aller Kürzedrohte. Da fand denn auch ein Frankfurter Polizei-Beamter den Namen des Dr. Petz in jener Zeitung, undgewissenhaft, wie solche Leute sein müssen, schlug er gleichdas grobe Buch nach, um die Personalien dieses DoctorSfestzustellen. Aber wie groß war der Schreck, der denMann des Gesetzes besiel, als er auch nicht das Geringstevon dem Herrn Petz fand? Wer ist dieser mystischeDoctor? Das war jetzt das Problem, das den armen,treuen Beamten unaufhörlich beschäftigte und ihn Tagund Nacht keine Ruhe finden ließ. Warum hat ProfessorJansien diesen Herrn bei der Polizei nicht angemeldet,oder warum hat jener dies nicht selbst besorgt? Dochendlich ging unserem Polizisten ein Licht auf. Wenn dergeheimnißvolle Doctor gar ein verkappter Jesuit wäre,wenn deßhalb seine Persönlichkeit in so tiefes Dunkel ge-hüllt wärel Grauen erfaßte den Vertreter derheiligenOrdnung". Aber in anderen Städten trieb sich solcheslichtscheue Gesinde! herum, warum sollte da nicht einervon ihnen auch das ehrsame Frankfurt unsicher machen?Auf der anderen Seite winkte der Lohn für denjenigen,der einen solchen Reichsfeind gefangen einbrachte. Dergute Mann sah schon die Orden auf seine breite Brustherniederregnen, und er griff schon nach dem farbigenBündchen wollte sagen, nach dem Knopfloch, das inBälde damit geschmückt werden würde. Aber die Sachemußte mit Schlauheit angepackt werden, da diese Jesuiten ,wie er wußte, auch nicht gerade auf den Kopf gefallenwaren. Nun dafür war er ja ein Frankfurter Kind.Jetzt wurde der Feldzugsplan entworfen. Als ein richtigerStratege ging unser Held natürlich nicht direkt auf dieFestung los. Nein, zunächst machte er unter irgend einemVorwand einen Besuch bei dem Herrn StadipfarrerMünzenberger und suchte dann so nebenbei das Terrainzu sondiren und mit Aufwand aller ihm zu Gebote stehen-den Diplomatie etwas Näheres über den unheimlichenHerrn Petz zu erfahren. Er mußte jedoch innerlich lächeln,als ihm Herr Münzenberger ganz ahnungslos mit dergrößten Gutmüthigkeit jede nur wünschenswerthe Auskunftohne weitere Bemühungen gab. Freilich, daß Dr. Petzein Jesuit sei, sagte er gerade nicht; aber das glaubteunser Beamter mit aller Sicherheit aus der Sachlageschließen zu dürfen. Also Herr Petz war ein guter Freunddes Herrn Janffen, er wohnt bei ihm, geht niemals aus sehr verdächtig; schon zehn Jahre lang lebt er inFrankfurt und bei der Polizei nicht angemeldet, ent-setzlich! Er beschäftigt sich mit Geldsammeln für wohl-thätige Zwecke ja, für die geheimen Fonds der Je-suiten , grauenhaft! Es war rein zum Rasendwerden, inFrankfurt , der Stadt der Intelligenz und Aufklärung,wird daS Auge des Gesetzes so lange in der schamlosestenWeise hinters Licht geführt und das auch noch von einemsolchen Finsterling. Aber jetzt muß das Nest ausgehobenwerden. Kalthöflich verabschiedet sich der Beamte von demHerrn Stadtpfarrer, holt sich ein halbes Dutzend Schutz-leute, denen er rasch auseinandersetzt, um was es sichhandelt, und befiehlt ihnen, die geladenen Revolver be-reit zu halten und jetzt auf verschiedenen Wegen nachder Wohnung Janssens. Die Schutzleute werde» unten

posiirt und harren voll Erwartung der Dinge, die dakommen werden; ihr Anführer steigt klopfenden Herzen-die Stufen hinauf.

Könnt' ich einen Augenblick den Herrn Professorsprechen?"

Gewiß! Bitte, wollen Sie eintreten."

Gegenseitige Vorstellung und Komplimente.

Herr Professor, Sie werden gestatten, gleich ausden Zweck meines Besuches zu kommen. Dürfte ich Siebitten, mich zn dem Herrn vr. Petz führen zu wollen?"

Mit dem größten Vergnügen. Aber ich braucheSie nicht erst hinzuführen; er befindet sich hier i«Zimmer."

Herr Professor, Sie belieben zu scherzen."

Nicht im Geringsten! Wollen Sie gefälligst nurjenen herrlichen ausgestopften Bären da in der Eckebetrachten mit dem Teller in der Pfote. Das ist mein Dr. Petz."

Kalter Schweiß trat unserem Beamten auf die Stirne;Aber Herr Stadtpfarrer sagte mir doch."

Ach! ich begreife, Herr Münzenberger hat auchSie angeführt. Aber erinnern Sie sich an das, was erihnen von demHerrn" Dr. Petz sagte, und Sie werdenfinden, daß alles auch auf den Bären da paßt. Erwohnt schon zehn Jahre bei mir da habe ich ihnnämlich gekauft. Er geht niemals aus und sammelt beimeinen Besuchern Gaben für wohlthätige Zwecke; und daSie nun gerade da sind, bittet er auch Sie um ein Scherf-lein. Uebrigens nichts für ungut. Der gute Herr Pfarrerhat sich diesen Scherz schon mit mehreren geistlichen Herrenerlaubt, und alle siud sie auf den Leim gegangen."

Aber das waren auch keine Polzeibeamten", dachteder aus allen Himmeln gestürzte Mann und griff ent-sagend nach dem Knopfloch. Mit der Bitte, der HerrProfessor möge die Sache einstweilen nicht publik werdenlassen und auch den Herrn Stadtpfarrer darum bitten,verließ der Getäuschte die Wohnung. Ob er vorher nochdem Herrn vr. Petz einen Beitrag zu wohlthätigenZwecken gegeben hat, verschweigt die Geschichte.

Aus der Hochsiaplerlvelt.

In Paris ist von einem hochgestellten Polizcibeamtettein sehr interessantes Buch erschienen, welches manchentiefen Einblick in die Verbrecherwelt gewährt. DaS Suchführt den Titelkaris vsoarxs", was sich ungefähr mitder BezeichnungDas unterirdische Paris " übersetzen läßt,und der Verfasser desselben ist der Polizcibeamte CharlesVirmaitre . Die Geschichten, welche derselbe erzählt, sindsehr lehrreich, nicht bloß für Polizeibeamte, sondern auchfür das Publicnm, da es stets gut ist, die Art, wie dieHochstaplerarbeiten", kennen zu lernen, um sich vor denAnschlägen derselben zu schützen. Aus dem interessantenWerke mögen zwei von den daselbst erzählten Vorfällen,welche seiner Zeit großes Aufsehen machten, reproducirtwerden:

Eine junge, sehr hübsche und sehr distinguirte Darmtrat eines Tages in den Verkaufsladen des berühmtenPariser Juweliers Melkerin und sagte:

Ich bin Gräfin de Solle. Meine Schwester istim Begriff, sich mit dem Director des großen Kranken-hauses in der Straße Longchamp, Doctor Manuel, zuvermählen. Ich bin beauftragt, eine Anzahl von Schmuck-