Kkgenständen für die Morgengabe einzukaufett. WollenSie dieselben liefern? Wir zahlen natürlich baar."
Man kann sich die Freude des Juweliers vorstellen.Er legte seine schönsten Schmuäsachen vor, die Dametraf ihre Wahl als Kennen», verhandelte lange und genauum den Preis und sagte endlich, als man bezüglich des»selben übereingekommen war:
„Ich bitte Sie, uns diese Gegenstände zuzuschickenoder selbst zu bringen. Bitte auch die saldirte Rechnungnicht zu vergessen. Wir erwarten die Sendung Punct 2 Uhr.
Zur bezeichneten Stunde trat der CommiS mit seinemPackete ein. Er trat in das Consultatious-Zimmer desDoctors.
Die Dame war da und sagte ihm:
„Haben Sie die Güte, mich einen Augenblick hierzu erwarten. Mein Schwager ist im Garten. GebenSie mir Schmuck und Rechnung."
Der Commis überreichte ihr das Gewünschte ohneZögern.
Nach wenigen Augenblicken trat der Doctor in Be-gleitung der Gräfin ein. Ich weiß nicht, ob der Leserhie Scene errathen wird, die nun folgte: wir Polizistenfind an derlei theatralische Entwickelungen gewöhnt.
Die schöne Gräfin hatte tags zuvor den Doctoraufgesucht und zu ihm gesagt:
„Ich bin an einen jungen, geistreichen, schönenMann vermählt, welcher aber an Hallucinationen leidet.Deiner Mutter wurden einmal Diamanten in sehr be-trächtlichem Werthe gestohlen. Kurz darauf stand er ineiner Nacht auf, ging ans Fenster, öffnete dasselbe undschrie hinaus:
„Da sind die Diebe, welche meine arme Mutterausgeraubt haben!* Und seitdem wiederholt sich dieseScene sehr häufig. Ich suche ihn zu beruhigen, so guteS geht, was ich am best?« damit erreiche, indem ich aufseine Manie eingehe. Wenn wir zusammen ausgehen,vermeide ich es, mit ihm an Juwelicrläden vorüber zugehen, um ihn nicht aufzuregen. Im höchsten Gradeauffallend ist es, daß er sich sonst ganz vernünftig be-trägt und bloß Symptome des Wahnsinns zeigt, wennman ihm über Diamanten oder sonstige Schmuckgegen-stände spricht."
„Das ist eine nicht unbekannte Abart des Größen-wahns, Frau Gräfin!" erklärte der Doctor mit gelehrterMiene.
Und so betrat er jetzt sein Consultations-ZimmerMit der vorgefaßten Idee, es mit einem Wahnsinnigenzu thun zu haben, der bei dem bloßen Gedanken anEdelsteine außer sich gerathe.
Der unglückliche Commis, mit welchem sich der ArztNunmehr in eine Conversation einließ, begann alsbaldseine Diamanten oder seine hunderttausend Francs zureclamiren. Die Gräfin warf dem Doctor einen Blickdes Einverständnisses zu, der ihr ein Zeichen machte, siesolle sich entfernen, um den Kranken nicht aufzuregen.
Daß sie den Wink befolgte, versteht sich von selbst,allein als der Commis sah, daß sie im Begriffe war,die Schwelle zu überschreiten, stürzte er sich ihr wie einRasender in den Weg.
„Meine Brillanten!" schrie er. „Meine Brillanten!"
Drei handfeste Männer warfen sich alsbald auf ihn,hielten ihn fest und banden ihn. Man legte ihm dieZwangsjacke an; er heulte wie ein Besessener, in Folgedessen man ihn unter die Douche brachte. Sein Zustand
war ein so aufgeregter, baß man ihn in bke Abtheilungder Tobsüchtig« brachte.
Der Juwelier Melkerin, welcher darüber beunruhigkwurde, daß fein Commis solange nicht zurückkam, glaubte,derselbe sei entweder mit dem Schmuck oder mit demGelde durchgegangen, und machte die Anzeige bei derPolizei; die Detective-Brigade setzte sich in Bewegung,allein es blieb Alles vergeblich. Der verzweifelte Juwelierließ nun die Personalbeschreibung seines Commis in dieBlätter inseriren und schrieb einen bedeutenden Preis fürDenjenigen aus, der ihn aus die Spur desselben bringenwürde. Eine dieser Zeitungen gerieth eines Tages demDoctor Manuel in die Hände, der bei der Lectüre desInserates Berdacht schöpfte. Er ließ seinen Patientenvorführen, fragte ihn aus und überzeugte sich, daß der-selbe absolut nicht wahnsinnig sei, sondern daß sie beidedie Opfer eines schlau ersonnenen Betruges waren.
Die falsche Gräfin aber blieb geraume Zeit spurlosverschwunden; erst viel später ergaben sich gewisse Anhalts-puncte, welche auf die Vermuthung führten, daß dieDiebin in der That eine große Dame war und daß dieFamilie, mit Rücksicht aus den zu befürchtenden Scandal,den Juwelier entschädigte. Die Polizei fand es gerathen,die Sache fallen zu lassen.
Eine andere Geschichte aus dem betreffenden Bucheist vielleicht noch merkwürdiger, da es in diesem Falleder Polizeidirector selbst war, der durch einen mit großemRaffinement ersonnenen Streich düpirt wurde. DieAffaire spielte noch unter dem Kaiserreiche und bestandin Folgendem:
Eine Dame, die nicht zu den „oberen Classen" ge-hörte, hatte eine Einladung zu einem der maskirten Bälleerhalten, welche in den Tuilerien gegeben wurden. Aufdiesem Balle verlor die Dame ein Paar Ohrgehänge vongeradezu unschätzbarem Werthe. Das Gerücht von demVorfalle verbreitete sich alsbald in den Salons. Es warklar, daß es sich hier um einen Diebstahl handelte. Indem Augenblick, als die Dame den Ball verließ und ihreMantille umnahm, fand sie eins der Ohrgehänge, welchessich in die Spitzen der Mantille angenestelt hatte. Sieübergab dasselbe dem Chef der Sicherheitsbehörde, der zujener Zeit Herr Claude war.
Am nächsten Tage, als Herr Claude gerade überdiese Affaire nachdachte, sowie über die Mittel, das Ohr-gehänge zu finden, ohne der Jndiscretion der Zeitungenden Namen der betreffenden Dame preiszugeben, das heißt,ohne einen Scandal zu provociren, erhielt er die Karteeines Herrn, auf welcher die Worte standen: „Graf L...,Osficier der Ehrenlegion." Er gab alsbald Befehl, den-selben zu ihm zu führen.
Der Besucher war ein Mann von hohem Wuchst,brünett und von vornehmem Aussehen. Er nahm in demihm angewiesenen Fauteuil Platz und begann:
„Ich bin", sagte er in Beantwortung einer Fragtdes Polizeidirrctors, „der Bruder der Gräfin L... Inder vergangenen Nacht hat man ihr ein Ohrgehänge ge-stohlen, das für sie auch den Werth eines kostbaren An-denkens hat. Der Kaiser hat Ihnen, Herr Polizeidirector,den Auftrag ertheilt, Alles aufzubieten, nm das gestohleneObject wieder zu finden, und die Gräfin hat Ihnen auchdas andere Ohrgehänge eingehändigt, um Ihnen dieRecherchen zu erleichtern."
„Das ist richtig," entgegnete der Polizeidirector.